Originaltitel: Paradise Drifters
Produktionsland: Niederlande, Spanien, Frankreich

Regie und Drehbuch: Mees Peijnenburg

Darsteller:
Tamar van Waning: Chloe, Jonas Smulders: Lorenzo, Bilal Wahib: Yousef, Joren Seldeslachts: Ivan, Camilla Siegertsz: Chloe’s mum, Steef Cuijpers: Chloe’s stepfather uva.

Genre: Drama
FSK: unbekannt
Länge: 85 Min.

Produktionsfirma: Neon Productions, Pupkin Film
Verleiher: Gusto entertainment

Filmstart (Niederlande):  2. April 2020
Filmstart (Dtl.):  23. Februar 2020 (Berlinale)

Berlinale Sektion: Generation 14plus



Erzählt wird hier ein Porträt drei junger Erwachsener, die obdachlos sind und sich am Rande der Gesellschaft zurecht finden müssen. Aber Chloe, Lorenzo und Yousef haben dennoch eine große Sehnsucht darüber, endlich ein besseres Leben zu führen.

Nahe am Geschehen dran

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© Jasper Wolf/2019 Pupkin

„Nur eine Fahrt … und dann ist es vorbei. Keine Bullen, keine Schulden. Weg.“ – Zitat aus dem Film

Das erste Treffen der drei Personen läuft jedoch zufällig ab. Und schon bald machen sie sich zu dritt auf, um sich von der Peripherie der Wohlstandsgesellschaft zu befreien. Eine bessere Zukunft vor den Augen, gleichbedeutend mit dem Weg und Ziel nach Südeuropa. Zunächst ist das Vertrauen zueinander nicht besonders groß, da jeder mit anderen Lebenssituationen zu kämpfen hat und die Indikatoren unterschiedlicher nicht sein können. Die Disparitäten werden dabei ganz häufig in der Mitte der Gesellschaft deutlich. Oder wenn man eben versucht, in solcher richtig anzukommen. Aber was alle drei gemeinsam haben, ist die Unsicherheit vor der Eigenständigkeit und das Wissen, dass sie auf sich allein gestellt sind. Aber was gestern war, soll nun endlich vergessen sein. Vieles hat dabei doch gestört oder hat man schlicht weg einfach zu wenig dafür getan, um besser leben? Oftmals ist es so, dass man sich bei vielen Dingen oder Entscheidungen selbst im Weg zu stehen scheint. Emotional gesehen ist die Geschichte mehr, als eine simple Autofahrt, wie der Regisseur treffend anmerkte:

„Wir haben diese Geschichte bewusst in einem Bereich angesiedelt, in dem alles ständig auf der Kippe steht, in der das Überleben nicht eine Wahl, sondern eine Notwendigkeit ist. Der Film ist eine explosive und emotionale Achterbahnfahrt.“, so Regisseur Mees Peijnenburg über seinen Film.

Schnelles Geld und ein neues Zuhause ist der Traum aller drei Reisenden. Und oft kommt es anders als man denkt. Man ist stets mitten im Geschehen, weil die Kamera über die ganze Zeit über nahe dran ist und die Emotionen und Erlebnisse hautnah einfängt und die Darsteller es verstehen lebensecht zu spielen. Jonas Smulders wirkt seit 2010 und Bilal Wahib seit 2013 in TV- als auch Filmproduktionen mit. Tamar van Waning gibt mit diesem Film ihr Debüt vor der Kamera. Was auch sehr auffällig erscheint, ist der unsanfte Schnitt in die nächste Szene. Das Bild wird kurz schwarz und man befindet sich schnell in einer neuen Situation wieder. Man könnte es auch im übertragenden Sinne deuten. Eine Sache scheint endlich durchgestanden zu sein, aber schon bald steht die nächste schwierige Situation an. Man kann es auch mit dem Anglizismus „Shit happens“ gleichsetzen, was so viel wie „Scheiße passiert [eben]“ oder „Dumm gelaufen“ heißen könnte.

Kameramann mit langjähriger Erfahrung

Die Rede ist von Jasper Wolf, der bereits seit 1999 an Kurz- und TV-Filme sowie an Dokumentationen arbeitet. Und zwischendrin findet sich auch mal ein Kinofilm wieder. Der bekannteste davon ist die niederländische Version von Boy 7 (2015). Die Deutsche Version mit David Kross in der Hauptrolle erschien sechs Monate später in den Kinos. Auch bei dem Kurz- und TV-Film Wir sind Königskinder (2015) war er als Kameramann verantwortlich, wo er auch schon die Ehre hatte mit Regisseur Mees Peijnenburg zusammenzuarbeiten. Und Jonas Smulders agierte dabei als Hauptdarsteller. Kein Wunder, dass er nun erneut unter Peijnenburg arbeiten konnte. Genau er ist es, der seine Schauspielkollegen in Paradise Drifters mitzieht und die meiste Zeit im Mittelpunkt des Geschehens agiert. Denoch kommen seine beiden anderen Kollegen zur schauspielerischen Entfaltung und ergänzen sich gegenseitig. Man nimmt nicht alles klaglos hin, sondern lässt seine Wut auch mal in Form eines großen Schreiens freien Lauf. Wir alle haben Sorgen und Nöte. Trauen uns aber nicht die Wut einfach mal herauszulassen. Zugegeben, in gewissen Umgebungen ist es wenig angebracht. Aber wer stetig runterschluckt, wird sich nie besser können. Und dies drückt der Film in meinen Augen aus und ist damit nicht nur in Sachen Kamera nah dran und ist mit einer unverkennbaren Handschrift versehen. Mees Peijnenburg hat genau den richtigen Weg gefunden um seine Geschichte trotz gewisser Dynamiken ruhig und mit viel Einfühlungsvermögen zu erzählen. Kurz gesagt ist hier eine perfekte Balance geglückt, der man sich nur schwer entziehen kann.

Fazit: Das niederländische Drama gibt sich schonungslos, ehrlich und nah. Erfahrene Schauspieler ergänzen sich prima mit Debütanten. Sie alle suchen etwas und hoffen was zu finden, was in den letzten Jahren vielerorts zu einer Seltenheit geworden ist. Die Rede ist von Menschlichkeit in enger Verbindung mit Beziehungen und Sicherheit. Aber auch die Sehnsucht zur Nächstenliebe spielt eine Rolle. Eben ein Drama in Reinkultur, welches nicht ungesehen bleiben sollte.


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Bildquelle Titelbild und Plakat: © Jasper Wolf/2019 Pupkin


Weitere Infos:

Spieltermine von Paradise Drifters bei der Berlinale 2020


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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