Originaltitel: The Breakfast Club
Produktionsland: USA

Darsteller:
Judd Nelson: John Bender, Molly Ringwald: Claire Standish, Ally Sheedy: Allison Reynolds, Emilio Estevez: Andrew Clark, Anthony Michael Hall: Brian Johnson, Paul Gleason: Richard Vernon, John Kapelos: Carl
Regie und Drehbuch: John Hughes

Genre: Drama
FSK: 12
Länge: 97 Min.
Verleiher: Universal Pictures

Premiere in den USA: 7. Februar 1985
Filmstart in Dtl. (West): 5. Juli 1985


,,...And these children
that you spit on
as they try to change their worlds
are immune to your consultations.
They're quite aware
of what they're going through...“

DAVID BOWIE aus seinem Song ,,Changes“ (1971)

...Du spuckst auf diese Kinder,
die in ihre Zukunft wachsen,
ohne deinen Rat.
Ihnen ist nur bewusst,
was vorgeht in der Gegenwart...“

Man schreibt den 24. März 1984 an einer Highschool in Illinois. An einem Samstag um 7:00 Uhr Morgens müssen fünf Schüler, die vom Charakter her völlig unterschiedlich sind nachsitzen. Da stellt sich die Frage, ob sie überhaupt Gemeinsamkeiten haben. Zu dem Personenkreis zählen: Streber Brian, Rebell John, Sport-Ass Andrew, „Prinzessin“ Claire und Außenseiterin Allison. Alle sahen sich einer engstirnigen Erwartungshaltung ihrer Umwelt gegenüber.

Auf der Flucht vor dem Lehrer? ©United International Pictures GmbH

,,John Hughes hatte das Gespür für die Jugend. Im Allgemeinen hatte er wirklich ein gutes Gespür dafür. Man hatte immer das Gefühl, John war gar kein Erwachsener, das heißt, er war eine dieser Persönlichkeiten, die noch wie ein Teenager dachten. Er erinnerte sich an die Zeit als Teenager. Er wusste als Heranwachsener dreht sich die Welt um das, was man durchmacht und alles wird dadurch gefiltert.“

Regisseur Michael Lehmann über John Hughes

Ein klassischer Fall von Stereotypen?

John zählt zu den Menschen, die nicht gerade aus gut bürgerlichen Verhältnissen stammen. Zwar genießt er seine Freiheit bis zum Anschlag, andererseits wird er von der nobleren Seite der Gesellschaft verachtet. So könnte auch Claire eingestellt sein, die schon sehr prinzessinenhaft in Erscheinung tritt. Doch gewissermaßen möchte sie unbedingt einer Gruppe angehören. Jene Gemeinschaften schließen auch schon mal ganz gerne Streber aus. Zu solchen gehört eben auch Brian, der schon etwas sonderbar zu sein scheint. Ausgewaschener Schlabberpulli und eine etwas zu kurz geratene Hose gehören zu seinem Outfit. Aber die blauen Nike Sneaker und weißen Socken sind dann doch irgendwie schon wieder jugendtypisch bzw. sportlich. Zur sportlichen Kategorie zählt der Ringer Andrew, der genau wie Brian nicht so recht mit dem Erwartungsdruck der Eltern klarkommt. Dann ist da noch Allison, die schon so eine Art Mauerblümchen ist. Ihre Persönlichkeit scheint bei ihren Eltern keinen Anklang zu finden.

Damit sind die verschiedenen Charaktäre in eine Schublade gesteckt. Doch machen wir sowas bewusst? Wollen wir Klischees erfüllen oder einfach nur die Menschen für uns selbst einordnen? Es ist stets ein Urteil, oder im krasseren Fall ein Vorurteil, was sich im Nachhinein als völlig falsch herausstellen könnte. Und diese Ergründung scheint auch dieser Film hier verfolgen zu wollen. Wir haben feste Vorstellungen von unseren Mitmenschen, was in dessen Eigenschaften oder Verhaltensweisen heraussticht. Ganz besonders fällt es auf, wenn man im sozialen Bereich arbeitet. Da wird sowas in der Regel auch dokumentiert. Zu erwähnen sei, dass hier aber keine Herabsetzung, sondern ein Fördern der vorhandenen Ressourcen stattfindet. Doch zurück zum Film. Was ich damit sagen möchte, ist die Tatsache, dass wir auch die Figuren im Film erst einmal werten werden. Brian tut dies ja schon zu Beginn des Films, als man ihn im Hintergrund sprechen hört. Untermauert wird dies mit Szenenbildern, die den Stereotyp jeden einzelnen Charakters beschreiben bzw. zuordnen. Dies bedeutet: Wir haben die Personen noch nicht einmal gesehen, aber schon ein schemenhaftes Charakterbild im Kopf, wo wir sie schon mal vorab einordnen.

Sind auch die Archetypen vorhanden?

Zunächst muss erst einmal geklärt sein, wie die Archetypen einzuordnen sind. Sie stehen für die Urbilder, die mit ähnlichen Assoziationen und Emotionen verbunden sind. Nehmen wir als Beispiel „den Herscher“, der nicht nur bewusst Kontrolle ausübt, sondern auch für eine Struktur steht, die mit unbändigen Willen einzuhalten ist. Ein Herscher sieht sich als selbstbewusstes Wesen und hat eine hohe Rangordnung inne. Die Archetypen kennen wir seit mehr als 80 Jahren. In den 1930er Jahren entwickelte der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung ein Konzept, wo die Urfiguren mit bestimmten Eigenschaften, Emotionen und Zielen verbunden werden. Explizit heißt dies, dass ein Archetyp für eine symbolische Figur steht, die über Generationen und Kulturen Lernprozessen ausgesetzt ist und darüber hinaus Assoziationen bei Menschen auslöst.

Es gibt insgesamt 12 Archetypen. Von eben solchen sticht „der Rebell“ im Film ganz besonders hervor, der gerne Regeln bricht und gegen den Mainstream agiert. Regisseur John Hughes gestaltete die Figur so, dass sie von den anderen Protagonisten im besten Falle geduldet ist, aber nicht sonderlich ernst genommen wird. Aggressive Verhaltensweisen dieser Person dominieren von Beginn an das Geschehen. Doch hat diese Figur was zu verbergen oder möchte sie mit der angriffslustigen Art etwas ganz Bestimmtes erfahren oder vielleicht verändern? Oder besteht hier sogar der Wille sich selbst zu verändern? Doch er sieht sich hier Menschen gegenüber, die sich dem entgegenstellen. Zum einen ist dies die höchste Autorität in Form des Lehrers, der das Nachsitzen der Schüler beaufsichtigt. Der Lehrer ist mit dem schon oben genannten Herscher gleichzusetzen. Er steht über den Schülern und übt eine besondere Dominanz und Kontrolle aus. Tanzt dabei einer aus der Reihe, wird er seine Dominanz noch mehr verstärken. Dies kann in Form von Bestrafungen wie noch mehr Nachsitzen erfolgen.

Muss sich gegen nachsitzende Schüler behaupten: Paul Gleason als Lehrer Richard Vernon. ©United International Pictures GmbH

Gegensätze ziehen sich an

Wie schon erwähnt haben wir es mit sehr unterschiedlichen Charakteren zu tun, die nicht im Geringsten was gemeinsam haben. Doch Hughes schafft es jeder einzelner Figur eine Bühne zu geben, wo sie sich mit verschiedenen Emotionen ausdrücken kann. Mit zunehmender Spieldauer lauschen wir den Dialogen, die mit verschiedenen Stimmlagen versehen sind. Mal spüren wir Aggressionen, dann wieder Traurigkeit oder auch eben Humor. Hier zeigt sich wie unterschiedlich man sich ausdrücken kann und gewisse Dinge vielleicht nicht so schlimm sind, wenn man kurz in sich geht oder vielleicht der Person gegenüber deren Ansicht annimmt und versucht über den Dingen zu stehen. Manchmal ist die Lösung des Problems schon da. Nur merken wir es manchmal erst, wenn wir uns bestimmten Personen offen zeigen. Und mit dem entsprechenden Einfühlungsvermögen hat es der Regisseur geschafft, dass man sich in die handelnen Figuren nicht nur reinversetzen kann, sondern sich auch selbst daran erinnert wie schwer wir selbst es in unserer Jugend hatten. Damals wie heute ist die Jugend einen Wettbewerb ausgesetzt, den sie bestehen müssen. Sie streben nicht nur nach guten Noten, die man sich hart erarbeiten muss, sondern auch nach Anerkennung im Bekannten- als auch Freundeskreis. In beiden Dingen kann Erwartungsdruck entstehen, dem man sich mitunter nicht so leicht entziehen kann. Und diesen Aspekt arbeitet dieser Film explizit heraus. Hauptdarsteller Anthony Michael Hall machte dazu folgende Aussage in einer Doku:

,,Jeder kann verstehen, wie es ist ins Abseits gedrängt zu werden, in einer Beziehung, innerhalb der Familie, zuhause, wegen der Herkunft, egal. Und was interessant ist, der Film wagt es, dies auf eine Art anzugreifen, indem er diese Charaktere benutzt. Einfach eine brillante Idee.“

Auch dieser Klassiker enthält natürlich Trivia, und ich habe Wissenswertes für euch recherchieren können. So wurde der Film in Reihenfolge gedreht. Das Drehbuch entwarf John Hughes in nur zwei Tagen, nämlich am 4./5. Juni 1982. Darsteller Judd Nelson (John Bender) trug im Film die Kleidung, die er auch beim Vorsprechen für die Rolle anhatte. Als A. Michael Halls Charakter Brian zur Schule gefahren wird, wird er dabei von seiner Mutter und Schwester begleitet. Die Darstellerinnen sind in Wirklichkeit seine Mutter und Schwester. Das Titellied „Don’t You (Forget About Me)“ wurde für den Film von Keith Forsey geschrieben. Es war ein Nummer-1-Hit für die Band Simple Minds. Billy Idol und Bryan Ferry lehnten Angebote ab, es aufzunehmen. B. Idol nahm es allerdings im Jahr 2001 als Bonustrack für sein Greatest Hits-Album auf. Die Schule, in der dieser Film spielt, wurde im Gymnasium der Maine North High School speziell für den Film umgebaut. Die Schule wurde 1982 geschlossen, zwei Jahre bevor die Dreharbeiten begannen. Das Gebäude war für Parkbezirkszwecke und den Chicago Blitz der inzwischen aufgelösten USFL (United States Football League) genutzt worden, bevor die Illinois State Police es kaufte und in eine Polizeistation umbaute, die bis heute existiert.

Fazit: Der Film steht nicht nur stilprägend für seine Zeit, sondern hat seinen Mehrwert bis heute beibehalten. Er ist nicht nur einfühlsam, sondern ist besonders durch seine Psychologie relevant. Zwar wird man hier von vielen Dialogen begleitet, aber dank der einfühlsamen Spielweise der Darsteller kommt Spannung auf, da sie es verstehen, sich mit der Zeit zu offenbaren, was gleichbedeutend mit ihrer Veränderlichkeit ist. Wer genau aufpasst, wird am Ende eine gewisse Botschaft erfahren, die der Film in sich trägt.


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Quellen der Zitate von den Darstellern und Regisseuren: Dokumentation Sincerely Yours (2008). Auf der Blu-ray bei den Extras mit dem Titel Mit freundlichen Grüßen zu finden.


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

5 Gedanken zu “The Breakfast Club [1985] – Eine ästhetische Odyssee am Samstagmorgen

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