Originaltitel: Under the Silver Lake
Produktionsland: USA

Regie und Drehbuch: David Robert Mitchell
Darsteller:
Andrew Garfield: Sam, Wendy Vanden Heuvel: Topless Bird Woman, Deborah Geffner: Mom (voice), Riley Keough: Sarah, Riki Lindhome: Actress uva.

Genre: Drama, Thriller
FSK: 16
Länge: 139 Min.
Verleiher:
A24 (USA),  Weltkino Filmverleih (Dtl.)

Filmstart in den USA: 19. April 2019
Filmstart in Dtl.: 06. Dezember 2018


Sam (Andrew Garfield) ist über 30 Jahre alt und arbeitslos. Desillusioniert zieht er durch die Straßen von Los Angeles, bis er eines Nachts die mysteriöse Sarah (Riley Keough) im Swimmingpool der Apartmentanlage kennenlernt. Als beide eine leidenschaftliche Nacht miteinander verbracht haben, ist Sarah plötzlich verschwunden. Sam kann es nicht fassen und stellt Nachforschungen an, in dem er eine Reihe von Spuren und Hinweisen prüft, die Sarah angeblich hinterlassen hat. Es scheint eine große Verschwörung in Gange zu sein und es beginnt eine skurrile Odyssee durch Los Angeles.

Hommage an die Popkultur des 20. Jahrhunderts?

Während dieser Odyssee wird man Zeuge einiger Referenzen der Kultur aus Musik und Film. So ist ein Plakat von Kurt Cobain zu sehen, als Sam mit Sarah leidenschaftlich wird. Im Verlauf der Geschichte tauchen dann noch einige Gitarren aus dieser Epoche auf. Regisseur David Robert Mitchell, der mit dem Coming-of-Age-Film The Myth of the American Sleepover (2010) sein Debüt feierte, setzte auch den Horrorfilm It Follows (2014) um. Mit Under the Silver Lake ging er einen komplett neuen Weg und schuf eine Art modernen Neo-Noir-Thriller. Seinen Protagonisten Sam lässt er dabei abseits des normalen Alltags durch die Gegend stolpern, der nichts auf die Reihe zu kriegen scheint. Oder ist es einfach nur ein Drogenrausch, in dem sich Sam gerade befindet? Geschickt wird man hier im Unklaren gelassen und explizit durch die Geschichte geführt, die mit einem Score von Disasterpeace (bürgerlicher Name: Rich Vreeland) unterlegt ist. Vreeland steuerte auch die Musik zu It Follows bei. Als musikalische Abrundung gibt es noch Songs von Jesus & The Brides Of Dracula („Turning Teeth“), Meek Bride & Her Band („To Sir With Love“), R.E.M. („What’s The Frequency, Kenneth?“), („Strange Currencies) und The Association („Never My Love“) zu hören. Genau passend zu dem wechselhaften Szenenbild von Los Angeles bei Tag als auch Nacht.

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Under the Silver Lake: Andrew Garfield und Riley Keough (©A24)

Ergibt der Plot wirklich Sinn?

Um spoilerfrei zu bleiben, wird dies an dieser Stelle nicht verraten. Der Zuschauer ist dazu angehalten sich selbst ein Bild darüber zu machen, der auch in den Genuss kommt popkulturelle Anspielungen und teils smarte Parodie zu erleben. Wer sich mit dem klassischen Filmen aus den 1950er Jahren auskennt, wird zudem Zeuge eines Ortes, der in einem Film von James Dean eine besondere Rolle spielte. Es ist eine Reise, die vielleicht nicht surrealer sein kann. Dabei erlebt man Verweise auf Hitchcock, Polanski und Lynch, Raymond Chandler und George Cukor. Aber wirkt sowas mit zunehmender Dauer nicht etwas überladen? Leider tut er dies und besonders in der ersten Hälfte wird man beinahe davon erschlagen. Wer hier keine Geduld hat, wird den Film wohl nicht ganz bis zum Ende schauen. Aber wer über gutes Sitzfleisch verfügt, wird spätestens in der zweiten Hälfte für alles entschädigt. Gerade mit dieser Überladenheit entsteht Spannung und Sam (Andrew Garfield) treibt mit all seinen Verrücktheiten den Plot in dieser Phase voran. Denn er ist eigentlich ein Stalker, der stets kurz davorsteht sein Apartment zu verlieren, weil er mit der Miete seit mehreren Monaten in Rückstand ist. Er macht er Begegnungen mit Hundemördern oder barbusigen Eulen-Frauen. So entsteht eine Ästhetik, die mit diesen modernen Elementen mit dem klassischen Noir-Film verwoben wird.

Der Film hat auf Preisverleihungen auf sich aufmerksam gemacht und Regisseur David Robert Mitchell wurde bei den Filmfestspielen in Cannes für die Goldene Palme nominiert. Beim Neuchâtel International Fantastic Film Festival wurde er für die Goldene Narzisse nominiert. Am gleichen Ort erhielt der Film den Preis der Jugendjury. Die Produktionkosten beliefen sich auf rund 8,5 Mio. US-Dollar.

Fazit: Fast den ganzen Film über besteht eine melanchonische Dramaturgie, die sich steigert, je länger der Film dauert. Dabei bleibt er auch nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht körperbetonte Szenen zu zeigen. Hauptdarsteller Andrew Garfield findet sich in einer dichten Atmosphäre wieder, der man sich nicht mehr entziehen kann. Garfield geht vollends in seiner Rolle auf und überzeugt mit den sich bietenen Möglichkeiten. Bei der Charakterzeichnung hätte man aber durchaus noch mehr herausholen können, was ja aufgrund der Länge des Films durchaus möglich gewesen wäre. Betrachtet man die Figur einmal psychologisch, dann wurde sie nur unzureichend oder zu oberflächlich ausgearbeitet. Dieses Drama ist andersartig und traut sich etwas, was andere Filme nicht geschafft haben. Schon allein deswegen ist er eine Sichtung wert. Ob er dabei als Meisterwerk in die Geschichte eingehen wird steht in den Sternen.

 


Titelbild: Under the Silver Lake: Andrew Garfield (©A24)

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