Disconnect [2012]

disconnect
© LD Entertainment

Originaltitel: Disconnect
Produktionsland: USA
Darsteller: Jason Bateman, Frank Grillo, Paula Patton, Colin Ford u.a.
Regie: Henry Alex Rubin

Genre: Drama
Länge: 115 Min.
FSK: 12
Verleiher: LD Entertainment


Diese Kritik ist wahrlich kein einfaches Thema. Ich überlegt sehr lange, wie man sowas beim schreiben angehen sollte. Schließlich handelt es sich hier um Themen, die sehr eindringlich dargestellt sind. „Disconnect“ wurde bereits 2012 produziert und seine Premiere feierte er im Frühling 2013. Obwohl der Streifen schon mehrere Jahre auf dem Buckel hat, sind seine Themen Missbrauch, Identitätsdiebstahl und Mobbing im Internet oder via facebook allgegenwertig.

2016-04-23 12.32.11

Der Anwalt Rich Boyd (Jason Bateman) ist sehr beschäftigt und sein Handy stets im Dauereinsatz. Zeit für seine Frau Lydia (Hope Davis) bzw. seiner Kinder Abby (Haley Ramm) und Ben (Jonah Bobo) hat er kaum.
Nicht wirklich besser läuft es bei Ehepaar Cindy Hull (Paula Patton) und Derek (Alexander Skarsgard). Probleme werden nicht mehr persönlich unter vier Augen geklärt, sondern man sucht lieber die Ablenkung im Internet. Es ist keine Seltenheit, dass Menschen bzw. Mitschüler über Facebook gemobbt werden. Dieses Mobbing betreibt auch der Teenager Jason (Colin Ford). Jedoch ahnt sein Vater (Frank Grillo) nicht, was sein Sohn da eigentlich tut. Dann wäre da noch die Journalistin Nina Dunham (Andrea Riseborough), die immer auf eine große Geschichte aus ist. So auch, als sie zufällig den jungen Kyle (Max Thieriot) kennenlernt. Sie ahnt nicht, dass er sich auf Porno-Seiten im Internet vor der Webcam zeigt…

Es ist ein Bild der heutigen Gesellschaft, dass wir immer und überall „mobil“ sein müssen. Egal ob Netbook, Notebook, Tablet oder Smartphone. Es muss zu jeder Zeit gecheckt werden, was im WWW so abgeht oder wer gerade bei WhatsApp eine Sprachnachricht geschickt hat. Viele von euch finden das vielleicht normal, dass es so ist. Aber wenn man dieses Thema mal genauer betrachtet, ist es nicht so normal. Es birgt auch viele Gefahren in sich. U.a. kann sich daraus eine Sucht entwickeln, aus der man nicht mehr so leicht rauskommt. Wie steht es denn mit dem Highscore bei Candy Chrush oder den Aufgaben bei Springfield? Viele kennen es. Man ist vielleicht mit guten Freunden unterwegs oder bei der Familie eingeladen. Trotzdem hängt man nur am Smartphone oder sonstige Dinge. Diese Geräte bzw. das Internet können nicht nur zu einer Sucht werden, sondern auch das soziale Leben einschränken. Manch einen ist vielleicht die Statusmeldung bei Facebook wichtiger, als sich vielleicht unter Freunden/Familie über ein wichtiges Thema zu unterhalten. Selbst in der Schule ist ständig das Handy im Einsatz. Anstatt aufzupassen, was gerade im Unterricht so abläuft. Man läuft Gefahr, den Bezug zur Realität zu verlieren. Und das ist ein schleichener Prozess. Und der Filmtitel Disconnect kann passender nicht sein. Manchmal sollte man einfach wirklich mal „trennen“, um ein wenig die Realität zu wahren. Mit diesem Titel bringen es der Drehbuchautor Andrew Stern (Zurück zu dir) und Regisseur Henry Alex Rubin (Murderball, Durchgeknallt) direkt auf dem Punkt. Es ist nicht nur die mangelnde Kommunikation, die es zu beklagen gibt. Auch die Internet-Kriminalität spielt da oft eine große Rolle. Das Episodendrama geht recht offensiv an die Thematik, in dem die Geschehnissse sehr dramatisiert angegangen werden.

Cindy (Paula Patton) und Derek Hull (Alexander Skarsgård) sind schon längere Zeit sehr unglücklich. Ihr kleines Baby ist bereits verstorben. Seither lässt die Kommunikation des jungen Paares zu wünschen übrig. Cindy sucht deshalb Ablenkung in diversen Chatrooms. Derek hingegen widmet sich den kostenpflichtigen Online-Games. Bis sie irgendwann bemerken, dass ihre sämtlichen Daten geplündert wurden und auch ihr Konto leergeräumt wurde. Um die Angelegenheit aufzuklären, engagieren sie den Ex-Cop Dixon (Frank Grillo). Dixon ist Witwer und ist nun als Privatdetktiv für Netzkriminalität aktiv. Jedoch ist ihm nicht bewusst, dass sein Sohn Jason (Colin Ford) auch so seine Spielchen im Internet treibt. Er und sein Kumpel erstellen ein Fake-Facebook-Profil, um den Mitschüler Ben (Jonah Bobo) zu demütigen. Vater Rich (Jason Bateman) und Mutter Lydia (Hope Davis) bemerken von dem Cyber-Mobbing nichts. Schließlich hat Rich nur selbst die Arbeit im Auge und 24h täglich sein Handy im Visier. Dann ist da noch die äußerst erfolgreiche Reporterin Nina Dunham (Andrea Riseborough), die Recherchen betreibt. Dabei trifft sie auf Kyle (Max Thieriot), der sich online für Prostitution freigibt. Nina sieht darin eine große Story, bei dem nicht nur die Fernsehsender Interesse haben.

Regisseur Henry Alex Rubin gibt hier Debüt im Bereich der Spielfilme. Weit davor war er im Genre der Dokumentationen unterwegs gewesen. Und selbst Disconnect ist irgendwie eine Art Dokumentation. Das Geschehen der Handlung ist in der bürgerlichen Mittelschicht angesiedelt. Hier zeigt Rubin auf, dass nicht alles in bester Ordnung ist, obwohl es oberflächig erst einmal so scheint. Es wird viel mehr deutlich, dass Anonymität nicht vor der persönlicher Entfremdung halt macht. Wie es im echten Leben schon lange der Fall ist, dass persönliche Gespräche von Angesicht zu Angesicht ignoriert werden, stellt Rubin dieses Szenario sehr realistisch nach. Man bekommt aufgezeigt, dass die Kommunikation im Internet keine Seele hat und man jederzeit in eine Falle tappen kann. Vertrauen kann dabei vorgetäuscht sein, um den eigenen Vorteil auszunutzen, wie dies auch bei der TV-Reporterin Nina deutlich wird. Nina ist erfolgsbesessen und wittern eine große Story. Diese kann sie aber nur umsetzen, wenn Kyle ihr sein Herz öffnet. Das junge Paar Hull spricht hingegen nicht mehr miteinander. Der Chat mit fremden Menschen hat hier schon seinen festen Platz im Alltag. Der Einzelgänger Ben gewinnt nun mehr Selbstvertrauen, als er beginnt mit einer vermeintlichen Internet-Bekanntschaft zu chatten. Im Verlauf der Handlung hat auch sein Vater Chat-Kontakt zu ihr und erahnt nach und nach die Gedanken seines entfremdeten Sohns. Ungeahnt dessen wird dabei der zuerst auf Streiche aus gewesene Teenager Jason von Schuldgefühlen heimgesucht. Die Dramatik nimmt bei allen Protagonisten seinen Lauf und wird bis auf die Spitze getrieben, wo die Handlungsstränge mehr und mehr miteinander verwoben werden.

Die Rollen des Film wurden perfekt besetzt. Besonders die Jungdarsteller ragen hier heraus. Colin Ford (Wir kaufen einen Zoo) der später in seiner Darbietung von Schuldgefühlen geplagt wird, bringt dies glaubhaft und mitreißend rüber. Auch der schon erfahrene Hauptdarsteller Jason Bateman (Kill the Boss) war bisher eher in Komödien zuhause. Disconnect war dabei eine große Herausforderung, die er in bestechender Form meistert. Diese eindringliche Mimik und die Verzweiflung des Vaters konnte nicht besser dargestellt werden. Beeindruckend bis ins Detail.

Fazit: Disconnect kommt schon fast als Dokumentarfilm daher. Schließlich war Regisseur Rubin bis dato auf diesem Gebiet Experte. Aber hier gelingt ihm der Spagat zum Spielfilm sehr gut. Das Drama, was durchaus mit Thriller-Elementen versehen ist, zeigt dem Zuschauer nur zu dramatisch auf, was die Folgen des Daten-Missbrauchs, Indentitätsdiebstahl und Mobbing im „World Wide Web“ für Folgen haben kann. Ein Geheimtipp, den man sich zumindest einmal anschauen sollte. Man wird es nicht bereuen.


 

2 Gedanken zu “Disconnect [2012]

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