Originaltitel: Dirty Dancing
Produktionsland: USA

Darsteller:
Jennifer Grey: Baby Houseman, Patrick Swayze: Johnny Castle, Jerry Orbach: Jake Houseman, Cynthia Rhodes: Penny Johnson, Jack Weston: Max Kellerman, Jane Brucker: Lisa Houseman
u.v.a.

Drehbuch: Eleanor Bergstein
Regie:
Emile Ardolino

Genre: Drama, Romanze, Musik
FSK: 12
Länge: 100 Min.

Produktionsfirma:
Great American Films Limited Partnership, Vestron Pictures
Verleiher: Concorde Home Entertainment

Premiere (USA):
17. August 1987
Filmstart (Dtl.): 8. Oktober 1987 (West), 30. Juni 1989 (Ost)
Start der Blu-ray:
08. Oktober 2009



Sommer 1963: Die 17-jährige Babe (Jennifer Gray) macht wie jedes mit ihren Eltern bei den Kellermans Urlaub. Da Babe sich schnell langweilt, sieht sie sich bei den Ausrichtern der Tanzstunden um und freundet sich mit ihnen an. Besonders ins Auge fällt ihr Johnny Castle (Patrick Swayze), deren Tanzpartnerin Penny (C. Rhodes) nicht am Tanzwettbewerb teilnehmen kann. Es scheint die Gunst der Stunde für Baby zu sein…

Damals wie heute ist es noch immer das Mountain Lake Resort © Concorde Home Entertainment

Der Verweis einer wahren Geschichte?

,,Nicht… Dann muss ich dich warnen. Frag mich nicht, ob das meine Geschichte ist, dann werde ich sauer.“

Eleanor Bergstein

Nun ja, ihre Geschichte ist es nicht wirklich, wie sie in einer Doukreihe auf Netflix erklärte. Aber eines ist sicher, der Plot des Films basiert ganz lose auf Eleanors Jugend in den 1950er Jahren. Sie nannte man Baby bis sie 20 Jahre alt war und ihr Vater war damals ebenfalls Arzt. Eleanor ging damals in den Keller, um wild zu tanzen. Genau wie es auch im Film dargestellt wird. Aber ihre Lebensgeschichte ist das noch lange nicht. Viel mehr ist es eine Inspiration, die auf sie beruht.

Aber warum heißt der Film eigentlich Dirty Dancing? Man tanzte dicht an dicht und bot dabei obzöne Gesten.Gespräche fanden über den Körper statt und Eltern waren mit so einer Art Tanz nicht einverstanden. Ginge es nach ihnen, sollte man es am besten verbieten. Und besonders in der Hinsicht sticht der Konservatismus hervor, der speziell in den 1950er und 1960er Jahren besonders prägend war. Sprich, es ist die Bewahrung der gesellschaftlichen Ordnung dieser Zeit, die zu damaliger Zeit einer bewährter und gewachsener Tradition zugrunde liegt.

Aber auch der Schwangerschaftsabbruch ist im Film ein Thema, welches ab den 1960er Jahren die Frauenbewegung auf den Plan rief und ihr Argument lautete die ,,Selbstbestimmung der Frau“. Dass dafür noch lange gekämpft werden musste, ist ein anderes Thema. Aber wie es der Film im Bezug der 1960er Jahre aufgreift, ist realistisch in Szene gesetzt worden.

Projekt fast zum Scheitern verurteilt worden

Die Produzentin Linda Gottlieb hatte einen Vertrag bei MGM. Und dieses Studio war damals für seine Tanzfilme bekannt. Also musste nur noch das Drehbuch dem Studio vorgelegt werden. Doch dazu kam es nicht, weil der Ansprechpartner für das Drehbuch gefeuert wurde. Dann stellte man sich bei weiteren Studios vor und Paramount war eines der ersten Absagen. Irgendwann war man bei 42 Absagen angelangt und die Studios gingen besonders Linda so langsam aber sicher aus. Da war guter Rat teuer.

Aber dann war da noch Vestron Video. Und dieses Studio stand nicht gerade für Qualität und produzierten mehr schlecht als recht Filme am Fließband. Ein kleines Studio eben. Aber Vestron hatte den großen Studios voraus, dass sie den Wert der Videokassette erkannten, auch wenn sie bis 1983 nur Pornos auf VHS herausbrachten. Doch schon bald entdeckten sie eine Marktlücke, was gleichzeitig Mitchell Cannon auf den Plan rief, der als Produktionsleiter eingestellt wurde. In der Folgezeit flatterten Drehbücher herein, die bei den großen Studios als Müll eingestuft worden sind. Aber die Auslese fiel Vestron besonders schwer, bis das Drehbuch über Dirty Dancing hervorstach. Mitchell las es und war begeistert. Und nun musste ein Regisseur gefunden werden, der diesen Stoff in die praktische Tat umsetzt.

Diese Personalie war mit Emile Ardolino schnell gefunden. Aber der war genauso unerfahren wie die Produzenten. Bis dato hatte er noch keinen Spielfilm gedreht. Was er allerdings vorweisen konnte, war ein Kurzfilm über Jugendliche die tanzten. Bei dem 51-minütigen Film handelte es sich um He Makes Me Feel Like Dancin‘ (1983). Und er gewann einen Oscar als Bester Dokumentarfilm. So ganz nebenbei sei erwähnt, dass Judy Collins und Kevin Kline mitgespielt haben. Da sage noch jemand, Ardolino konnte keine Referenzen mit dem Aspekt tanzen vorweisen. Solche Entscheidungen der Besetzung sind dann doch in der Regel mit einem gewissen Risiko behaftet. Aber gut, er war ohnehin dazu bestimmt, Qualitäten und Erfahrungen auf ganz anderen Ebenen einzubringen.

Suche nach den passenden Hauptrollen war schwierig

Ist stets lernfähig bei der Sache: Baby (Jennifer Grey). © Concorde Home Entertainment

Die Zusammenarbeit der späteren Hauptdarsteller war es ebenfalls, um diesen Punkt mal vorzugreifen. Aber bis es dazu kam, kursierten viele Namen, die Baby spielen sollten. Vorgeschlagen wurde auch Pia Zadora, die alles andere war, als es die Rolle hergab. Sie war eine regelrechte Sexbombe und brachte nicht die Eigenschaften mit, die für die Rolle der Baby gefragt waren. Für diese Besetzung waren auch Winona Ryder und Sarah Jessica Parker im Gespräch.

,,Eleanor ist in vielerlei Hinsicht Baby.“

Miranda Garison (Asssistent Choreographer)

Und anhand dieser Aussage war schon klar, dass die Wahl nur auf Jennifer Grey fallen konnte. Sie war verletzlich, unbeholfen und vielleicht auch ein wenig tollpatschig. Genau das, was sich Eleanor Bergstein für die Rolle vorgestellt hatte. Doch was dies mit der engen Zusammenarbeit mit der männlichen Hauptrolle bedeuten sollte, zeige ich jetzt auf. Aber auch diese Besetzung war mit viel Vorgeplänkel behaftet, bzw. kursierten viele Namen, die vielleicht passten, aber dann eben doch nicht wirklich. Im Gespräch war u.a. Adrian Zmed, der zuvor gemeinsam mit William Shatner in der Krimiserie T.J. Hooker (1982-1986) mitgespielt hatte. Gehandelt wurde auch der Name Benicio Del Toro, der bis dato kaum schauspielerische Erfahrungen sammeln konnte. Von gelegenlichen Gastauftritten in TV-Serien mal abgesehen. Auch Billy Zane konnte sich Hoffnungen auf die Rolle machen. Doch dann gewann man mehr und mehr die Erkenntnis, dass der doch kein besonders guter Tänzer war. Viele Kinozuschauer werden ihn noch als Bösewicht aus Titanic (1997) und in einer Minirolle in den ersten beiden Zurück in die Zukunft Filmen kennen.

„Dirty Dancing hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich wusste nicht, was Ruhm bedeutet. Es war die Art von Ruhm, die bleibt. Wir wussten, wenn wir uns selbst treu bleiben wollten, mussten wir Hollywood verlassen. Wir haben eine Ranch nördlich von L.A. Am Angeles National Forest in den San Gabriel Mountains.“

Patrick Swayze in einem Interview bei einem Making-Of zum Film
Ein ziemlicher Macho: Patrick Swayze als Johnny Castle. © Concorde Home Entertainment

Doch dann kam es doch noch zu der Verpflichtung, die ganz nach Eleanor Bergsteins Geschmack war. Es handelte sich um Patrick Swayze, der mit diesem Film seinen Durchbruch schaffen sollte. Er hatte die nötige Tanzerfahrung, aber auch mit einer Verletzung zu kämpfen, die er sich gegen Ende der 1970er Jahre als Footballspieler zugezogen hatte. Doch wer meint, man habe jetzt das perfekte Traumpaar für den Film gefunden, wird sich arg getäuscht sehen.Grey und Swayze konnten überhaupt nicht miteinander. Bei den Dreharbeiten zu Die rote Flut (1985) kam es zu diesen Spannungen. Und es schien so, als würde es auch dieses Mal wieder krachen. So war Swayze ziemlich von Greys Unbeholfenheit genervt, was u.a. daran lag, als er ständig auf den Fuß getreten wurde. Und das ist im übrigen im Film drin, was ihn damit natürlich authentischer macht. Aber beide Akteure schafften es irgendwann sich zusammenzureißen, was auch ein Verdienst von Regisseur Emile Ardolino war, der insgesamt für eine gute Chemie und Zusammenhalt sorgte.

Und da ist eigentlich egal, dass er bis dahin keine Spielfilmerfahrung hatte. Wenn man so auf sein Gesamtstab einwirken konnte, dann hat man am Ende des Tages sehr viel richtig gemacht. Und es war Swayze selbst, der trotz großer Schmerzen die perfekte Szene spielen wollte. Aber auch J. Grey und Nebendarsteller Jerry Orbach konnten überzeugen, als es darum ging eine realistische Vater-Tochter-Beziehung zu ziehen. Die Tochter wird langsam erwachsen und der Vater kommt weniger damit klar. Den Schmerz, den dabei ein Vater spürt, wurde perfekt von J. Orbach gespielt. Und damit ist klar, dass dieser Independentfilm weit über eine Liebesschnulze hinausgeht.

Improvisationen bei den Drehorten und der Musik

Auch diese Szene hat irgendwie Kultstatus © Concorde Home Entertainment

Was im Film nicht auffällt, ist die Tatsache, dass die Drehorte rund 216 Meilen bzw. knapp vier Stunden Autofahrt voneinander entfernt ist. Das Mountain Lake Resort liegt in Virginia und kann ab 132 € pro Nacht gebucht werden. Ein Besuch dürfte sich lohnen, da man vieles von einst erhalten hat. Der Speisesaal, wie er im Film zu sehen ist, ist immer noch erhalten. Auch der Pavillon am See ist immer noch da. Allerdings ist der See selbst nicht mehr vorhanden, wo einst eine berühmte Szene entstanden ist. Eben solcher wurde im Jahr 2006 trockengelegt. Viele andere Szenen sind in Nourth Carolina entstanden. Dazu gehören u.a. die Bungalows, der Angestellten-Trakt und der Partyraum, wo zu Beginn des Films getanzt wurde.

Musik zu finden stellte sich zunächst als schwierig heraus, da Musiklizenzen sehr teuer sind. Ein Song stand bereits schon sehr zeitig zur Verfügung. Es war ,,She’s Like The Wind“ geschrieben von Hauptdarsteller Patrick Swayze. Der Musikproduzent Michael Lloyd kümmerte sich um die anderen neuen Songs des Films. Er produzierte ,,Yes“ von Merry Clayton und ,,The Time of My Life“ von Bill Medley. Dazu schrieb er u.a. „Merengue“, „Fox Trot“, „Waltz“ oder „Johnnys Mambo“ Aber auch die Lizenzen der Songs aus den 1960er konnten erworben werden. U.a, war ,,Be My Baby“ von The Ronettes oder ,,Do You Love Me“ von The Contours zu hören.

Fazit: Mit welch einen Eindruck geht man nun aus dem Film raus? Nun ja, er ist bei vielen Filminteressierten als Liebesschnulze verpönnt. Auch ich war lange dieser Ansicht. Dann beschäftigte ich mich intensiver mit der Materie und kam zu einer anderen Meinung. Der Film ist alles andere als nur eine Schnulze, weil er viel mehr in sich trägt, als man zunächst glaubt. Wenn man jedoch intensiver hinschaut, wird man sehr viel Energie finden. Symbolisch dafür stehen die Tänze mit den alten und neuen unterlegten Songs. Sehr für sich zu nutzen wussten es Jennifer Grey und Patrick Swayze, die trotz großer Differenzen zu einer echten Einheit verschmolzen sind und ihr Publikum gekonnt in ihren Bann gezogen haben. Man beachte dabei auf die Körperbewegungen und die Gestigen an sich. Dabei ist sehr viel mehr als nur Anrüchigkeit zu entdecken. Das damalige Publikum fuhr darauf ab und sorgte dafür, dass dieser Independentfilm ein Kassenschlager wurde. Thematisiert wurden auch Gesellschaftsthemen, die das Publikum angesprochen haben. Für Eleanor Bergstein war es schon immer eine Herzensangelegenheit, dass ihr Drehbuch verfilmt wird. Und wenn man in diesem Film noch mehr als nur eine Romanze sieht, dann dürfte es ganz im Sinne von E. Bergstein sein.


Widmung

Und für mich war es eine Herzensangelegenheit diese Kritik zu schreiben, was zum einen an den Schauspieler Patrick Swayze und zum anderen daran liegt, dass ich in der Familie Menschen habe, die sich schon in sehr jungen Jahren für das Tanzen begeistert haben und auch noch heute eine Tanzschule führen. Die Zeiten sind hart und auch die Tanzschulen sind von der Situation betroffen. Auch der Tanzunterricht ist untersagt. Damit ist nicht nur der Lebensunterhalt in die Schranken gewiesen, sondern auch die große Leidenschaft, für die der Tanz nun einmal steht. Patrick Swayze konnte trotz großer Schmerzen für seine Ziele kämpfen und hat nie aufgegeben, was für mich für sein Vermächtnis steht. Und wenn auch die geschlossenen Tanzschulen und insbesondere auch meine Tanzfamilie trotz schwierigen Zeiten an sich glauben, dann werden wieder die Zeiten wiederkommen, die wir uns alle erhoffen. Deshalb widme ich diese Kritik all denen, die nicht nur in diesem Film sehr viel mehr sehen, sondern auch mit dem Tanz sehr eng und leidenschaftlich verbunden sind.




Bildquelle Titelbild: © Concorde Home Entertainment
Hinweis: Der Verweis auf das Mountain Lake Resort stellt keine bezahlte Werbung dar.


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

6 Gedanken zu “Dirty Dancing [1987] – Ein Klassiker mit einem vielschichtigen Zeitgeist

  1. Vielen Dank für diesen Artikel nit den Hintergrundinformationen und dem so positiven Fazit. DIRTY DANCING war damals der erste Film, den ich 5x im Kino gesehen habe (ja, ich bin so alt 😉), und ich werde ihn immer verteidigen, u.a. auch wegen der Behandlung des Themas Abtreibung. Ja, ich liebte am meisten die Tanzerei und auch die Liebesgeschichte, aber in erster Linie ist dies eine Coming-of-age-Story für mich, und ein Überwinden von Vorurteilen und Klassenunterschieden. ❤️

    Gefällt 1 Person

    1. Es freut mich sehr, dass der Film noch immer großen Anklang findet und meine Filmkritik es auch zu tun scheint. Was hat denn damals eine Kinokarte gekostet? 🙂 Deine Worte mit den Klassenunterschieden und Vorurteilen bringen es genau auf den Punkt.

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