Originaltitel: What’s Love Got To Do With It
Produktionsland: USA

Regie: Brian Gibson
Drehbuch: Kate Lanier, Buchvorlage: Tina Turner (I, Tina)
Darsteller:
Angela Bassett: Tina Turner, Laurence Fishburne: Ike Turner, Jenifer Lewis: Zelma Bullock, Phyllis Yvonne Stickney: Alline Bullock, Chi McBride: Fross uva.

Genre: Biografie, Drama
FSK: 12
Länge: 118 Minuten
Produktionsfirma: Touchstone Pictures
Verleiher:
Buena Vista Filmverleih

Filmstart in den USA: 6. Juni 1993 (Premiere)
Filmstart in Dtl.: 16. September 1993


„Der Lotos ist eine Blume,
die im Sumpf wächst.
Je tiefer der Sumpf,
desto schöner blüht der Lotos.“

Im Buddhismus wird dieser
Gedanke durch folgenden
Gesang ausgedrückt:

Nam-Myoho-Renge-Kyo


So beginnt Tina – What’s Love Got To Do With It? und zeigt eine kurze Episode der kindlichen Anna Mae Bullock (RaéVen Kelly), wie sie in einem Kirchenchor in Nutbush (Tennessee) gemeinsam mit älteren Menschen den Gospel “This Little Light of Mine“ singt und durch ihren lauten bzw. obzönen Gesang auffällt. Die Chorleiterin (Virginia Capers, bekannt als Hattie Banks aus Der Prinz von Bel-Air) ist wenig begeistert und schickt sie nach einer Ermahnung nach draußen. Doch wie sich schnell herausstellt, ist die Musik die einzige Zuflucht von ihren Sorgen. Als sie nach Hause kommt, ist das Haus verwüstet und ihre Mutter hat die Flucht angetreten und Annas Schwester Alline mitgenommen. Fortan verweilt Anna bei ihrer Großmutter.

Die Reise beginnt

Nämlich in St. Louis des Jahres 1958, als Anna Mae (Angela Bassett) mit dem Bus dort ankommt und von ihrer Mutter Zelma (Jenifer Lewis) und Schwester Alline (Phyllis Yvonne Stickney) empfangen wird und bei ihnen einzieht. Annas Großmutter ist bereits zu diesem Zeitpunkt verstorben. Anna ordnet sich unter und wird gebeten sich schon am nächsten Tag einen Job zu suchen. Doch zunächst wünscht sich Zelma mehr Privatleben und Alline muss Anna mit zu ihrer Arbeit nehmen. Dort arbeitet sie als Bardame und Anna lässt sich von der Musik begeistern. Als schließlich die Band Kings of Rhythm die Bühne betreten, ist es um sie geschehen. Sie verguckt sich sofort in Ike Turner (Laurence Fishburne) und hat den Wunsch einmal mit ihm zu singen. Zunächst singt er „Rocket 88“, welches bereits 1951 erschienen war. Doch hier hört man nicht die Stimme von Ike Turner, sondern die vom Schauspieler Laurence Fishburne, die nicht nur bei diesem Song eingespielt wurde. Schließlich wurde der Traum war und Anna sang auf de Bühne neben Ike. Der war so begeistert, dass Tina einen Platz in seiner Band bekam. Der Rest ist Geschichte.

Allerdings spielte sich das Szenario bereits 1956 ab und nicht wie im Film dargestellt, im Jahr 1958. Wie dem auch sei. Spätestens als Laurence Fishburne als Ike auf der Bildfläche erschien, spielte er sich gemeinsam mit A. Bassett in einem Rausch. Sie legten eine schauspielerische Glanzleistung hin, die ihresgleichen suchte. Ike als exzentrischer Songschreiber und Ehemann, der alles andere als ein Vorzeigegatte war und sie als Tina, die über Jahre die ständigen Qualen ertragen musste und nur auf der Bühne ihre Ruhe fand: Doch L. Fishburne nahm die Rolle nicht sofort an. Das Drehbuch lehnte er ab, weil er es für zu einseitig empfunden hatte. Für ihn war Ike zu sehr der Bösewicht in der Geschichte. Schließlich sagte er doch zu und gab tolle Einblicke in die Figur. U.a. verabscheut er den Geruch von Krankenhäusern, da er im Alter von sechs Jahren mit ansehen musste, wie sein Vater verwundet war und später daran starb. Fishburne hatte Ike Turner nicht so sehr als Vorbild, wie es er sich eigentlich gewünscht hatte. Doch einmal hatte er die Ehre den Sänger bei der Produktion des Films zu treffen:

Er war bei diesem Projekt nicht besonders willkommen“, sagte Fishburne.

Das einzige Treffen des Schauspielers war eine kurze Einführung, als Ike während eines Drehs in der ehemaligen Turners-Wohnung in Baldwin Hills erschien. Ike signierte einige Autogramme.

„Es war schön, ihn kennenzulernen“, fügte Fishburne hinzu. „Unabhängig von seinen Handlungen war er so sehr in Tinas Leben involviert. In dem Film geht es genauso um ihn wie um sie. Es ist bedauerlich, dass er nicht willkommen war, dass beide nicht mehr da waren.“, so Fishburne weiter.

Der Geist der 1960er und 1970er lebt wieder auf

Doch nicht nur auf die Figuren wurde großen Wert gelegt, sondern auch erklärt wie Anna Mae zu Tina Turner wurde. Ike ließ sich von Sheena, der Königin des Dschungels inspirieren und machte daraus Tina, weil es sich so gut reimt. Genau wie Sheena hatte Tina etwas wildes an sich und dies wird hier sehr überzeugend zum Ausdruck gebracht. Dazu zählen nicht nur die gut einstudierten Bewegungen und Tanzeinlagen von Darstellerin  Angela Bassett, sondern auch ihre Bühnenkleidung, die sehr kurz und sexy gehalten war und die Tina damals wirklich so trug. A. Bassett verletzte sich beim Dreh, als die erste Missbrauchssequenz der Ehefrau in Szene gesetzt wurde. Sie fiel von der Rückseite eines Hochsofas herunter, streckte die Hände aus, um den Aufprall zu reduzieren, und erlitt einen Haarriss in der rechten Hand. Sie hat den Stunt nur einmal ausprobiert, und das Material, das zum Missgeschick geführt hat, erscheint im Film.

Als die Beiden dann geheiratet haben, nahm Tina auch den Namen Turner an. Doch schon bald zeigte sich Ike von seiner schlechten Seite und ließ seine Wutausbrüche an Tina aus. Dies drückte sich so aus, dass er sie anschrie, beleidigte und schlussendlich auch schlug und dies über mehrere Jahre hinweg. Sie hielt es deshalb so lange aus, weil die Musik ihr innere Kraft verlieh und sie es mit positiven Adrenalin auszudrücken wusste. Dieser Rhythmus wurde fast den ganzen Film über beibehalten und drückt ihm den entscheidenen Stempel auf. Wie in Wirklichkeit hielt sich Ike auch im Film merklich im Hintergrund, als Tina ihren Gesang und Tanz dargeboten hat. Auch wenn es hier von Schauspielern performt wurde, war die Wirkung dennoch elektrisierend. Kein Wunder, bei den gespielten Songs war stets die echte Tina zu hören. Egal ob „A Fool in Love“ oder  „River Deep – Mountain High“, hier ist der Blues allgegenwertig.

Echte Wirkungsstätte diente als Drehort

Die Ike & Tina Turner Residence im View Park L.A. war über viele Jahre das Zuhause des musikalischen Paares. Es wurde 1956 erbaut und zu Beginn der 1960er Jahre von Ike & Tina gekauft und bezogen. Dort erlebte sie einen Teil ihrer musikalischen Laufbahn und auch die ständigen Misshandlungen und Drogenexzesse ihres Gatten Ike, die auch Thema im Film sind. Gezeigt wurde auch der dort angelegte Swimmingpool, der sich draußen direkt am Schlaf- und Wohnzimmer befindet. Das Repertoire an Song kann sich ebenfalls sehen bzw. hören lassen. Manch einer wird vielleicht sagen, dass dieser oder jener Song gefehlt hat. Dennoch sind einige Hits zu hören. U.a. „A Fool in Love“ der in den U.S. R&B Single-Charts Platz 2 erreichte. Interessant ist auch „River Deep, Mountain High“, der zwar in den USA floppte, aber in Europa zu einem großen Hit wurde. aber auf dem Soundtrackalbum What’s Love… nicht vertreten ist. Hört man richtig in den Song hinein, wird man merken mit was für eine Leidenschaft hier produziert worden ist. Tina steigerte sich in ihrer Gesangsperformance immer mehr und man merkt, dass hier Herz und Seele dabei waren. Bei allen anderen Songs zwar auch, aber hier kommt es besonders stark zum Ausdruck. Sogar die Rolling Stones wurden darauf aufmerksam und tourten später gemeinsam mit Ike und Tina, was im Film auch seine Erwähnung findet. Alle verwendeten Ike- und Tina Turner-Songs wurden als neue Versionen aufgenommen. Bei  „It’s Gonna Work Out Fine“ und „Proud Mary“ singt Laurence Fishburne Ikes Part. Bei Tinas Solosongs wurden die originalen Aufnahmen verwendet. So auch bei den von Phil Spector produzierten „River Deep, Mountain High“, welcher noch in der Ike & Tina Ära entstanden war.

Das Budget betrug geschätzte 15 Mio. US-Dollar. In den USA spielte der Film 39 Mio. US-Dollar ein. Bei den Academy Awards 1994 waren Angela Bassett und Laurence Fishburne jeweils in den Hauptdarsteller-Kategorien nominiert. A Bassett gewann 1994 den Golden Globe Award und 1995 den Image Award. Außerdem war sie 1994 für den MTV Movie Award nominiert. Rae’Ven Larrymore Kelly erhielt 1994 eine Nominierung für den Young Artist Award. Der Song „I Don’t Wanna Fight“ war 1994 als Nominierung beim Grammy Award vertreten.

Fazit: Schonungslos und ehrlich wird das Leben von Tina Turner mit allen Höhen und Tiefen geschildert, die lange gebraucht hat, um sich von Ike zu lösen. Auch der phänomenale Start in ihre Sololaufbahn wird thematisiert und fesselt den Zuschauer. Allerdings werden die letzten Jahre bis 1993 ausgespart. Jedoch nicht die phantastische Musik, die in Sachen Rock, Rhythm & Blues und Soul einiges zu bieten hat. Das titelgebende “What’s Love Got To Do With It“ kommt schon fast zart daher, wenn man dem groovige Nummern wie „Rock Me Baby“ oder „Tina’s Wish“ gegenüberstellt. Nimmt man die sehr gut einstudierten Choreografien dazu, dann entsteht ein stimmiges Gesamtbild aus Power und Leidenschaft. Schausplätze und Zeitperioden wechseln stetig und zeigen wie facettenreich die Musik und Kostüme der 1960er und 1970er Jahre waren. Die größte Wirkung erzielen aber die beiden grandios aufspielenden Hauptdarsteller, die diesen Film unvergessen machen.

 


Das Ike & Tina Turner Anwesen – Damals und heute


Quellen:

ike-and-tina-turners-groovy-70s-era-house-is-for-sale

tinaturnerblog.com

Englischer Wikipedia-Artikel zum Film


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Ein Gedanke zu “Tina – What’s Love Got To Do With It? [1993]

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