Brust oder Keule [1976]

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Originaltitel: L’aile ou la cuisse
Produktionsland: 
Frankreich
Regie: Henry
Claude Zidi

Trailer:

Ein Film für jeden Feinschmecker

Der Film stellt eine satirische Parodie auf die Industrialisierung der Lebensmittelherstellung dar. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Restaurantkritiker Charles Duchemin (Louis de Funes) und gilt als anerkannt, aber auch gefürchtet. Sein Arbeitsfeld sind französische Küchen, die es verdient haben Sterne zu bekommen oder eben solche die genau das Gegenteil von gut sind. Um unerkannt zu bleiben, wählt er immer wieder neue Verkleidungen. Seine Aufgabe ist es die französische Küche zu würdigen. Aber auch Bloßstellungen seiner Gegner sind zu jeder Zeit möglich. Zu jenen Gegnern zählt

auch Jacques Tricatel (Julien Guiomar), der Besitzer einer großen Kette ist. Dazu zählen Autobahnraststätten, Fastfood-Restaurants und Schnellimbissläden. In solchen vertreibt er seine synthetisch erzeugten Lebensmittel aus seiner Fabrik. Er zeichnet sich durch seine Rücksichtslosigkeit, besonders finanziell aufzusteigen aus. Seine gute Kinderstube vergisst er dabei und kämpft aber dennoch um geschaftliche Anerkennung. Kleine Familienbetriebe sind dank ihm schon pleite gegangen. Das schaut sich natürlich Duchemin nicht lange an und schreitet zur Tat…

de Funes erneut in Bestform

Louis de Funes erlitt seit 1974 zwei Herzinfarkte und stand der Filmindustrie nicht mehr zur Verfügung. Brust oder Keule war der erste Film, den er nach überstandener Krankheit drehte. Und er spielte besser den je. Seine Rolle erhielt einen ruhigeren Charakter, ohne dass er dabei auf seine gewohnten Wutanfälle verzichten musste. Die fielen dann deutlich ruhiger aus, aber waren dennoch immer sehr unterhaltsam für den Zuschauer, da de Funes viel Gelegenheit bekam, seine einzigartige Mimik und Gestik einzusetzen. Dies fällt besonders im Zusammenspiel mit den andern Rollen auf. So gesehen mit der neuen Sekretärin Marguerite (Ann Zacharias). Als sie sich vorstellt und Duchemin erst einmal fragt:

,,Was sind Sie denn?“. Sie stellt sich natürlich als neue Sekretärin vor. Dann fragt er wie sie heißt und sie antwortet, dass sie Marguerite sei. Woraufhin sie ihn fragte: ,,Und Sie?“. Seine Reaktion darauf ist einfach wunderbar. Und jeder sollte selbst herausfinden, wie er in dieser Situation seine Mimik und einsetzt.

Marguerite kommt recht erfrischend und frech daher. Auch als sie nach ihrem Alter gefragt wird, antwortet sie sinngemäß und meint daraufhin: ,,Und Sie?“. Ebenso gut kommt es später auch zum tragen, als er erwähnte, dass Gérard (Coluche) sein Sohn ist und Marguerite fragt: ,,Sind Sie da sicher?“. Seine Reaktion darauf: ,,Aber nun reichts!“. Aber auch Gérard hat seine Szenen, als er sich im Auto mit Marguerite recht schüchtern und verlegen verhält. Aber auch zu dritt herscht eine große Harmonie, als sie später in ein Restaurant mit Übernachtung ziehen. In den besagten Szenen kommen die Koffer durcheinander und müssen immer wieder getauscht werden. Der Klamauk dabei wirkt nie übertrieben, sondern wird gezielt eingesetzt.

Nahrungsmittel-Industrie rückt in den Mittelpunkt

In erster Linie geht es darum, Spitzenrestaurants auszuzeichnen. Aber auch gastronomische (Un)Sitten sollen dabei aufgedeckt werden. Charles Duchemin ist dabei immer verkleidet, um nicht erkannt zu werden. Mal ist er als reiche Dame, dann als lustiger Großvater und später als Chauffeur zu sehen. Jeder dieser Charaktere erhält seine persönliche Note. Im Verlauf der Handlung rückt dann mehr und mehr die Nahrungsmittel-Industrie in den Mittelpunkt. Eines dieser Fabriken wird von Duchemin genauer untersucht. Was er dabei mit seinem Sohn entdeckt dürfte keinen Konsumenten munden. Auf eine gewisse Art und Weise mit der heutigen Zeit vergleichbar.

Treffende Umsetzung der Thematik

Regisseur ist Claude Zidi, der auch am Drehbuch beteiligt war. Er thematisierte kritisch und stets in zugespitzer Form die Handlungsweisen der Ernährungsindustrie und stellt die Nachteile der Ernährungsweise des Endverbrauchers dar. Die oberste Devise der Industrien heißt Hauptsache billig, aber viel Profit. So ist es auch noch heute. Pestizide sowie Düngemittel im Obst, Gemüse oder Gedreide sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auch die Tiere, Umwelt und besonders die Nahrungskette für Konsumenten kommt dabei zu Schaden. Mit dieser Botschaft gewinnt der Film an Nachhaltigkeit und ist schlussendlich auch zeitlos. Zidi ist eine einzigartige Parodie auf die französische Küche gelungen und nimmt das aufkommende Fast-Food-System in Frankreich kräftig aufs Korn. Die satirischen Seitenhiebe und Ironie runden das Geschehen ab.

Fazit: Brust oder Keule (OT: L’aile ou la cuisse) ist vom Thema her auch heute noch als interessant anzusehen. Die Industrialisierung der Lebensmittelherstellung ist kurzweilig, unterhaltsam und witzig umgesetzt. Die heitere Stimmung kommt also nicht zu kurz. Slapstick Einlagen und Satire werden gezielt eingesetzt und erfreuen den Zuschauer. Auch nach längerer Krankheit fand Louis de Funes zu alter Stärke zurück und ist immer noch typisch cholerisch und spitzzüngig. Alles Zutaten, die zu jeder Zeit genießbar sind. Guten Appetit.


 

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