Originaltitel: Pappa ante portas
Produktionsland: Deutschland
Darsteller:
Vicco von Bülow: Heinrich Lohse, Evelyn Hamann: Renate Lohse, Gerrit Schmidt-Foß: Dieter Lohse, Ortrud Beginnen: Gertrud Mielke, Dagmar Biener: Brigitte Mielke, Irm Hermann: Hedwig uva.
Regie und Drehbuch: Vicco von Bülow
Genre: Komödie
FSK: 0
Länge: 85 Min. (SD), 89 Min. (HD)
Produktionsfirma:
Rialto Film, Bavaria Film
Verleiher:
Tobis Filmkunst (Kino), Universum Film (UFA) (DVD & Blu-ray)
Filmstart in Dtl.: 20. Februar 1991
„Mein Gott, hast Du mich erschreckt!“
„Ich wohne hier…!“
„Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit.“
Heinrich Lohse (Loriot) ist der Einkaufsdirektor bei der „Deutsche Röhren AG“. Nun hat er das 59. Lebensjahr erreicht und wird nach einem übertriebenen Vorratskauf fristlos entlassen. So beginnt bereits frühzeitig sein Vorruhestand und das friedliche Heim wird so auf den Kopf gestellt. Ganz zum Leidwesen seiner Gattin Renate (Evelyn Hamann). Heinrich möchte sich im Haushalt nützlich machen und verursacht reichlichen Wirbel …

Firmen-Lohse bleibt Firmen-Lohse
Auch für die Hausfrau und Gattin Renate und Sohn Dieter (Gerrit Schmidt-Foß, Synchronsprecher von Leonardo DiCaprio) ist die Situation neu. Sie war immer ganz froh, dass ihr Heinrich immer in der Firma war. Aber gegenüber ihrer besten Freundin äußert sie, dass sie ihn doch schon gern etwas mehr um sich gehabt hätte. Und dann passieren Dinge, die so nicht passieren sollten. Die Haushälterin wird zunächst für einen Eindringling gehalten, weil Heinrich sie nicht kennt. Er war über Jahre in der Firma und ist ihr bis jetzt nicht begegnet. Kurz darauf bringt er auch ihren Ablaufplan durcheinander und ist selbst schon mit Laken beziehen und Betten lüften überfordert. Das Bettzeug, welches auf dem Fenster zum Lüften liegt, macht sich kurzerhand in den Rosenkranz selbstständig. Und es ist eine von vielen Überspitzungen, die Loriot in der großbürgerlichen Hausidylle in Szene gesetzt hat. Dies schlägt sich auch in den Dialogen wider:
„Ein Apfel ist ein Apfel und eine Birne ist eine Birne.“
Genau gesagt entsteht hier ein kleiner Streit zwischen Heinrich und Renate, als sie den Nachtisch Birne Helene serviert und Heinrich ein Apfelstückchen mit Schokoladensoße in der kleinen Schüssel entdeckt. Schließlich wolle er es nicht unter falschen Namen essen.
„Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein.“
Die straffe Organisation setzt sich beim Einkaufen fort, als er in seinem Sparwahn mehrere Senfgläser kauft, nur um von dem Rabatt zu profitieren. Genau genommen hundertfünfzig Gläser. Schließlich muss sich ja der Aufwand lohnen. Allmählich lockert sich auch der Haussegen und es muss Abhilfe geschafft werden. Der gemeinsame Einkauf in der Damenabteilung stellt sich ebenso als Fiasko heraus, wie der Kaffeekranz danach. Zu allem Überfluss steht auch noch der Geburtstag von Oma Jensen (Gerda Gmelin) an, zu der die dreiköpfige Familie mit dem Zug fährt. Dort haben sie im Speiseabteil Platz genommen und sehen sich so den Tücken der Gleiskurven gegenüber. Bei diesen Szenen wurde mit reichlich Tricks gearbeitet. Der Zug fuhr nicht wirklich, sondern wurde auf ein nicht befahrenes Gleis abgestellt. Etwaige Szenen mussten so überzeugend erspielt werden. Loriot zählte zu den Regisseuren und Drehbuchautoren, die alles in Perfektion umgesetzt haben. Der Spaß hatte zumindest hinter der Kamera seine Grenzen. Dennoch ist dieser Film über alles erhaben und erweist sich als Meisterstück des Regisseurs. Schon allein der Ordnungsfimmel oder die versuchten Aufklärungsgespräche mit seinem Sohn sorgen für gehörige Lacher. Die cholerischen Anfälle von Renate sind dann eine logische Folge, die das Zusammenspiel zwischen beiden Akteuren bis zur Spitze getrieben haben.

Man möchte meinen, dass Heinrichs Überforderung im Alltag am offensichtlichsten ist. Allerdings ist auch seine Gattin Renate davon betroffen. Im Eifer des Gefechts sucht sie das Weite und reagiert sogar genervt, wenn sie sich mit ihrer besten Freundin im Park unterhält. Eigentlich möchte Heinrich seiner Frau eine Freude machen. Allerdings erreicht er mit seiner eingefahrenen Organisation das Gegenteil. Es entwickelt sich im Allgemeinen der Kampf zwischen Mann und Frau. Im weiteren Sinne ist es auch Harmonie gegen Chaos. Solches bricht aus, als Heinrich alle seine Zeitungen im Wohnzimmer auslegt und sortiert. Aber auch die Hausfrau Renate muss ohne Heinrich kämpfen, als sich die neue Küchenmaschine selbstständig macht. In beiden Fällen schwindet die Ruhe und es hält der (Ehe)krach Einzug.
Loriot in fünf verschiedenen Rollen
Hauptfigur bleibt stets Heinrich Lohse, der im Ruhestand für seine Familie da sein möchte. Doch man sieht den Brandenburger in drei weiteren Rollen. Zuerst als Geigenspieler auf der Straße und später als Dichter Lothar Frohwein bei der Lesung in einer Bibliothek. Und Großvater Hoppenstedt (aus Loriot VI.) hat bei Mutters Geburtstag auch noch einmal die Ehre. Der Filmtitel ist ein geflügeltes Wort und spielt auf „Hannibal ante portas!“ („Hannibal vor den Toren!“) an. Durch solch ein Tor muss Heinrich sinngemäß gehen. Es ist der Übergang zwischen Arbeitswelt und unerwarteter Pensionierung.
Auch kommerziell hat sich der Film für Vicco von Bülow alias Loriot gelohnt. Rund 3,5 Mio. Besucher in Deutschland kamen in den Hochgenuss dieser Alltagskomödie. Damit nicht genug! Der Film wurde 1991 mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet. Dazu war er der siebt erfolgreichste Kinofilm des Jahres sowie der erfolgreichste in Deutschland produzierte Film des Jahres 1991. Gedreht wurde in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg, wo sich heute u.a. die Marlene-Dietrich-Halle befindet. Die Außenaufnahmen der Lohse-Villa wurden in der Ahrenshooper-Zeile in Berlin-Zehlendorf abgedreht. Auf der Seebrücke Ahlbeck wurde der Geburtstag von Renates Mutter inszeniert.
Fazit: Loriot mit seinem zweiten Spielfilm als Regisseur und Hauptdarsteller. Sketche kommen auch hier wieder nicht zu kurz und werden nicht selten überspitzt dargestellt. Stets bleibt es unterhaltsam und wirkt nicht lächerlich, da der Dialogwitz bis ins Detail ausgefeilt ist und bis heute noch großen Spaß macht. Ganz zu schweigen von den Running-Gags, die immer wieder auftauchen. Die Situationskomik eines (Neu)Rentners, der mit der neuen Rolle überfordert scheint und so viele Missgeschicke produziert, sodass seine Frau am Rande eines Nervenkollaps steht, könnte so aus dem wahren Leben gegriffen sein. Loriot und Evelyn Hamann, das perfekte Duo vor der Kamera, bieten auch hier wieder beste Schauspielkunst und bringen die Balken erneut zum Biegen.
Auch auf Netflix verfügbar
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3 Gedanken zu “Pappa ante portas [1991]”