Das Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern bietet nicht selten für Filmschaffende Stoff für die Leinwand. Das trifft aber nicht nur auf die soziale und emotionale Beziehung zwischen leiblichen Eltern und deren Kindern zu. Unter Umständen trifft dies auch auf Pflegefamilien oder auf Verwandte zu, die ein Kind großziehen.

Die Persönlichkeit der Heranwachsenden ist im Werden. Sie wird geprägt durch ihr soziales Umfeld, was sich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann. Konflikte und Spannungen beeinflussen die weitere Entwicklung der Kinder stark, können Ursache dafür sein, dass sie von ihrem sozialen Umfeld abgekoppelt werden und den Anschluss an das gesellschaftliche Leben verlieren.


Die Filmgeschichten sind nicht immer frei erfunden, sondern beruhen auch auf Tatsachen, wie sie beispielsweise in Memoiren geschildert werden. Oder es entstehen ausführliche Biografien von Stars, in denen die kindliche Entwicklung und die Beziehung zu den Eltern eine große Rolle spielen und den weiteren Werdegang stark beeinflusst haben.

Egal ob fiktiv oder autobiographisch, interessant sind solche Geschichten immer. Und wenn der Independent-Film das nutzt, ist es nicht nur ein Mehrwert für die Studios und Schauspieler, sondern auch für den Zuschauer, der die ein oder andere Filmperle für sich entdecken könnte. Was den Reiz solcher Themenfilme ausmacht, ist der Umstand, dass auch erfundene Geschichten aus dem wahren Leben gegriffen sein könnten. Gerade in der Filmwelt ist sowas nicht immer üblich, da die Regisseure und Drehbuchautoren gerne mal überspitzt inszenieren. Doch gerade in der jüngeren Vergangenheit sind interessante Filme entstanden, die ich nun etwas näher vorstellen möchte.

Der Soundtrack zum Film Beautiful Boy, den ich hier als Filmtipp für alle Leser nähergebracht habe, besticht durch seinen Tiefgang und Ausgewogenheit. Passend zum Titel wurde u.a. John Lennons Song „Beautiful Boy“ beigesteuert. Zu seinem Sohn Julian (geb. 1963) aus erster Ehe hatte er nicht die beste Beziehung, da er ständig mit den Beatles unterwegs war. 1975 kam dann Sohn Sean zur Welt, dem er diesen Song widmete. Die Beatles gab es nicht mehr und John trat beruflich kürzer, um sich um seinen zweiten Sohn zu kümmern. Im besagten Song hört man die Wertschätzung heraus, wenn man sich denn näher darauf einlässt. Jedoch blieb John nicht viel Zeit, um seinen Sohn aufwachsen zu sehen. 1980 fiel der Ex-Beatle vor seinem Apartment einem Attentat zum Opfer, welches er nicht überlebt hat. Doch nicht nur in der Musik sind Eltern-Kind-Beziehungen ein Thema, sondern auch im bekannten Medium Film.


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©Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Doch nicht immer ist der Erziehende der Vater, sondern der Onkel, der sich so rührend um seine Nichte kümmert, als wäre es seine eigene Tochter. Die Rede ist von Begabt – Die Gleichung eines Lebens (2017), wo es um Mary (Mckenna Grace) geht, die ein lebhaftes und aufgewecktes Kind ist. Trotz Protesten schickt ihr Vormund und Onkel (Chris Evans) sie auf eine öffentliche Schule, anstatt sie weiterhin Zuhause zu unterrichten. Widerwillig nimmt sie am Unterricht teil und zeigt schnell allen, was sie kann, indem sie komplizierte Gleichungen schneller als jeder Taschenrechner löst! Doch der Alltag ist weitaus schwerer zu meistern und ihr Onkel sieht sich schon bald Behörden gegenüber.

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©Wild Bunch

Ganz anders geht es dabei im russischen Film Loveless (2017) zu. Zhenya (Marjana Spiwak) und Boris (Alexei Rosin) sind verheiratet, und haben ein geregeltes Einkommen vorzuweisen. Die besten Voraussetzungen für eine gute Ehe? Keinesfalls! Die Beiden sind ständig am Streiten, was besonders ihr zwölfjähriger Sohn Aljoscha (Mawei Nowikow) mitbekommt. Sie merken nicht einmal, dass sie ihn vernachlässigen, und wollen sich nun scheiden lassen. Möglich auch, dass er in ein Internat gesteckt werden soll. Doch wollte das Paar den Jungen überhaupt? Aljoscha zieht seine eigenen Schlussfolgerungen und trifft daraufhin eine Entscheidung, die alles verändern wird.

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Film and Music Entertainment

Aber es gibt auch Geschichten, wo ein Kind seine Eltern nicht mal kennt. Die Rede ist von Jumpman (2018), der ebenfalls in Russland entstanden ist. Denis ist ein Geworfener: in die Babyklappe, ins Waisenheim und schließlich vor teure Autos. Nur letzteres tut er quasi aus freien Stücken, aber wer weiß schon, wie im geldgierig-korrupten Freibeuter-Russland Entscheidungen und Urteile wirklich gefällt werden. Körperbetont über die Schmerzgrenze hinaus, Reality-Kino und Härtetest-Parabel zugleich, in der auch die Beziehung zur Adoptivmutter auch kein Paradebeispiel zu sein scheint.

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©Studiocanal

Der in Deutschland gedrehte Film Exit Marrakech (2013) und in den Hauptrollen mit Samuel Schneider und Ulrich Tukur besetzt, erzählt eine tiefsinnige Geschichte, in der der Vater endlich eine bessere Bindung zu seinem Sohn bekommen soll. Der 17-jährige Ben (Samuel Schneider) ist ein Scheidungskind und soll nun endlich seinen Vater näherkommen. Doch der Sohn reist nur widerwillig nach Marrakesch und hält nicht sonderlich viel von seinem Vater Heinrich (Ulrich Tukur), der als Theaterregisseur arbeitet. Eine gewisse Entfremdung ist nicht von der Hand zu weisen. So zieht Ben schon bald mit Einheimischen los, um das Land und Menschen zu erkunden. Was sein Vater dabei denkt, ist ihm völlig egal. Der hat sich inzwischen auf den Weg gemacht, um seinen Sohn zu finden. Doch schon bald wird das Schicksal zeigen, ob die beiden wirklich verstanden haben, worum es der Mutter eigentlich geht. Dazu gehören leider auch einschneidende Ereignisse, die Menschen endlich zur Vernunft bringen.


Anm.: Der Artikel erschien unter meinem Namen im Kulturmagazin Blicklicht, Ausgabe 6/2019

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Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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