Loveless [2017]

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©Wild Bunch

Originaltitel: Nelyubov
Engl. Titel: Loveless
Produktionsland: Russland
Regie: Andrey Zvyagintsev
Darsteller:
Maryana Spivak, Aleksey Rozin, Matvey Novikov, Marina Vasileva, Andris Keiss u.a.

Genre: Drama
FSK: 16
Länge: 127 Min.

Filmstart in Slowenien: 1. Juni 2017

Bestandteil des 27. Filmfestival Cottbus

FestivalSektion: Ruskiy Den


Trailer


Zhenya (Marjana Spiwak) und Boris (Alexei Rosin) sind verheiratet, und haben ein geregeltes Einkommen vorzuweisen. Die besten Voraussetzungen für eine gute Ehe? Keinesfalls! Die Beiden sind ständig am streiten, was besonders ihr zwölfjähriger Sohn Aljoscha (Mawei Nowikow) mitbekommt. Sie merken nicht einmal, dass sie ihn vernachlässigen, und wollen sich nun scheiden lassen. Möglich auch, dass er in ein Internat gesteckt werden soll. 

Darbietung der Darsteller

Zunächst hat es den Anschein, als würden die Eltern im Mittelpunkt stehen, die sich ständig gegenseitig für alles die Schuld geben. Schließlich wird klar, dass sie Aljoscha nie haben wollten. Für den Jungen bricht eine Welt zusammen, und beschließt einfach abzuhauen. Erst zwei Tage später merken seine Erzeuger, dass er weg ist. Nun steht er durch seine Abwesenheit im Mittelpunkt. Die Polizei kann nicht helfen. Dafür stellen sich Freiwillige zur Verfügung, die Aljoscha suchen. Doch kann er auch gefunden werden?…

Es sind Zhenya und Boris, die es an menschliche Wärme fehlt. Dies bemerken sie erst, als ihr gemeinsamer Sohn verschwunden ist. Lebensnah und intensiv spielen Marjana Spiwak und Alexei Rosin ihre Rollen. Auch der Kinderdarsteller Mawei Nowikow spielt einen mehr als überzeugenden Part.

Regisseur setzt erfolgreiche Arbeit fort

Drei Jahre zuvor hat Andrei Swjaginzew für seinen Film Leviathan den Preis für das Beste Drehbuch in Cannes erhalten. Für Nelyubov fand er große Inspirationen in seinen Vorbildern:

„Ich will, dass man diesen Film mit Szenen einer Ehe von Ingmar Bergman in Verbindung bringt. […] Seine Figuren sind denkende und kommunizierende Menschen. Sie schreibt ein Tagebuch, wie es in den Sechzigern populär war, und liest ihm Auszüge vor. All diese Szenen belegen, dass weder Intelligenz noch Analysefähigkeit oder Belesenheit vor einer großen Katastrophe retten können.“

Kamera und Musik mit besonderen Charakter

Für die Kamera zeigte sich Michail Kritschman verantwortlich, der den tristen Realismus erdrückend als auch spannend einfangen konnte. Was nutzt zum Beispiel ein Hometrainer oder ein modernes Mobiltelefon, wenn eine Beziehung zum eigenen Kind nie bestanden hat? Es ist ein Sinnbild dafür, dass Technik nicht alles ersetzen kann, sondern eher sinnlos erscheint, auch wenn die Menschen damit tagtäglich ihren Rhythmus führen. Musikalisch begleitet wird man dabei von Jewgeni und Sacha Galperine, die hier gemeinsam komponiert haben. Sie ordnen ihren Score den düsteren Kamerafahrten unter, und verleihen dem Film den gewissen Touch, was ihn erst so richtig beklemmend als auch faszinierend macht. 

Anwärter auf den Auslandsoscar

In der Kategorie Bester fremdsprachiger Film wird Nelyubov im Rennen um die begehrte Trophäe bei der Oscarverleihung antreten. Bei den Golden Globes 2018 war er ebenfalls nominiert. Konnte sich aber gegen den deutschen Vertreter Aus dem Nichts nicht durchsetzen. Beim Filmfest in München konnte er den ARRI/OSRAM-Award für sich verbuchen. Die Drehbuchautoren Aleksey Zvyagintsev und Oleg Negin arbeiteten bereits bei Leviathan zusammen. Bei Nelyubov widmeten sie sich ganz besonders der detailierten Ausformung ihrer ganzen Charaktere, und gehen dabei richtig unter die Oberfläche, um die Beweg- als auch Hintergründe ihrer Figuren zu erforschen.

Fazit: Was als Familiendrama beginnt, wird im Verlauf der Handlung fast schon ein Kriminalfilm, was den Geschehnissen um den eigenen Sohn zugrunde liegt. Je länger der Film dauert, desto höher wird die Messlatte bei der Spannung gelegt. Interessant ist auch, wie sich der Russland-Ukraine-Konflikt auf die Figuren auswirkt. Schon wegen der intensiven Charakterzeichung ein mehr als interessanter Film.

 


Der Film feierte am 18. Mai 2017 im Rahmen der 70. Filmfestspiele in Cannes seine Weltpremiere und wird ab dem 15. März 2018 in ausgewählten Kinos gezeigt.

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