Originaltitel: Arab Blues
Produktionsland: Frankreich

Regie und Drehbuch: Manele Labidi
Produzenten: Jean-Christophe Reymond

Darsteller:
Golshifteh Farahani: Selma Derwich, Majd Mastoura: Naim, Aïsha Ben Miled: Olfa, Feryel Chammari: Baya, Hichem Yacoubi: Raouf u.v.a.

Genre: Drama, Komödie
FSK: 12
Länge: 88 Min.

Produktionsfirma: Kazak Productions
Verleiher: Prokino Filmverleih

Erste Aufführung (Italien): 2. September 2019
(Venice Days)
Filmstart (Frankreich):
  21. Oktober 2019
(Festival International du Film Indépendant de Bordeaux)
Filmstart (Dtl.):  30. Juli 2020




Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Psychologin Selma (Golshifteh Farahani), die den absurden Plan hat in ihre Heimatstadt Tunesien zurückzukehren. Dort angekommen eröffnet sie eine Praxis für Psychotherapie. Zwar geht Selma sehr selbstbewusst an diese neue Aufgabe heran, erntet aber auch viel Skepsis und Widerstand in in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Hauptdarstellerin bereits in Hollywood bekannt


Aber da wo Widerstand herscht, schwebt auch ein gewisses Interesse in der Luft. Die Bevölkerung von Tunesien hat so ihre ganz eigene Probleme und möchte darüber natürlich sprechen. Doch die langen Jahre nach der Revolution machen der jungen Therapeutin ein Strich durch die Rechnung.

So muss sich Selma mehr oder weniger selbst helfen. Was tut sie? Sie bittet ihre Kunden auf dem Dach eines Wohnhauses in Tunis zu kommen. Oftmals geht es dabei kurios als auch witzig zu. Dies liegt aber mehr an den Kunden als auch Bevölkerung, als an Selma selbst. Wobei ja ein Sitzungsraum direkt im Wohnzimmer doch schon recht ungewöhnlich ist. Eines ist sicher: Man erlebt hier die Sorgen der Patienten in all ihren Facetten. Neben der Dramaturgie bleibt auch die Situationskomik nicht auf der Strecke und bietet durchaus witzige Dialoge. Dies ist ja fast unumgänglich, wenn man auf hochemotionhale Beautysalon-Besitzerin trifft, die stark von Mutterkomplexten geprägt ist. Ganz zu schweigen von dem mysteriösen Fremden, detr freudsche Züge aufweist. Und dann wäre da noch der übermoralische Polizist, der doch etwas für Selma zu empfinden scheint.

Die Iranerin Golshifteh Farahani als Haupdarstellerin zu verpflichten erwies sich als Glücksgriff. Sie lebt bereits seit 2009 in Frankreich und war im gleichen Jahr in Alles über Elly zu sehen. Internationale Bekanntheit erreichte sie mit Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017). Nimmt man nun den letztgenannten Film als Maßstab, kristallisiert sich Faible für Situationskomik heraus. Ich erinnere dabei nur an die gemeinsamen Szenen mit Johnny Depp, als sich beide Charaktere in einer Zwickmühle befanden und sie einen Weg finden mussten sich daraus zu befreien. Und in einer Mühle befindet sie sich auch in Auf der Couch in Tunis. Es sind nämlich die Mühlen der Behörden, die nicht aus dem Knick kommen. So ist Selma auf sich gestellt und geriet dabei mit dem Gesetz in Konflikt.

Regisseurin mit Spielfilmdebüt

Solche Independentfilme sind in der Regel eine große Chance für Regisseure ihren Spielfilmdebüt zu geben. So ist es auch bei diesem Film. Manele Labidi nutzte die Gunst der Stunde und ließ Auf der Couch in Tunis als Hommage an die Heimat ihrer Eltern entstehen. Es fließt nicht nur ihre eigene Handschrift ein, sondern ist auch ein Film, der nahezu aus dem Leben gegriffen sein könnte. Mit gut überlegten komödiantischen Elementen verliert sie nie den Blick für den ernsten Aspekt aus den Augen,nämlich die Mittelschicht der Gesellschaft, die oft zu verzweifeln droht und lässt auch die arabische Kultur einfließen. Das Wechselspiel aus Verdecken und Enthüllen sorgt zudem für entsprechenden Charme.

Filme waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Die Bilder, die Schauspieler, die Geschichten und die Energie im Kinosaal übten schon immer eine magische Faszination auf mich aus.“ – Regisseurin Manele Labidi

Die+Regisseurin+Manele+Labidi+(c)VivianaMorizet_700
© 2019 PROKINO Filmverleih GmbH. Die Regisseurin Manele Labidi (©Viviana Morizet)

Wie bereits zwischen den Zeilen im Zitat zu erkennen ist, war es schon immer eine Leidenschaft Filme für die große Leinwand entstehen zu lassen. Doch zunächst gingen wichtigere Dinge vor. Nämlich das Studium für Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Nach ihrem Abschluss folgte ein Job in einer Bank. Als die Sorge für materielle Sicherheiten weg waren, spürte sie plötzlich große Leere und nahm ihre Drehbücher aus der Studienzeit in die Hand. Sie brachte sich das Filmemachen selbst bei und hattte nun wieder große Ziele. Schon bald assistierte sie die Schauspielerin Isabelle Carré, als diese Regie für ein Theaterstück führte, welches Manele für das Theater adaptierte. Diese Zusammenarbeit brachte nicht nur erfahrungsgemäße Aspekte, sondern sollte auch das Tor für die Arbeit in der Filmlandschaft werden.

Das zweite entscheidene Ereignis, das mich zu meinem Film AUF DER COUCH IN TUNIS ispirierte, war die tunesische Revolution 2011 und der Einfluss, den sie auf diejenigen Tunesier hatte, die ich in den Monaten danach traf..“ – Regisseurin Manele Labidi

Bezug zum ZitatDer erste Ausgangspunkt war ihre eigene Mutter, die nicht verstand, warum Manele denn zu einem Psychologen geht und dafür noch Geld bezahlt. Die besorgte Mutter bot sogar an, sich selbst als Psychaterin zur Verfügung zu stellen. Und so ist es kaum verwunderlich, dass dies der Stoff für einen Film ist. Und was dem Ganzen noch mehr Authenzität verleiht, ist die Tatsache, dass Labidi genau wie ihre Hauptdarstellerin Halb-Tunesierin, halb Frazösin ist. Dazu gibt es noch einen Verweis auf das 20. Jahrhundert. Eben solcher hängt als Bild in Selmas Zimmer zeigt Sigmund Freud, der einst selbst Psychologe und als Religionskritiker bekannt war. Er zählt zu den Begründern der Psychoanalyse und zählt zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Doch auch andere Aspekte werden thematisiert und dürfen gerne als Pfeilspitzen in Richtung Bürokratie der Tunesier gedeutet werden. Zum einen wäre da die endlose Warterei auf die Zulassung für die Praxis. Und zum anderen ist man im Land nicht mal richtig angekommen, muss man sich auch schon unliebsamen Alkoholtests beugen. Hier könnte man noch so viel mehr erzählen. Z.b. über die schrägen Nebencharaktere. Doch der Mantel des Schweigens nimmt seinen Platz ein und lässt Raum für Überraschungen und Entdeckungen.

Fazit: Eine Protgonistin, die zu ihren Wurzeln zurückkehrt und gleichzeitig berührt und entsprechenden Charme auf die Zuschauer wirken lässt. Auch die Aufbereitung, wie die Mittelschicht der Gesellschaft in Tunesien lebt und jeden Tag aufs neue mit der Bürokratie klarkommen muss, wird mit einem gewissen Ernst erzählt. Da dies komödiatisch verpackt wurde, wahrt die Regisseurin dennoch die politische Distanz. Amüsante Spitzen bleiben dennoch nicht aus und man darf sich auf heitere Moment freuen, die in der aktuellen Stimmung in Tunesien durchaus passend verarbeitet werden. Das große Plus des Films ist die Hauptdarstellerin Golshifteh Farahani. Nachteil dieser Komödie ist, dass man am Ende ein wenig allein im Raum stehengelassen wird. Zu viele Fragen bleiben offen, die man hätte in den gewissen Längen des Films klären können. Eine zehnminütige längere Spielzeit hätten der Komödie durchaus gut getan. So bleibt ein 88-minütiger Film, der über weite Strecken gut zu unterhalten weiß.


.
.


Quelle Titelbild und Szenenbilder: © Prokino
Zitate der Filmschaffenen wurden dem Presseheft entnommen.


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s