Originaltitel: Coraline
Produktionsland: USA

Regie und Drehbuch: Henry Selick
Produzenten: Claire Jennings, Mary Sandell

Synchronsprecher original:
Dakota Fanning: Coraline Jones , Teri Hatcher: Mel Jones / andere Mutter, Ian McShane: Mr. Sergei Alexander Bobinsky / anderer Bobinsky, Jennifer Saunders: Miss April Spink / andere Spink, Dawn French: Miss Miriam Forcible / andere Forcible u.v.a.

Genre: Fantasy, Horror, Drama
FSK: 6
Länge: 101 Min.

Produktionsfirma: Laika Entertainment, Focus Features, Pandemonium
Verleiher: Universal Pictures International (UPI)

Premiere (USA):
5. Februar 2009 (Portland International Film Festival)
Filmstart (Dtl.): 13. August 2009




Es ist eine Puppe, die diesen Film eröffnet. Doch sie sieht aus wie Coraline und wird scheinbar durch Maschinenhände gefertigt. Dann wird man Zeuge davon, wie eine dreiköpfige Familie in ein Haus einzieht, welches 150 Jahre alt ist. Dieses birgt aufgrund seines Alters viele Geheimnisse in sich und scheint das Tor zu einer anderen Welt öffnen zu können…

Die Farbe Blau in einer freien Interpretation

Der Eintritt in eine bessere Welt für Coraline? © Universal Pictures

Beschäftigt man sich einmal näher mit dieser Farbe, so wird man erfahren, dass Blau z.b. Ruhe und Stille ausstrahlt. Desweiteren bedeutet sie auch u.a. Sehnsucht und Freiheit. Besonders die Sehnsucht treibt Coraline an, da sie sich durch ihre Eltern vernachlässigt sieht. Zum einen sind eben diese mit Arbeit quasi zugedeckt und zeigen sich schon mal genervt, wenn Coraline mal ein Anliegen hat. Doch es ist nicht nur die Ignoranz, sondern auch die übertriebene Fürsorge, welche auch die Farbe blau symbolisiert und Coraline extrem gegen den Strich gehen. U.a. sind es die schönen Handschuhe, die sie im Laden nicht bekommt, weil es die Mutter nicht erlaubt. Auch draußen im Schlamm und Regen spielen sind tabu. Die Mutter hat beruflich mit Pflanzen zu tun, aber kann Dreck nicht ausstehen. Dann wäre da noch das gesunde Essen, was einem Kind einfach nicht schmeckt. Im weiteren Verlauf der Handlung kommt immer wieder die Farbe Blau zum Vorschein, was natürlich viel Spielraum für eigene Interpretationen zulässt.

Anspielungen auf die internationale Popkultur?

Doch zurück zum geheimnisvollen Haus. Eingangs erwähnte ich, dass dieses Haus sehr alt ist und vielleicht viele Mythen und Geschichten in sich trägt. Dessen Nachbarn sind zwar irgendwie liebenswert, aber auch schrullig bzw. etwas überdreht. Aber spätestens hier lassen sich Anspielungen auf die Popkultur und anderen Filmen finden. So bekommt Coraline gesagt, dass sie die Farbe grün meiden soll, was eine Anspielung auf Frances Hodgson Burnetts Roman Der geheime Garten sein könnte. Der Zutritt zum Tor ist zunächst zugewuchert und ist der Zugang zu einer gewissen anderen Welt. Auch die drohende Langeweile eines Kindes wurde für Coraline übernommen. Sie sieht sich im Verlauf der Handlung der Farbe Grün gegenüber. Doch auch Frankreich an sich lässt sich als Anspielung wiederfinden. So wird erwähnt, dass sie lieber dort hinziehen soll, wenn ihr das neue Zuhause nicht passt. Zum anderen sieht sie eine Theateraufführung, wo das Cancan gespielt wird, welches der französische Komponist Jacques Offenbach erschaffen hat. Das Szenenbild des Stücks entfaltet sich durch seine Übertriebenheit und Fantasie. Es ist diese gewisse Verspieltheit, die auf den französischen Regisseur George Mélies anspielen könnte, der u.a. seinen Film Die Reise zum Mond (Le Voyage dans la Lune) (1902) ähnlich verspielt gestaltete.

Buchvorlage entspringt einer Horror-Novelle

Ist es hier wirklich besser oder die Skepsis berechtigt? © Universal Pictures

Jenes Buch von Neil Gaiman umfasst ganze 175 Seiten, welches im 2002 bei Bloomsbury Publishing und Harper Collins erschienen war. Dank der angereicherten Bilder war es auch eine Illustration. Allerdings war dadurch weniger Text vorhanden, was für ein Filmscript relativ kurz ist und nur etwa 47 Minuten Spielzeit zugelassen hätte. So musste sich das Filmteam um Regisseur Henry Selick, der das Drehbuch selbst verfasste, etwas einfallen lassen. U.a. kam die Figur Wybie Lovat im Buch nicht vor und wurde erst für den Film geschaffen. N. Gaiman machte dazu folgende Anmerkung:

,,Ich mag Wybie. Ich verstand bereits vom ersten Skript an, wozu Wybie da war. Wybie ist da, damit da nicht ein Mädchen herumläuft, das gelegentlich mit sich selbst spricht. Damit auch manchmal in einer Szene jemand anders da ist, was ich gut finde.“

Aber auch der Regisseur hat sich im gleichen Making-Of: dazu geäußert:

,,Es gibt sehr viele Unterschiede, aber wir hoffen, das stört die Fans des buches nicht. Einige Unterschiede bestehen darin, dass die Andere mutter, die Coraline trifft, zunächst ihrer echten Mutter sehr ähnelt, nur etwas hübscher, witzigerm herzlicher, sie kann kochen, aber sie sieht nicht ungewöhnlich oder seltsam aus. Damit hielten wir uns zurück. Nur wenn sie wütend wird, zeigt sich ihr wahres Selbst.“

Selicks bekanntestes Werk ist Nightmare Before Christmas (1993), in dem Tim Burton für die Story und Figuren sorgte und außerdem war er zu jenem Film der Produzent. Selick schien sich eine Menge vom Kollegen abgeguckt zu haben und ließ entsprechende Inspirationen in Coraline einfließen. So umgibt dem Film eine gewisse Mystik, die auch in Tim Burtons Film Edward Scissorhands (1990) zu finden ist. Vergleichbar mit den Hauptcharakteren, die etwas Geheimnisvolles an sich haben und aus ihrer momentanen Umgebung ausbrechen wollen.

Dreh auf zahlreichen Sets

Ein realistisches Setting trägt zum Erlebnis der Geschichte bei. © Universal Pictures

Besser ausgedrückt wurden in den Studios 130 Sets auf 52 Bühnen errichtet. Dabei wurde auch mit zaglreichen Tricks gearbeitet, um Szenen realistischer darstellen zu können. So wurde der Schnee aus Backpulver und Sekundenkleber gefertigt. Aber es gab auch Situationen, die deutlich aufwendiger umzusetzen waren. So wurde ein weiteres Crew-Mitglied dazugeholt, um Kleidung der Figuren zu stricken. Die Stricknadeln waren so dünn wie menschliches Haar. Aber die Gesichtsausdrücke von Coraline sind dem technischen Aspekt zuzuschreiben, die aus 3D-gedruckten Prototypen bestanden haben. Da neue Techniken vorhanden waren, konnte dieser am Computer geformt werden. Anschließend hat die Modellierungsabteilung den Prototypen handbemalt. Jeder Kieferersatz Coraline wurde zwischen den Augen geklippt Daraus ist eine sichtbare Linie entstanden, die später Frame für Frame digital entfernt wurde.

Jede Figur weist seine eigene Charakteristika auf und wurde mit einer Ambivalenz versehen. Coraline z.b. ist mal sehr schnell eingeschnappt und möchte ihren eigenen Kopf durchsetzen. Die damit einhergehenden Konfliktsituationen sind realistisch aufbereitet. Auch Gedanken und Gefühle werden nicht außer acht gelassen.

Einstufung der FSK zu niedrig?

Zunächst scheint dies nicht der Fall zu sein. Denn Coraline scheint ein normales Mädchen zu sein, welches mit ihren Eltern in eine neue Gegend gezogen ist und ihre Freunde zurücklassen musste. Welches Kind sehnt sich nicht nach seinen Freunden? Stattdessen bekommt sie es mit verschrobenen Nachbarn zu tun, die auf ihre eigene Art und Weise witzig zu sein scheinen. Doch der Gang in einen geheimen Tunnel scheint die Fantasie der jungen Zuschauer anzuregen und bietet wohl das, was Coraline in der realen Welt nicht bekommt. Nämlich u.a. Eltern, die Zeit für Tochter haben. In der neuen Welt lassen sich Motive von Alice im Wunderland entdecken. Der sprechende Kater ist eines davon und trägt zur Erheiterung bei. Doch die aufkeimende Fröhlichkeit bleibt nicht lange bestehen, denn die Grundängste eines Kindes werden mit zunnehmender Dauer auf düstere Weise zum Ausdruck gebracht. Dabei wiegt der Verlust der Eltern am schwersten. Aber auch visuell wird dieser Punkt ausgeschmückt. Findet sich Coraline in der echten Welt noch in einer tristen und grauen Umgebung wieder, so sieht sie sich in der Parallelwelt mit dieser ganzen Fröhlichkeit, Buntheit und Lieblingsessen bestätigt. Aber hinter der Fassade steckt eine böse Absicht und hält abstoßende Szenen bereit. Es sind Dinge, die einem kleineren Kind länger im Gedächtnis bleiben und so verstörend wirken könnte. Der Umgang mit der Situation könnte sich also als sehr schwierig erweisen. Deshalb ist wohl eine Altersempfehlung von 10 Jahren angebrachter. Kinder in dem Alter können mit gewisse Ereignisse besser umgehen bzw. können diese besser verarbeitet werden.

Fazit: Der Film macht vieles richtig und ließ sich in vielerlei Hinsicht inspirieren. Die Eigenständigkeit geht da ein wenig verloren, aber fördert dafür mehr die Verspieltheit und Fantasie, was gleichzeitig ein Zugreifen auf das Horrorgenre bedeutet. Die Spannung wird in ihrer ganzen Visualität bis zum Ende gehalten und gibt Anlass für einen großen Interpretationsspielraum. Gestaltung und Ästhetik haben ihren ganz eigenen Charakter und stechen somit gegenüber anderen Werken heraus. Kleinere Kinder sollten diesen Film nicht allein sehen. Aber eine Empfehlung ab 10 Jahren ist unbedenklich und dürfte für einen unvergesslichen Filmabend mit der Familie sorgen.


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Bildquelle: © Universal Pictures


Danksagung


Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Eric, der zur Inspiration dieser Kritik beigetragen hat. Er war es auch, der mir diesen Film empfohlen hat. Ihr wollt mehr über den kreativen YouTuber und VFX Artist wissen? Dann ab zu seinem Webauftritt.

Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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