Originaltitel: Sleepy Hollow
Produktionsland: USA

Regie: Tim Burton
Drehbuch:
Washington Irving (story „The Legend of Sleepy Hollow“)
Kevin Yagher (screen story), Andrew Kevin Walker (screen story &screenplay)
Produzenten:

Darsteller:

Johnny Depp: Ichabod Crane, Christina Ricci: Katrina Van Tassel, Miranda Richardson: Lady Van Tassel, Michael Gambon: Baltus Van Tassel, Jeffrey Jones: Reverend Steenwyck, Michael Gough: Notary Hardenbrook, Christopher Walken: Hessian Horseman u.v.a.

Genre: Horror, Fantasy
FSK: 16
Länge: 105 Min.

Produktionsfirma: Paramount Pictures
Verleiher: Paramount: Home Entertainment

Filmstart (USA):
17. November 1999 (Premiere)
Filmstart (Dtl.): 24. Februar 2000




Sleepy Hollow im Jahr 1799: Das Dorf lebt seit einiger Zeit ziemlich unruhig, weil es augenscheinlich mit einem Fluch belegt ist, welches nun wild um sich schlägt. Oder handelt es sich doch nur um eine willkürliche Mordserie? Eine Tatsache, die dringender Aufklärung bedarf.

Hauptcharakter mit merkwürdigen Neurosen

Dem soll Police Constable Ichabod Crane (Johnny Depp) aus New York nachgehen. Da seine Methoden im Bezug auf seine Ermittlungen in anderen Fällen sehr fraglich sind und er von seinen Vorgesetzten bestenfalls geduldet ist. Seine Meinung, dass die Folter eine veralterte Methode sei, stößt nicht gerade auf Zustimmung. Außerdem bringt er dies sehr exzentrisch zum Ausdruck. Auch die Premise unter Zuschauern nicht richtig arbeiten zu können, wird verbal geäußert. Und so wird er nach Sleepy Hollow strafversetzt, um die Morde aufzuklären. So cholerisch Crane auch ist, zeigt er auch seine Überempfindlichkeit in anderen Dingen. Z.b. hat er Angst vor Spinnen und klettert schon mal einen Pfahl hinauf. Dennoch missfällt es ihm, das Bett wegzuschieben, um die Spinne zu entfernen. Allein der Ablick eben einer solchen macht ihn ganz wuschig. Während des Drehs war J.Depp von älteren Filmen und Schauspielern inspiriert:

,,Ich sah mir als kleines Kind alle Arten von Horrorfilmen an. Ich liebe sie. Ich war besessen von ihnen. Und ich wollte diesen klassischen Stil des Horrorfilms nachmachen.“

Aber auch die Besetzung des Hessen schien mit Christopher Walken einfach zu passen. Gerade dann, wenn er selbst ein Statement dazu abgegeben hat:

,,Ich vermute, er ist ein bisschen wie ich. Nach einem Tag Köpfeabschlagen geht er einfach nach Hause und isst sein Abendessen. Aber meine Stärke scheinen psychotische, perverse Leute zu sein. Er geht sehr in diese Richtung.“

Im Dorf angekommen findet Craine einen Ort vor, welches sehr in sich gekehrt zu sein scheint. Kein Wunder, denn drei geköpfte Leichen sind nicht gerade die angenehmste Kost. Außerdem fehlte an den Tatorten stets der Schädel. Gleichzeitig tun sich einige Abgründe auf, von denen Crane direkt Zeuge wird. Nicht nur Eifersucht gehört zur Tagesordnung, sondern auch Missgunst, Egoismus und Gier. Keiner scheint seinem Nächsten zu trauen oder hat vielleicht selbst was zu verbergen. Ein Konstrukt, was reichlich Spannung mit sich bringt und nach und nach Einblick in die dunklen Machenschaften der Leute gewehrt.

Erzeugen von Spannung mit vielen Tricks

Um die Spannung noch dichter zu gestalten, soll ein Gefühl von drohendem Verhängnis zum Ausdruck kommen. Dafür wurde in die Trickkiste der visuellen Effekte gegriffen und gleichzeitig sehr subtil gestaltet. Visual FX Art Director Scott Leberecht sagte dazu folgendes:

,,Tim wollte dämonische Gesichter im Feuer erscheinen lassen, um zu zeigen, dass das Böse anwesend ist. Und er wollte, dass die Gesichter im Feuer auftauchen und dann schnell verschwinden. Sodass es ein sehr subtiler Effekt ist, wo man nicht sicher ist, ob man diese Gesichter gesehen hat oder nicht.“

Um diese Szenerie genauer zu beschreiben, dient ein Zitat von Sequence Supervisor Joel Aron:

,,Ich nahm den Schädel, den man im Film sehen würde, welcher der Schädel des kopflosen Reiters ist. Daher zog ich die Augenbrauen hoch, um ihm den dämonischen Look zu geben, gab ihm eine kräftige Stirn, zog die Mundwinkel hoch und zog dann den Kiefer rundherum, um das eigentliche Feuer zu formen. Daher wusste ich, wenn das Feuer begann, würde es eine unregelmäßige Form haben. Und hier haben wir nicht nur ein Gesicht, sondern ganze 13. Also nahm ich den Helden, den ich hatte, schrumpfte ihn und fügte mehr kleine Brüder und Schwestern hinzu, sodass eine ganze Familie von dämonischen Gesichtern entstand, die aus dem Kamin kamen.“

Wie schon für Edward Scissorhands (1990), arbeitete Colleen Atwood auch dieses Mal mit Regisseur Tim Burton zusammen. Eine Entscheidung, die sich erneut lohnen sollte. Schließlich sagt das Kostümdesign etwas über den jeweiligen Film aus oder leiht ihm sogar eine besondere Note.

In Sleepy Hollow mussten die Kostüme natürlich düster ausgelegt sein, was explizit bei Miranda Richardson als Lady Van Tassel zu begutachten ist. Das Kleid strahlt nicht nur Schlichtheit, sondern auch Unbehagen aus. Und wenn man sich Christopher Walken als toten Hessian Horseman ansieht, möchte man lieber nicht in dessen Nähe sein. Der große Gürtel und der lange Umgang haben ihren eigenen Stil. Man beachte auch das detailreiche Kleidungsstück am Oberkörper und den abgenutzten Umhang. Doch bei der 72. Oscar-Verleihung im Jahr 2000 ging C. Atwood leer aus. Doch in den Folgejahren arbeitete sie weiterhin mit Tim Burton zusammen und sollte schließlich noch ihren Oscar bekommen. Kostüme sind das eine, Masken und rollende Köpfe das andere. Und auch da griff das Filmteam tief in die Trickkiste. Burton wollte den Kopf herumwirbeln sehen, nachdem er abgeschlagen worden war. Dafür wurde ein Kopf-Schulter-Stück, mit dem die Kopf-Hals-Drehung bewerkstelligt wurde, gebaut. Dann folgte eine Gesamtaufnahme eines ganzen Körpers, der vollständig von Elektromagneten zusammengehalten wurde.Darauffolgend legte man einen Schalter um und die Knie knickten zuerst ein. Es folgen dann die Knöchel und abschließend die Taile.

Burtons Vertrauen bekam auch Szenenbildner Peter Young, der sich ebenfalls schon mit dem Regisseur in Zusammenarbeit befand. Nämlich für Batman (1989). Ein Jahr später gab es den Oscar für das Beste Szenenbild. Diese Trophäe wurde ihm auch für Sleepy Hollow zuteil. Dieses Mal schuf er keine Stadt, sondern das Dorf, was den Namen des Filmtitels trug. Gleich zu Beginn des Films bekommt man einen Eindruck von der Bandbreite des Szenenbilds. Viele Häuser umgeben von düsterer Atmosphäre, Nebelschwaden und dichten Wäldern im Hintergrund zeigen einmal mehr die Handschrift von Young, welche sich auch in der außergewöhnlichen Struktur der Bäume zeigen, welche im weiteren Verlauf eine Rolle spielen. Selbst Johnny Depp war damals sehr angetan und gab dazu mit einem Augenzwinkern und Schmunzler folgende Aussage:

,Es war etwas, das dieser Zeit wirklich entsprach. Gleichzeitig irgendwie märchenhaft oder künstlich, Genau wie man sich ein Tim-Burton-Dorf vorstellt. Schön. Ich wollte dort leben.“

England diente als Kulisse

Doch um das Dorf zu realisieren, musste erst ein passender Ort gefunden werden. Fündig wurde er und sein Team in England, wo der perfekte Hintergrund für seine Geschichte vorhanden war. Die Dorfgemeinde wurde innerhalb von drei Monaten grundauf errichtet und hatte von Beginn an ein besonderes Auge auf die Gestaltung der Sets. Egal ob Kirche, Windmühle oder überdachte Brücke, alles trägt den Zeitgeist von 1799 in sich. Aber auch an die Landwirtschaft wurde gedacht. Kühe und Enten waren ebenso vorhanden wie Schafe, die alle während der Drehzeit auf dem Gelände des Sets lebten. Produktionsdesigner Rick Heinrichs merkte dazu folgendes an:

,,Wir verwandelten dieses Tal wirklich in eine lebendige Stadt. Wir versuchten auch, ein Gefühl von Besorgnis in die Architektur des Ortes zu einzuhauchen. Dass da etwas nicht stimmt, dass ein Gefühl von Vorahnung und Angst gibt.“

Die stillistischen Mittel können subtiler und wirkungsvoller nicht sein. Ich erwähnte weiter oben das Feuer, welches im Kamin brennt. Allerdings sind durch solche Totenköpfe zu erkennen. Und grelle Farben sind hier auch in keinster Weise zu erkennen. Alles erscheint in einem düsteren Herbst/Winter Ton, was einem typischen Grau im Herbst entspricht. Blut kommt noch recht sparsam zum Einsatz. Dafür sieht man nahezu jeden rollenden Kopf aus Nahdistanz.

Beim Casting wurde explizit darauf geachtet, dass viele Nebendarsteller wirklich aus England stammen. Miranda Richardson als Lady Van Tassel ist eine davon, die im übrigen im Drama Stronger (2017) eine kleinere Rolle hatte. Michael Gambon als Baltus Van Tassel hat später in den Harry Potter Filmen als Albus Dumbledore seine Beliebtheit bei den Fans sicher gesteigert. Aber auch Richard Griffiths als Magistrate Philipse war später in Harry Potter als fieser Onkel Vernon zu sehen. Ian McDiarmid als Doctor Lancaster war hingegen schon in Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück (1980) zu großer Bekanntheit gelangt. Gleiches tat Michael Gough als Notary Hardenbrock, der Ende der 1980er als auch 1990er Jahren als treuer Butler Alfred Pennyworth in den Batman-Filmen zu sehen war. Auch er lieferte eine passende Aussage zum Film:

,,Ich nehme an, wir sind alle auf verschiedene Art exzentrisch. Ich bin der am wenigsten Exzentrische von allen, wirklich.“

Regisseur Tim Burton gab einmal bekannt, dass alle englischen Darsteller eine interessante Kombination erzeugen. Damit hat er definitiv recht, wenn man explizit auf das Zusammenspiel, Mimik und Gestig achtet. Vielleicht sogar etwas skurill, aber doch irgendwie liebenswert.

Trivia: Nun folgt ein ganz klein wenig Erwähnenswertes, weil ich ja oben im Text schon sehr ausführlich geschrieben habe. Für die Reitszenen des Hessen wurde kein echtes Pferd verwendet, sondern auf eine Methode aus der Vergangenheit Hollywoods zurückgegriffen. Nämlich auf eine mechanische Attrappe, die auf den neuesten Stand gebracht worden ist und bereits 40 Jahre auf dem Buckel hatte. Dieses Wortspiel passt damit perfekt ins Konzept. Da Christopher Walken sich nicht als besonders guten Reiter sah und die Pferde ihn wohl nicht mögen würden, war er sicher froh diese Alternative mit der Attrappe gehabt zu haben.

Fazit:
Tim Burton verfolgte auch in diesen Film seinen typischen Stil. Eine makabre Fabel wird mit dezenten Humor und einer kleinen Liebesgeschichte verschmolzen. Der Ton ist stets düster und sorgt für ein stimmungsvolles Gesamtbild. Ob es Burtons bester Film ist, lässt sich am Ende des Tages gut streiten. Aber die Ästhetik spricht mal wieder für sich und trägt zu einer guten Unterhaltung bei. Ein Horrormärchen ala Burton eben, der eine gewisse Magie ausstrahlt.


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Bildquelle Titelbild: ©Paramount Pictures



Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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