Teil des NeverEnding Story Franchise
zu Teil 1 der Filmreihe


Originaltitel: The NeverEnding Story: The Next Chapter
Deutscher Titel: Die unendliche Geschichte 2: Auf der Suche nach Phantásien
Produktionsland: Dtl., Argentien, Italien, Kanada

Darsteller:
Jonathan Brandis: Bastian, Kenny Morrison: Atreyu, Alexandra Johnes: The Childlike Empress, Clarissa Burt: Xayire, Thomas Hill: Carl Conrad Coreander u.v.a.
Drehbuch:
Karin Howard (screenplay by),
Michael Ende (novel)
Regie: George T. Miller

Genre: Abenteuer, Fantasy
FSK: 6
Länge: 86 Min.

Produktionsfirma: Warner Bros.
Verleiher: Warner Bros. Home Entertainment

Filmstart in USA: 08. Februar 1991
Filmstart in Dtl.: 25. Oktober 1990
Start der Blu-ray: noch kein Release in Dtl.



Der Junge Bastian Balthazar Bux (Jonathan Brandis) ist zurück und muss lernen seine eigenen Ängste zu überwinden. Auch den Verlust seiner verstorbenen Mutter konnte er noch nicht vollends verarbeiten und holt sich wieder Rat beim Buchhändler Carl Conrad Coreander (Thomas Hill). Der rät ihm zu mehr Mut. Und Bastian schnappt sich erneut das Buch „Die unendliche Geschichte“. Schon bald muss er dabei erfahren, dass Fantasien in Gefahr ist.

Die Königin Xayire (Clarissa Burt) schmiedet einen listigen Plan, indem Bastian sich durch sein Amulett Auryn Wünsche erfüllen lässt. Allerdings gehen dadurch seine eigenen Erinnerungen verloren und Fantasien würde dabei ausgelöscht werden. Die Kinder dieser Welt würden nie wieder fantasiereiche Bücher lesen, was das Ende für die Kreaturen in Fantasien bedeuten würde.

Kann Bastian dieser Kreatur trauen? © 1990 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Ansprechende Leistungen bei den technischen Aspekten

Und diese Aspekte sieht man in der Anfangsphase des Films, als Bastian eine ernste Unterhaltung mit seinem Vater führt. Die Kamera bleibt länger in der gleichen Einstellung und fängt Bastians Unbehagen prima ein. Auch seine tiefsten Ängste wie das Turmspringen kommen sehr stark zum Ausdruck, als er in der Schwimmhalle sehr stark strömende Wasserfälle sieht. Aber auch schöne Kamerafahrten werden den Zuschauern geboten, als Bastian mit Fuchur durch dichte Schluchten fliegt. Untermalt wird dies durch den zauberhaften Score von Robert Folk, der die Musik nicht nur schrieb, sondern auch selbst dirigierte und orchestrierte. Damit löste er Klaus Doldinger als Komponisten ab. Aber Giorgio Moroder, der für den ersten Film den Titelsong schrieb, welcher hier in abgeänderter Version erneut verwendet wurde, ist noch vertreten. Gemeinsam mit Tom Whitlock schrieb er nun die Songs ,,Dreams We Dream“ und ,,Heaven’s Just A Heartbeat“. Whitlock war u.a. auch für den Song ,,Take My Breath Away“ aus Top Gun verantwortlich und schuf damit einen Welthit. Der Score und die Songs wurden gut miteinander verknüpft und ergeben so ein auditives Gesamtergebnis, welches sich hören lassen kann und für einen gewissen Wiedererkennungswert sorgt.

Auch dieses Mal gab es fantastische Klänge. © – WEA Musik GmbH Neue Medien Und Elektronikvertrieb

Aber auch der Planet Phantasien und die direkt anliegende Wasserlandschaft bieten fantasiereiche und farbenfrohe Bauten. Genau wie im ersten Teil entstanden die Kulissen in der Bavaria Film. Auch dieses Mal errichtete Götz Weidner die Bauten. Genannt sei hier die Skulptur Smerg, welcher ein goldener Drache ist und dank mechanischer Effekte Feuer speihen kann. Gestalten wie die bösen Giganten sehen dank des exelenten Kreaturen-Make-up für die jüngeren Zuschauer bedrohlich aus. Und wie eben solche im weiteren Verlauf bekämpft werden, entsprang einer ausgeklügelten Tricktechnik, auch wenn sie schlussendlich noch so banal erscheint. Sehen lassen kann sich defenitiv das Kostümdesign, welches von Hedi Wujek entwickelt worden ist. U.a. tat sie selbiges für den auf wahre Begebenheiten basierenden Film Die 21 Stunden von München (1976). Die vielen Wesen sind nicht nur bunt, sondern auch bedrohlich, wie die böse Königin Xayide (Clarissa Burt).

Schwache Story trifft auf starktes Konzeptdesign

Entwurf der Horok Burg von Ludwig Angerer (oberes Bild). Das Konzept der Zeichnung ist im Film gut erkennbar. (unteres Bild). © 2016 Angerer der Ältere / © 1990 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Es ist ja nicht so, dass Tiefgang im Film fehlen würde. Dieser ist auch in visueller Form durchaus vorhanden. Aber man übernahm sich mit den ganzen Effekten, die zwar gut gestaltet sind und auch Spaß machen, jedoch die Poesie des Stoffes etwas stören. Sprich, die Ausgewogenheit geht verloren. Weniger wäre mehr gewesen und hätte die schöne Story noch besser machen können. Für eben solche war Karin Howard verantwortlich und legte bis zum entgültigen Drehbuch 14 Entwürfe vor. Letztendlich basiert der Film lose auf der zweiten Hälfte des Romans und mehrere Ereignisse wurden herausgepickt und für den Film aneinandergereiht. Betrachtet man das Abenteuer im Bezug auf den Plot genauer, wird man feststellen, dass ihm diese Aneinanderreihung nicht gerade gut tut und so der gewisse Zauber aus Teil 1 fast komplett verschwunden ist.

Der Produzent Dieter Geissler hatte schon immer vorgehabt, das Buch zu einer Filmtrilogie zu machen. Doch direkt nach dem Originalfilm weiterzuarbeiten wurde für längere Zeit ausgebremst, weil Michael Ende die Produktionsfirma verklagt hatte. Doch die Differenzen konnten schlussendlich geklärt werden und Geissler begann schon bald mit der Vorproduktion zum zweiten Teil. Mit an Bord war der Konzeptkünstler Ludwig Angerer, damit das Design und deren technische Ambitionen mit einen geringeren Budget umgesetzt werden konnten. Und hier lag die eigentliche Magie für das Konzeptdesign. Eben solches entwarf Angerer und brachte ein fantasievolles Set zu Papier, welches mehr als vielversprechend umgesetzt wurde. Als Beispiel sei die Silberstadt oder die das Horok Castle, sprich die sehene Hand. Die Burg ist wirklich einer Hand nachempfunden und unterstreicht die Gefahr mit abgebenden Laserstrahlen. Von innen ist die Burg spinnenartig gestaltet und beherbergt das Zuhause von Königin Xayide (Clarissa Burt). Umgeben ist sie von Gewölben, die mit Spinnennetzen verziert sind. Ganz nach dem Geschmack von Angerer bzw. deren Zeichnungen. Was der Film dazu auch zu verstehen wusste, ist die Tatsache, dass das Szenenbild und die dazu unterlegte Musik mit dem Farbenspiel im Einklang war. Besonders bei den düsteren Szenen kam der Lichteinfall perfekt zur Geltung.

Darsteller aus dem ersten Film komplett ersetzt

Nun ja, nicht ganz. Nur Thomas Hill als Carl Conrad Coreander blieb als Einziger übrig. Für die Rolle des Bastian, Atreyu und der kindlichen Kaiserin sprachen 600 Kinder vor. Letztendlich konnte sich der in Connecticut, USA geborene Jonathan Brandis für die Rolle des Bastian durchsetzen und gab dementsprechend einen kindlichen Bastian Bux zum besten, der noch damit zu kämpfen hat, dass seine Mutter nicht mehr das ist. Gleichwohl ist er entsetzt, dass sein Vater Barney (John Wesley Shipp) den gestrickten Pullover der Mutter nicht mehr erkennt. Ansonsten hat Bastian noch mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen und hat z.b. Probleme damit seine Angst zu überwinden. Zwar gibt das Drehbuch keine tiefsinnige Story her, aber Brandis schafft es durchaus seinen Charakter weiterzuentwickeln. Auch John Wesley Shipp, der seinen Vater spielt, hat so seine Momente. Er spielte einst The Flash (1990-1991) in der gleichnamigen TV-Serie und tauchte auch in der 2014er Serie auf. Kenny Morrison als Atreyu ist zwar um eine gute Performance bemüht, wirkt aber mehr austauschbar als begeisternd. Gleiches gilt für die kindliche Kaiserin, gespielt von Alexandra Johnes, der einfach das gewisse Etwas fehlt, welches die erste Darstellerin Tami Stronach mit viel mehr Herzblut gespielt hat. Die Figur Nimbly ist hier zum ersten Mal zu sehen und kommt im Buch nicht vor. Gespielt wird der sprechende Vogel von Martin Umbach, der zwar etwas Skurilles als auch Mitgefühl in die Rolle bringt, aber eine schlecht geschriebene Rolle ist. Ein Spion zu sein nehme ich ihm einfach nicht ab. Anders sieht es da bei der Antagonistin Xayide (Clarissa Burt) aus, die nicht nur düster daherkommt, sondern auch nach Macht strebt. Dabei ist ihr jedes Mittel recht.

Als Nachschlag gibt es noch ein wenig Trivia:

Eine optimale Ausleuchtung der Silberstadt vor dem Dreh war unabdingbar. © 1990 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Auf Fuchurs Nase landet im Verlauf der Handlung eine farbenfrohe und mottenähnliche Kreatur. Dabei handelt es um ein Schlamoof, welches in der zweiten Hälfte des Romans eine tragende Rolle spielt und zunächst als traurige, wurmartige Wesen names Acharis agierten. Sie waren dabei die Architekten von der Silbernen Stadt und deren Tränen die Quelle des sauren Sees, der sie umgab. Letztendlich wurden sie durch Bastian zu Schlamoofs verwandelt. Der Darsteller des Steinbeißers ist unbekannt, da er im Abspann nicht genannt ist. Bis heute ist nicht klar, wer ihn spielte. Zu Beginn liest Bastian das Buch Mittelalterliche Epen. Die Passage der er liest, ist eine Adaption von Kapitel 4 aus Das Nibelungenlied: ,,Siegfried versetzte dem König einen tödlichen Schlag. An beiden Rändern zog das Schwert Blut aus den Wunden, und König Lindegast war sehr traurig. Er bat Siegfried, ihn am Leben zu lassen und bot ihm sein Land an. “

Fazit: Der Film macht eigentlich vieles richtig und schafft es auch heute noch gut zu unterhalten. Das Konzept im visuellen als auch musikalischen Bereich geht voll auf und schafft auch dank der Kostüme un Bühnenbild eine fantasiereiche Atmosphäre. Doch die sehr gelungenen Effekte sind etwas zu viel des guten und nehmen dem Film die Tiefe, die er ohnehin nur in Auszügen besitzt. Mit einer zusammenhängenden Story wäre hier eine bessere Ausgewogenheit gegeben gewesen. Die Darsteller machen weitestgehend ihre Sache gut. Nur der Prinzessin fehlt der Charme der Darstellerin aus dem ersten Film. Insgesamt bekommt man doch ein fantasievolles Abenteuer geboten, was jedoch den Charme und die Magie des ersten Teils nicht erreichen kann.


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Eine Erklärung, warum ich diese Kritik eigentlich nicht schreiben wollte.
Für mich stand der erste Film schon immer über alles und prägte meine Kindheit. Schon deswegen hat er einen besonderen Platz in meinem Herzen. Für mich schien also festzustehen, ihn hier auf meinem Blog für sich allein stehen zu lassen. Doch dann sah ich mir Teil 2 noch einmal an und fand durchaus etwas Positives daran. Was aber definitiv sicher ist, dass ich keine Kritik zu Teil 3 schreiben werde. Außer den Figuren hat der nichts mehr mit dem Buch gemeinsam und ist einfach schrecklich. Habt ihr ähnliche Gedanken? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen.


Als schriftliche Quelle dienten mir die IMDB, engl. Wikipedia und discogs.com.
Passendes Bildmaterial fand ich bei moon-city-garbage.agency und angerer-der-aeltere.de.


Bildquelle Titelbild: © 1990 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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