Deutscher Titel: Mein Leben ist der Rhythmus
Produktionsland: USA
Darsteller:
Elvis Presley: Danny Fisher, Carolyn Jones: Ronnie, Walter Matthau: Maxie Fields, Dolores Hart: Nellie, Dean Jagger: Mr. Fisher, Liliane Montevecchi: Forty Nina, Vic Morrow: Shark u.v.a.
Drehbuch: Herbert Baker, Michael V. Gazzo
Buchvorlage: Harold Robbins
Regie: Michael Curtiz
Genre: Drama,
FSK: 12
Länge: 116 Min.
Produktionsfirma: Wallis-Hazen
Verleiher: Warner Bros. Pictures Germany
Filmstart in den USA: 2. Juli 1958
Filmstart in Dtl.: 21. Oktober 1958 (West)
„To live in the hearts we leave behind is not to die.“
Harold Robbins (Aus seinem Roman „A Stone for Danny Fisher“)
„In den Herzen zu leben, die wir zurücklassen, bedeutet nicht zu sterben.“
Der junge Danny Fisher steht kurz vor seinem Schulabschluss. Jedoch wird dies vom Schuldirektor verhindert, weil er sich auf eine Schlägerei eingelassen hat. Natürlich ist Dannys Vater dafür, dass sein Sohn weiterhin die Schule besucht, um seinen Abschluss zu machen. Doch der Junge träumt von einer Musikkarriere. Aber schon bald stehen dem Probleme ins Haus…
Elvis in seiner stärksten Rolle

Beginnen wir diese Zeilen einfach mal mit einem Fakt. Dieser besagt, dass ursprünglich James Dean für die Rolle des Danny vorgesehen war. Bekanntlich starb der Schauspieler im Jahr 1955 tragisch, sodass dieser Plan nicht mehr verfolgt werden konnte. Der Filmstoff basiert auf Harold Robbins‘ Roman Die Gnadenlosen (A Stone for Danny Fisher). Buchumsetzungen erfordern nicht nur ein schauspielerisches Talent, sondern auch die Fähigkeit,, sich in die fiktiven Figuren hineinzuversetzen. Etwas, was Elvis nur in wenigen Filmen zeigen konnte. Hier tat er es aber umso intensiver. Danny ist ein Junge, der immer recht schnell abgestempelt wird. Jedoch ist er jemand, der sich wehren kann, wenn es darauf ankommt. Dass er die Schule hinschmeißen und dafür lieber für die Familie sorgen möchte,, ist von seinem Vater (Dean Jagger) nicht gern gesehen. Es ist der Vater selbst, der nach einem Ereignis in seinem Leben nicht mehr richtig auf die Beine kommt und sich darüber hinaus herumschubsen lässt.
Danny aber möchte solch ein Leben nicht führen. Rollenverteilung ist laut dem Vater in der Familie klar. Das Oberhaupt der Familie geht arbeiten, die Schwester von Danny kümmert sich um den Haushalt. Und Danny selbst soll in die Schule gehen, um seinen Abschluss nachzuholen. Doch er handelt entgegen der Entscheidung seines Vaters und versucht dennoch, was aus sich zu machen, ohne dabei seine Ideale aufzugeben. Doch schon bald muss er erkennen, dass auch er gewissen Zwängen ausgesetzt ist, wo selbst die Familie auf dem Spiel stehen wird. Damit in Verbindung steht Maxie (Walter Matthau), der die Meinung vertritt, dass man wirklich alles mit Geld regeln kann. Dabei ist er sich nicht zu schade, Menschen für seine Zwecke einzuspannen oder deren Mitmenschen zu schaden, wenn man nicht nach seiner Pfeife tanzt. Ein Ego, welches für unmittelbare Beteiligte schwer zu ertragen ist. Vor allem für Ronnie (Carolyn Jones), die Trost an der Flasche findet. Von beiden Akteuren realitätsnah gespielt und exzellent im Zusammenspiel.
„Der Film zeigt seinen musikalischen und seinen schauspielerischen Höhepunkt. Viel zu oft in den späteren Jahren, spielten Hal Wallis und Oberst Tom, die vollständig für Elvis verantwortlich waren, auf Nummer sicher. Sie holten schauspielerisch niemals alles aus ihm heraus wozu er in der Lage gewesen wäre. Das größte Was-Wäre-Wenn ist für mich, dass Barbra Streisand ihn bei ihrem Remake von A Star Ist Born mitspielen lassen wollte. Das wäre sehr interessant gewesen. Besonders an diesem Punkt von Elvis‘ Leben und Karriere.“
Leonard Maltin (Filmkritiker und Historiker)
New Orleans, ein Ort der besseren Zukunft?

Wenn man das Bestreben besitzt, aus sich was zu machen, kann es sicher ein leidenschaftlicher Ort für einen selbst sein. Aber Ronnie sieht es naturgemäß anders, die sich an der Seite von Maxie im goldenen Käfig befindet. Zwar kann sie alles haben, ist aber selbst nicht so glücklich. So wirft sie sich halb betrunken Danny an den Hals, der erkennt, in welcher Lage sie sich befindet. Es ist die Abwechslung und Unabhängigkeit, die sich die junge Frau wünscht. Sehnsüchte, die man nicht aus den Augen verlieren sollte. Eben solche verfolgt, wie schon erwähnt,, auch Danny, der die hübsche Nellie (Dolores Hart) näher kennenlernen möchte. Auch sie empfindet was für Danny, der schon bald in andere Kreise abzurutschen droht. Kann eine Beziehung zwischen den beiden eine Zukunft haben?
Da,, wo nämlich Maxie aktiv ist, gibt es in der Regel auch Ärger. Ganz besonders dann, wenn man über Handlanger verfügt, die alles für einen tun. Egal, ob Läden ausrauben oder anderen Menschen eine Abreibung zu verpassen. Sie sind sich für Drecksarbeiten nicht zu schade und scheren sich einen Dreck darüber, ob ihre Opfer Schäden davontragen. Auch wenn die Gesundheit Anderer auf dem Spiel stehen würde, käme für sie nicht in den Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Hauptsache, der große Boss Maxie ist zufrieden. Und eben solcher Zeitgenosse schreckt nicht davor zurück, seine Mitmenschen gegeneinander auszuspielen. So werden zwischenmenschliche Beziehungen oder auch Familien zerstört. Oft ist Walter Matthaus gespielte Figur nicht zu sehen. Aber wenn er in Erscheinung tritt, dann hat man das Gefühl, es würde gleich etwas Schlimmes passieren. Viele Leserinnen und Leser werden Matthau als kauzigen Opa aus Dennis (1993) kennen. Nimmt also einen der älteren Filme wie diesen hier zum Maßstab, dann erkennen wir, dass er ein sehr wandlungsfähiger und glaubhafter Darsteller war. Regisseur Curtiz verstand es also, auch die Antagonisten so zu besetzen, dass sie für das Publikum glaubhaft wirken.
Ein Musikgenre der Leidenschaft: Blues
Noch einmal zurück zum Filmbeginn. Dort verschlägt es uns in das beschauliche New Orleans. Straßenhändler singen am frühen Morgen, noch sind die Straßen leer, ihre leidenschaftlichen Lieder. Hinzu kommt der Fakt, dass man sich hier in der echten Stadt befindet. Curtiz verzichtete bei dieser Szene auf Kulissen, um scheinbar die Authentizität des Filmes zu steigern. In diesen Szenen erklingt der Song „Crawfish“, welcher dann umgehend von Elvis‘ Figur Danny musikalisch begleitet wird. Danach wundert sich seine Schwester, warum er denn sich so intensiv mit der Nachbarschaft abgibt. Der Vater der Familie sieht dies nämlich überhaupt nicht gern. Aber für Danny ist klar, dass man seine Nachbarschaft pflegen muss. Zwischenmenschlich kann man Danny also auf der Sachebene ansiedeln, da er sich für seine Mitmenschen interessiert. Und er gibt sich auch schon mal hilfsbereit, wenn Konflikte drohen. Sein Beschützerinstinkt ist stark ausgeprägt. Dies zeigt sich u.a., als er eine Flasche zerschlägt, um diese als Waffe zu nutzen. ,,Trouble“ gibt es also häufiger im Film, ohne an dieser Stelle mehr zu verraten. Insgesamt rundet die Musik den Film mehr als solide ab, weil die Auswahl an Songs mehr als exzellent ab, da Elvis mit seiner Stimme verdammt viel herausholt. Man beachte mal genauer seine Körpersprache im Film, als er jene Songs zum Besten gibt. Überdies passt die Musik mit der Handlung perfekt zusammen.

Zu Elvis seinen ersten und dritten Film Love Me Tender (1956) und Jailhouse Rock (1957) sind keine regulären Soundtrack-Alben erschienen. Die genannten Titel kamen 1997 gemeinsam auf einer Compilation heraus. Zwar erschien zum zweiten Film des Kings, Loving You (1957) ein Album, aber eben solches war kein reines Soundtrack-Album, da sich darauf Titel befanden, die im Film nicht vorgekommen sind. King Creole war demnach die erste reine Soundtrack-LP, welche Titel beinhaltet, die auch wirklich im Film vorkommen. Unter diesem Text findet ihr die Titel des Albums.
| King Creole |
| As Long As I Have You |
| Hard Headed Woman |
| Trouble |
| Dixieland Rock |
| Don’t Ask Me Why |
| Lover Doll |
| Crawfish |
| Young Dreams |
| Steadfast, Loyal And True |
| New Orleans |
Fazit: Elvis drehte einige Filme, aber viele schafften es nur seicht und belanglos zu sein. Dieser hier ist alles andere als das. Wir sehen Elvis in seiner besten Rolle mit gerade mal 23 Jahren. Michael Curtiz holt hier verdammt viel aus seinem Darsteller heraus. Dank Elvis sehen wir einen Schüler, der für viele seiner Mitmenschen nur Mittelmaß ist. Aber Danny ist bereit, zu kämpfen. Und selbst aus niederen Umständen etwas zu leisten, damit es ihm mal besser geht. Und dass er sich in diese Rolle perfekt hineingeben konnte, kommt nicht von ungefähr. Schließlich erlebte er selbst eine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen. Das Zusammenspiel mit den anderen Darstellern kann sich sehen lassen. Selbst Dean Jagger als Dannys Vater, nur wenigen Szenen zu sehen, liefert eine erstklassige Performance ab. Ein am Boden liegendes Individuum muss sich immer wieder aufraffen, um seinen Platz zu finden. Allerdings tut er dies ganz anders als sein Sohn. So haben wir eine Beziehung auf verschiedenen Ebenen. Tiefgründig, intensiv und mitreißend sind Wörter, die diesen Film perfekt beschreiben. Ein Drama der Extraklasse!
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Bildquelle Headerbild: ©Paramount Pictures
Quelle der Zitate, wenn nicht anders angegeben: Extras der Blu-ray von King Creole
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3 Gedanken zu “King Creole [1958] oder eine dramatische Geschichte in New Orleans”