Nach dem Urteil [2017]

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© Palace Films

Originaltitel: Custody
Produktionsland: Frankreich

Regie und Drehbuch: Xavier Legrand
Darsteller:
Léa Drucker, Denis Ménochet, Thomas Gioria, Mathilde Auneveux, Mathieu Saikaly uva.

Genre: Drama, Thriller
FSK: 
Länge: 94 Min.
Produktionsfirma: Palace Films
Deutscher Verleih: Weltkino

Premiere in Frankreich: 24 September 2017
Filmstart in Dtl.: 23. August 2018


Der Film beginnt damit, dass sich das Ehepaar Besson scheiden lassen möchte. Dementsprechend sind beide Elternteile zur Verhandlungen bei der Richterin und Anwälten geladen. Sohn Julien (Thomas Gioria) muss diese Umstände ertragen und möchte keinesfalls zum Vater.

Beklemmende Stimmung von Beginn an

Mutter Miriam (Léa Drucker) schwebt der gleiche Gedanke vor, weil Vater Antoine (Denis Ménochet) nicht selten zu Gewaltausbrüchen neigt. Doch dann räumt das Gericht dem Ex-Mann Antoine Besuchsrecht ein, welches besagt, dass er jedes zweite Wochenende mit seinem Sohn verbringen darf. Julien fühlt sich dabei alles andere als Wohl und lässt es seinen Vater auch spüren. Es ist Verbitterung und Abneigung, die immer allgegenwertig ist, wenn Antoine mit seinem Sohn im Auto sitzend zu sich fährt. Die Eltern von Antoine verstehen die Welt nicht mehr und stehen natürlich hinter ihrem Sohn. Schließlich wollen sie ja auch ihren Enkel bei sich haben. Aber auf Gegenseitigkeit beruht hier schon lange nichts mehr. Schon in den ersten Minuten des Films ist die negative Grundstimmung deutlich zu merken, als sich die gegenseitigen Parteien ihrer Ansicht nach die Argumente und mögliche Entscheidungen kundtun.

Kamera dicht am Geschehen dabei

Dabei ist es unerheblich, ob man sich gerade im Gerichtssaal, Auto oder in einer Wohnung befindet. Der dialogreiche Film lässt seine Charaktere völlig zur Entfaltung kommen und fängt die tiefgreifende Spielweise ein, was die Figuren völlig zur Entfaltung kommen lässt. Sohn Julien spürt die volle Breitseite und muss sich leider dem Vater fügen. Schon in der Körperhaltung und Mimik ist zu spüren, dass sich der Junge in der Gegenwart seines Vaters nicht besonders wohl fühlt. Doch es ist nicht nur die unterschwellige Aggressivität, einhergeht, sondern die Ungerechtigkeit, die der Sohn dann am meisten spürt, wenn er die Zeit bei seinem Vater verbringen muss.

Wer ist im Recht?

Die Frage hat sich schon in vielen Scheidungskriegen gestellt und daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Im Auto noch eingeschüchtert, wird Julien bei seinen Großeltern lebendiger. Oma und Opa sind natürlich erfreut, dass ihr Enkel so aufgeschlossen zu sein scheint. Die ganze Zeit über versucht Antoine Einfluss auf seine Ex-Frau auszuüben. Doch weder sie noch ihr Sohn lassen sich manipulieren. Oder möchte er einfach nur, dass alles so wird wie früher? Schnell fühlen sich die Beteiligten dadurch eingeengt und der Vater empfindet dies als Provokation. Kann es hier überhaupt noch eine friedliche Lösung geben? Egal wie die Sache ausgeht, dass gesamte Ensemble spielt großartig auf und steigert sich bis zur letzten Sekunde.

Der französischen Schauspieler Xavier Legrand gibt hier sein Regiedebüt auf der großen Leinwand und verfasste auch das Drehbuch selbst. Mit diesem Film greift er seinen 2013 entstandenen Kurzfilm AVANT QUE DE TOUT PERDRE auf. Schon damals schlüpften Léa Drucker und Denis Ménochet in die Rollen von Miriam und Antoine. NACH DEM URTEIL konnte 2017 bei den Filmfestspielen in Venedig den Preis für die Beste Regie abräumen.

Fazit: Das intakte Familienleben ist schon zu Beginn zerrüttet und man wird vor vollendeten Tatsachen gestellt. Der eiskalte Kampf um das Sorgerecht ist bereits im vollen Gange. Die Mutter versucht stets die Ruhe zu bewahren oder geht ihrem Ex-Gatten völlig aus dem Weg. Schließlich wurde er schon mehrmals zum Pulverfass. Die Starken wollen die Zuwendung, die Schwachen aber den Abstand. Mit zunehmender Spieldauer wird dies immer deutlicher. Nach dem Urteil ist ein Drama, welches zu keiner Zeit zimperlich an die Thematik geht, sondern viel mehr verheerende Ausmaße zu Tage bringt. Im Mittelpunkt der Szenerie steht Thomas Gioria, der den Sohn Julien spielt. Die Verletzbarkeit und Traurigkeit nimmt man ihm zu jeder Zeit ab und fühlt dabei mit ihm. Die größten Verlierer sind nämlich immer die Scheidungskinder. Ein Drama, welches unter die Haut geht und mit der Zeit Elemente des Thrillers aufweist. Mit folgenden Worten lässt sich das Szenario am besten beschreiben:

„Realistisch, hart, tiefgreifend und schonungslos. Dieser Atmosphäre kann man sich nur schwer entziehen, wenn man erst einmal in ihren Bann gezogen wurde.“

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