Bereits 71 Jahre waren nach dem Untergang  des Schiffes vergangen. In dieser Zeit wurde die Titanic mehrfach verfilmt und unterschiedlich interpretiert. Der Roman „Hebt die Titanic“ von Clive Cussler, welches 1976 erschienen war, regte die Phantasie vieler Leser an. 1980 wurde dieser Stoff aufwendig verfilmt. Jedoch wurde er ein finanzieller Flop. Nun nahmen sich mal wieder die Deutschen der schweren Thematik an.

1983 bis 2017 – Neu entfachte Faszination nach Entdeckung des Schiffes, J. Camerons Epos räumt ab und Neuinterpretation des Untergangs

Filmumsetzungen aus einem anderen Blickwinkel und eine besondere Entdeckung

© Pidax Film

Und dieses Mal wurde nicht das Schiffsunglück an sich, sondern die Untersuchungsausschüsse in New York in den Mittelpunkt gestellt. Unter dem Vorsitz von Senator William Alden Smith sollten der Ablauf und die Ursache der Katastrophe geklärt werden. Dazu hat er viele Überlebende des Unglücks zum Verhör gebeten. Titanic – Nachspiel einer Katastrophe (1984), so der vollständige Titel, ist von vielen Dialogen geprägt. Schafft es aber dabei eine realistische Abhandlung der Untersuchung zu bieten. Zur Grundlage hatte Regisseur Lutz Büscher die originalen Untersuchungsprotokolle und besetzte sein Drama u.a. mit Hans Korte, Sigmar Solbach oder Arthur Brauss.

Mit der Zeit machten sich Meeresforscher auf, das gesunkene Schiff ausfindig zu machen. Aber halt! Eigentlich gab es direkt nach dem Untergang schon solche Pläne. Bzw. wollte man es da schon heben. Dazu schlossen sich reiche amerikanische Familien der Guggenheims, Astors und Wideners zusammen und nahmen Kontakt zu der Bergungsfirma Merritt and Chapman Derrick and Wrecking Company auf. Aber es wurde schnell klar, dass die damals vorhandene Ausrüstung solch einer umfangreichen Aufgabe nicht gewachsen war. Auch die Elektrolyse des Seewassers wurde als Vorschlag auf den Plan gebracht. Zu echten Unternehmungen das Schiff zu finden, gab es ab 1953, als die Bergungsfirma Risdon Beasley Ltd. aus Southampton, als man mittels Sprengstoff und Echolot ein Profil des Seebodens ermittelte. Zwischen 1968 und 1978 gab es weitere erfolglose Pläne das Wrack zu heben bzw. zu orten. Erst im Jahr 1985 sollte es gelingen die Titanic zu finden.

,,Der Kontrast war sehr groß. Gewalt neben Sanftheit. Und die Weinflaschen sind nur ein Beispiel. Nachttöpfe und all so etwas. Wie manche Sachen überleben und andere nicht.

Robert Ballard, nachdem er das Wrack der Titanic entdeckt hat
© National Geographic Society, © Ken Marshall (cover art)

Es war die Nacht vom 31. August zum 1. September 1985, als der Forscher Stewart E. Harris etwas Großes auf dem Monitor entdeckte. Es handelte sich dabei um einen Kessel der Titanic. Als dann Ballard gerufen wurde, waren alle aus dem Häuschen. Die darauffolgenden Tage gab es noch einige Aufgaben zu erledigen. Die Grenzen der Wrackstelle mussten markiert und ein High-Tech-Netzwerk für die Unterwasservermessung und Navigation eingerichtet werden. Die genaue Position des Wracks hielt Ballard bis zur Veröffentlichung seines Buches im Jahr 1987 geheim. Kurz nach der Entdeckung der Titanic stürzten sich natürlich die Medien auf dieses sensationelle Ereignis und sorgten darüber hinaus für Falschmeldungen. Darin ging es um die Bergung des Schiffes, was natürlich für einen großen Wirbel sorgte. Doch mit gezeigten Filmmaterial des Kessels wurde dies entkräftet.

Ich hatte bereits erwähnt, dass Ballard 1987 ein Buch veröffentlicht hat. Gemeinsam mit Rick Archold schrieb er Das Geheimnis der Titanic – 3800 Meter unter Wassser. In diesem Buch wird nicht nur die Suche nach dem Wrack geschildert, sondern auch über die technischen Details informiert. Die Kooperation zwischen den amerikanischen und französischen Wissenschaftlern wird ebenfalls dargelegt. Darüber hinaus kann man sich bei diesem Werk über viele tolle Bilder und Farbtafeln freuen. Die große Expedition im Jahr 1986 wurde also für Nachwelt festgehalten und brachte auch eine filmische Dokumentation mit sich, die von National Geographic Society produziert und von Vestron Video vertrieben wurde. Mit dem Unterseeboot Alvin und vielen Videokameras im Schlepptau ging es zum Grund des Atlantiks, wo die Titanic schlummert. Ein interessantes Zeitdokument, welches eigentlich nur darauf wartet als Blu-ray oder zumindest auf den Streamingdiensten veröffentlicht zu werden.

Mediale Aufbereitung nicht nur als Dokumentation

© A+E Networks
Greystone Communications

Eine etwas andere Dokumentation realisierte die Regisseurin und Produzentin mit Titanic: The Complete Story (1994). Als Erzähler in der Originalsprache agierte dort David McCallum, der in A Night To Remember (1958) den Funker Harold Bride gespielt hatte. Visuell wurde die Doku mit Fotos, Filmauschnitten und Interviews angereichert, die auch zu damliger Zeit neue Erkenntnisse mit sich brachte. Hierzulande gab es diese Ausgabe mit zwei Filmdokumentationen, die zum einen Titanic – Der Untergang eines Traums und Tianic – Die Legende lebt weiter hieß. Ähnlich angelegt war auch Beyond Titanic (1998). Zu finden ist dieses Werk als Extra auf der DVD Titanic (1953). In dieser Doku ist Victor Garber, bekannt als Thomas Andrews aus J. Camerons Hollywood-Blockbuster, als Erzähler zu hören.

© 1997, BMG Music

1997 wurde es auch sehr musikalisch, als am Broadway in New York Titanic – Das Musical aufgeführt wurde. Die Uraufführung des Stücks fand am 23. April 1997 am Lunt-Fontanne Theatre statt. Bis zum 21. März 1999 gab es insgesamt 804 Vorstellungen und fünf Auszeichnungen für den Tony Award. U.a. für Bestes Musical. Von 2002 bis 2019 wurde das Musical in einigen europäischen Ländern aufgeführt. Deutschland war insgesamt neunmal vertreten.


© Cyberflix Incorporated / Night Dive Studios

Aber auch virtuell wurde die Titanic für Neuentdeckungen freigegeben. Nämlich im Computerspiel Titanic: Wettlauf gegen die Zeit, welches 1996 für die Plattformen Mac OS und Windows erschienen ist. Entwickelt hat es Cyberflix und war als 3D-Adventure aus der Egoperspektive konzipiert. Historisch wurde der Luxusliner sehr genau nachgebildet und mit einer fiktiven Agentengeschichte verwoben. Das Schiff war vollständig begehbar und man konnte so nachvollziehen, wie toll es damals für die Menschen gewesen sein muss, auf dem Schiff zu verweilen. Die digitale Plattform GOG hat im Dezember 2017 eine Version veröffentlicht, die auf modernen Rechnern lauffähig ist.

Viele Verfilmungen über den Untergang in 17 Jahren

© Konigsberg/Sanitsky Company

Und da kam von 1996 bis 2012 eine ganze Menge an Interpretationen zusammen. Angefangen mit Robert Liebermans Fernseh-Zweiteiler Titanic, welcher auf dem Roman Titanic: An Illustrated History basiert und eine Laufzeit von 180 Minuten hat. In dieser Version versuchte der Regisseur die damaligen Geschehnisse authentisch wiederzugeben und besetzte sein Drama u.a. mit Peter Gallagher, Catherine Zeta-Jones oder George C. Scott. Nicht ganz detailgetreu in seiner Visualität, aber aufgrund einer TV-Umsetzung dennoch bemerkenswert.

Ein Jahr später brachte James Cameron seine Version der Titanic in die Kinos. Bei 194 Minuten Laufzeit konnte dementsprechend viel aufgearbeitet werden. Lohn der aufwendigen Arbeit waren 11 Oscars, die der Film u.a. für die Beste Regie oder Bester Film bekommen hat und ist einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Zum 100. Jahrestag brachte Cameron 2012 seinen Film als 3D-Version noch einmal in die Kinos. Aber auch in einem Trickfilm erschien der Luxusliner. Nämlich in Mäusejagd auf der Titanic (1999), wo der Mäusegroßvater Gramps seinen Enkelkindern den Untergang des Schiffes aus seiner Sicht erzählt.

© Summit Entertainment

Einen ganz anderen Blickwinkel widmete sich J. Cameron in Die Geister der Titanic (2003), als er gemeinsam mit seiner Crew bestehend aus Spezialisten erneut zum Wrack hinabtauchte. Dieses Mal geht es noch tiefer in das Schiff, wo u.a. die Kabinen zu erkunden sind. Darüber hinaus gab es hier wieder neue Erkenntnisse, die nicht nur faszinierend, sondern auch spektakulär sind. Bau eines Superschiffes (2005), wie der Titel schon sagt, befasst sich der Film mit dem Bau des Schiffes und geht auch auf die Menschen ein, die unmittelbar damit zu tun haben. Neben Spielszenen mit den Charakteren erlebt man hier die Geschichte anhand von Fotos, historischen Aufnahmen und Computer-Animationen. Man bekommt einen Eindruck davon, wie der Bau des Schiffes Fortschritte macht und die sozialen als auch politischen Aspekte der der einzelnen Figuren ein Thema sind. Kaum erwähnenswert ist Titanic II (2010). Der Film spielt 100 Jahre nach dem Unglück der echten Titanic. Nun sieht man sich einen Tsunami gegenüber, der durch die globale Erwärmung heraufbeschworen wurde. Nun sieht man sich erneut einen Eisberg gegenüber.

©BBC

In der 12-teiligen Miniserie Blood and Steel (2011) wird der Bau des Schiffes vor dem Hintergrund von Gewerkschaftsunruhen, politischen als auch religiösen Konflikten gezeigt. Jede Folge endet mit einem Cliffhanger und lässt so noch mehr Spannung aufkommen. In der britischen TV-Miniserie Titanic (2012) fanden in der Parallelmontage vier statt zwei Ebenen Verwendung und wurden in den Schausplätzen ineinander verschwenkt. Das gleiche Prinzip brachte Herpert Selpin bei seinem Titanic-Film im Jahr 1943 zumindest teilweise zum Einsatz. In dieser vierteiligen Serie bekommen wir tiefe Einblicke aus allen drei Klassen und den Menschen die sich eben in solchen befinden. Eine etwas andere Geschichte erzählt Helden der Titanic (2012). Im Mittelpunkt stehen all jene, die dafür sorgten, dass die Titanic nicht noch mehr Opfer erfuhr. Die Heizer tief im inneren des Schiffes feuerten die riesigen Öfen bis zum bitteren Ende, damit die Titanic mit Strom versorgt blieb und die elektrischen Winden der Rettungsboote benutzt werden konnten.

Großartige Events und Visionen in den letzten und kommenden Jahren

Das Jahr 2017 hatte die Stadt Leipzig zum Thema Titanic etwas zu bieten. Der Künstler Yadegar Asisi stellte im Leipziger Panometer sein Titanicwrack-Panorama aus und begeisterte damit viele Besucher. So auch auch den Titanic-Buchautor Norbert Zimmermann, der im übrigen eine Titanic-Homepage betreibt. Für ihn war es eine besondere Erfahrung das Wrack in dieser Form zu sehen, was man auch auf seiner Homepage direkt hier nachlesen kann. Passend dazu stellte er auch Bewegbilder als aussagekräftigen Eindruck online. Noch im gleichen wohnte er dem Titanic Gathering in Belfast bei. Was er dort erlebt habt, könnt ihr ebenfalls auf seinem Webauftritt nachlesen.

Im Jahr 2019 war es bereits 14 Jahre her, als das letzte Bild vom Wrack der Titanic gemacht worden sind. Aber im selben Jahr tat eine Expedition dies wieder und lieferte das Material der Öffentlichkeit. Verantwortlich dafür war der Tauchexperte Victor Vescovo und sein Team. Es waren keine normalen Aufnahmen, sondern welche in 4K-Auflösung. Bis dahin hatte er fünf Tauchgänge zum Wrack durchgeführt. Die Rechte dieser Bilder gehört gehört nun der Londoner Produktionsfirma Atlantic Productions, die daraufhin zwei Dokus produzierte. Zum einen den einstündigen Dokumentarfilm Back to the Titanic (2020), der vielleicht schon bald auf dem Streamingportal Disney+ landen könnte, weil eben National Geographic mit an Bord ist. Und den Mehrteiler Expedition Deep Ocean (2021), der bisher nur in den USA ausgestrahlt wurde. Wie und wann hierzulande eine Ausstrahlung stattfinden könnte, ist noch unklar.

Fast 110 Jahre ist der Mythos der Titanic alt. Und noch ist die alte Dame uns erhalten geblieben. Doch der Wettlauf gegen die Zeit hat längst begonnen. Wegen der Mikroorganismen, die das Schiff quasi zerlegen bzw. fressen, wird in einigen Jahren kaum noch was vom Ozeanriesen übrig sein. Bereits jetzt hat sich der Zustand des Schiffes stark verändert.

Aber für Vescovo selbst war es eine unglaubliche Erfahrung das Wrack zu erkunden:

„Es ist ein großes Wrack, ich war nicht darauf vorbereitet, wie groß es ist. Es war außerordentlich, es komplett zu sehen.“

© Atlantic Productions / dpa

Doch komplett ist eigentlich eine große Auslegungssache, da Teile der Decks schon in sich zusammengefallen sind und die Zerstörung noch weiter fortschreiten wird. Da bleibt zu hoffen, dass die Tiefseeforscher noch oft das Wrack erkunden können und so vielleicht noch viele neue Erkenntnisse für die Nachwelt sicherstellen können. Aber beinahe wäre ein Teil der Titanic-Geschichte vorbei gewesen, als die Werft Harland & Wolff, die im März 1909 gegründet worden war, im Sommer 2019 Insolvenz anmelden musste. Doch Schlimmeres konnte zum Glück verhindert werden, weil ein Energie-Unternehmen aus London 6 Mio. Pfund bereitstellte. Die Zeitschrift „The Guardian“ berichtete darüber.

Der australische Milliardär Clive Palmer hat auch so seine Pläne. Bereits seit 2013 möchte er die Titanic für Kreuzfahrten nachbauen lassen. Dafür sorgen sollen reiche Chinesen. Allerdings wurde es dann relativ ruhig um das Projekt. Seit 2018 ist das Vorhaben wieder im Gange. Und nun soll das Schiff in Dubai gebaut werden und im Jahr 2022 in See stechen.

,,Dieser Eindruck hat sich unauslöschlich in unser Gedächtnis gebrannt. Es ist der Anblick des Schiffes, wie es schräg im Wasser liegt, hell erleuchtet unter sternenklaren Himmel. Es gibt da dieses Gefühl der Erhabenheit, was wir mit dem Untergang der Titanic verbinden.“

James Cameron in einem Interview für die RTL Sondersendung: Titanic – Der erfolgreichste Film aller Zeiten (1998)

Und mit diesen Worten von Regisseur James Cameron endet dieses große Special. Bereits im Jahr 1998 konnte er es nicht besser auf den Punkt bringen. Das Erhabene ist etwas Großes oder Heiliges, was die Menschen damals auf die Titanic übertragen haben. Sie strahlte Verehrung und Ehrfurcht zugleich aus und versetzte die Menschen in Angst und Schrecken, als sie schlussendlich in den eisigen Fluten des Atlantiks versank. Doch sie zeigte auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Klassen auf und strahlte zudem Optimismus als auch Arroganz aus. Aber der Mensch darf sich niemals über alles stellen. Tut er es doch, wird er früher oder später bestraft. Und das hat die Natur gnadenlos mit der Titanic gemacht. Ohne Rücksicht auf Menschenverluste. Doch es sind auch die Tatsachen und Legenden, die den Mythos der Titanic am Leben erhalten. Die Entdeckung des Wracks, viele Filme, Bücher und auch Musicals begeistern Fans auf der ganzen Welt. Und es war James Cameron, der mit seinem Film diese Begeisterung steigern konnte und uns bis heute neugierig auf das Schiff gemacht hat. damit ist auch die Frage beantwortet, ob sein Film DER ultimative Titanic-Film ist. Auch fast 110 Jahre nach dem Unglück gibt es noch so viel zu erfahren oder zu erforschen, so dass wir uns auch noch die nächsten Jahre mit der Titanic beschäftigen können. Es ist eine Leidenschaft, die ich selbst als Kind entdeckte und mir sofort Bücher über das Schiff im Buchladen die Straße gegenüber gekauft habe. Wenn dabei tolle Artikel über das Thema herausspringen und zugleich der Bildungsauftrag erfüllt wird, tue ich definitiv das Richtige. Und irgendwie ist die TITANIC dann doch unsterblich!


QuellenSehtipps
www.morgenpost.de
www.morgenpost.de
www.morgenpost.de
www.infosat.de
www.n-tv.de
schiffe-und-kreuzfahrten.de
https://titanicbuchautor.jimdo.com/
englische Wikipedia
www.titanichistoricalsociety.com

Bücher:
Titanic – Legende und Wahrheit
Titanic – Triumph und Tragödie
Titanic: 100 Jahre nach der Katastrophe (2012)
Die tödlichen Fehler der Titanic (2020)

Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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