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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Deutscher Titel: Deadpool
Produktionsland: USA

Regie: Tim Miller

Darsteller:
Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano:  uva.

FSK: 16
Länge: 109 Min.
Verleiher:  20th Century Fox

Filmstart in den USA: 12 Februar 2016
Filmstart in Dtl.: 11. Februar 2016


Auf so eine Comicverfilmung hat doch der wahre Filmnerd nur gewartet. Ein (Anti-)Held der jede Regel über Bord wirft und sein eigenes Ding macht. Schon allein deshalb war Deadpool eines der meist erwartesten Filme im Jahr 2016. Doch wurde er auch völlig zu recht gefeiert?

Keine typische Abfolge der Erzählung

Nun ja, dass sich solche Filme nicht streng nach chronologischer Reihefolge der Heldengeschichte richten, haben schon Filme wie Iron Man (2008) oder Thor (2011) gezeigt. Die Besonderheit an Deadpool ist aber, dass er selbst zum Publikum spricht und so dem Ganzen eine gewisse Note verleiht. Sowas hat es natürlich schon in Fernsehserien wie Parker Lewis – Der coole von der Schule gegeben. Nach dem Opening, welches nicht mit den typischen Credits bedacht, sondern mit Formulierungen wie „A Hot Chick oder „A Moody Teen“ ausgestattet wurde. Untermalt wird diese Sequenz mit Juice Newtons Song „Angel of the Morning“. Dahinter mag sich beim anhören ein Liebesfilm verstecken. Aber weit gefehlt. Während des Openings gibt es einige Anspielungen und Easter Eggs zu sehen, die quasi zum entdecken und interpretieren einladen. Der Score stammt von Junkie XL und ist je nach Stimmung entsprechend untermalt. Beigesteuerte Songs gibt u.a. von Salt-N-Pepa – „Shoop“ oder George Michael – „Careless Whisper“ zu hören. 

Stilistische Mittel mit hohen Wiedererkennungswert

Und davon wird reichlich im Film verwendet. Eigentlich kann man es auch „Fanservice Superdeluxe“ nennen. Nach wilden Actionszenen, wie sie es auch gleich zu Beginn gibt, wird man in die Zeit zurückversetzt, bevor sich Wade Wilson (Ryan Reynolds) in Deadpool verwandelt hat. Und es wird nicht nur diese Verwandlung gezeigt, sondern auch was er voher getan hat. Wade war ein Söldner und gehörte der Ex-Special-Forces an und verliebt sich kurze Zeit später in die Escort-Dame Vanessa (Morena Baccarin). Anschließend werden sie ein Paar. Doch Wade ist an Krebs im Endstadium erkrankt und lässt sich in ein geheimes Versuchslabor einweisen. Im Verlauf der Handlung persifliert der Film immer wieder das Genre der Superheldenfilme. Zum Beispiel auf der Patientenliege, wo er bereits festgeschnallt ist und Witze über Green Lantern macht, den er selbst einmal gespielt hat. Wade hat noch immer eine große Klappe und reißt weiter seine Witze. Auffällig ist auch, dass diverse Actionszenen zeitlupenartig verlangsamt oder angehalten werden. In der Regel kommt in dieser Sequenz ein Spruch von Deadpool oder es wird auf etwas hingewiesen. Auch sich selbst auf die Schippe nehmen gehört zum Inventar des Actionkrachers. So gibt es einige Seitenhiebe auf den Hauptdarsteller Ryan Reynolds oder auch Wolverine-Darsteller Hugh Jackman.

Ausgeklügeltes Drehbuch sorgt für Unterhaltung

Dafür verantwortlich waren Paul Wernick und Rhett Reese, die schon die Story für Zombieland (2009) verfasst haben. Schon damals ging der Geschichte ein gewisser Unterhaltungswert voraus. Damals war ein hoher Wert an Klamauk festzustellen, was aber nie entgültig ins lächerliche versandete. Und auch in Deadpool wird dies perfekt umgesetzt und sogar noch erweitert. So sind die Gründe warum Wade Wilson seine Freundin verlassen muss nachvollziehbar. Auch seine Angst sie nach seiner Deformierung aufzusuchen erscheint sehr menschlich. Trotz des hohen Unterhaltungswerts wird die ernste Komponente nie aus den Augen verloren, sondern perfekt in das Gesamtgefüge eingepasst.

Antagonist unzureichend ausgearbeitet

Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass Deadpool im großen und ganzen der Comicvorlage entspricht. Wer sich schon näher damit befasst hat wird bemerken, dass unser Antiheld in den Comics noch viel derber zur Sache geht. Aber für die FSK 16 Freigabe muss so ein Studio natürlich Abstriche machen. Der Film weist einen hohen Wert an Kunst auf. Und es wäre schade, wenn dies zu einer Indizierung der Bundesprüfstelle führen würde. Und nun zum eigentlichen und einzigen Kritikpunkt. Es betrifft den Antagonisten Francis Freeman / Ajax (Ed Skrein), der Wade Wilson an den Kragen will. Seine starken und robusten Eigenschaften wurden aus den Comics übernommen. Doch im Film selbst wirkt er eher profillos als interessant. Zwar bietet sein Darsteller gute Koordination bei den Kampfszenen, ist in der Tiefenzeichnung aber fehl am Platz. Seine Motivation oder die Lust am quälen seiner Patienten ist nicht nachvollziehbar, weil es kaum Hintergrundinformationen zu diesem Charakter gibt.

Am verlängerten Startwochenende erzielte der Film in Nordamerika 150 Mio. US-Dollar. International belief sich die Summe auf weitere 132,1 Mio. US-Dollar. In der Endabrechnung standen 760 Mio. US-Dollar zu Buche.

Fazit: Hauptdarsteller Ryan Reynolds war an der Produktion beteiligt, was dem Film sichtlich gut getan hat. Schließlich war sein X-Men Origins: Wolverine (2009) eher bescheiden. Was aber mehr an der Produktion als am Haupdarsteller an. Mit seiner ausgepfeilten Action und ein gut aufgelegten Haupdarsteller ein echter Filmgenuss, bei dem kein Auge trocken bleibt. Schließlich gibt es auch kräftig was auf die Lachmuskeln. Abgerundet wird das Geschehen mit vielen Anspielungen und einen Cameo-Auftritt von Stan Lee. Und aufgepasst! Bis zum Ende auf den Sitzen bleiben. Es erfolgt eine Post-Credit Szene, die sich mitunter auf die 1980er Jahre bezieht. Kurz gesagt ist der Film selbstreflexiv, ungezogen und provokant. Alles Eigenschaften die einen echten Anti-Helden wie Deadpool ausmachen.

Ein Gedanke zu “Deadpool [2016]

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