Originaltitel: Zimna wojna
Produktionsland: Polen, England, Frankreich
Regie: Pawel Pawlikowski

Darsteller:
Joanna Kulig: Zula, Tomasz Kot: Wiktor, Borys Szyc: Kaczmarek, Agata Kulesza: Irena, Cédric Kahn: Michel uva.

Genre: Drama, Romanze
FSK: unbekannt
Länge: 88 Min.
Filmverleih Dtl.: Neue Visionen Filmverleih

Cannes Filmfestival: 10. Mai 2018
Filmstart in Polen:
8. Juni 2018
Filmstart in Dtl.: 22. November 2018

Bestandteil des 28. Filmfestival Cottbus

FestivalSektion: Hits



Erzählt wird die Geschichte des begabten Komponisten Wiktor (Tomasz Kot), der während des polnischen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg traditionelle Melodien für ein neues Tanz- als auch Musik-Ensemble sucht. Unter den möglichen Kandidaten sticht die Sängerin Zula (Joanna Kulig) besonders hervor. Von Beginn an ist Wiktor von ihr begeistert und stellt sie in den Mittelpunkt des Ensembles. Schon bald verlieben sie sich ineinander und scheinen dabei keine Grenzen zu kennen. Doch bei einem Auftritt in Ostberlin hat Wiktor die Möglichkeit in den Westen zu fliehen. Wird er sein Vorhaben umsetzen und so die Liebe seines Lebens aufgeben?

Verschiedene Handlungsorte bestimmen das Geschehen

Zunächst befindet man sich in Polen des Jahres 1949, wo das Land noch immer an den Kriegsfolgen leidet. Neben der fehlenden Elektrizität liegen noch viele Häuser in Trümmern. Schon bald beschließen Wiktor und Irena durchs Land zu ziehen, um mit ihrem Tanz- und Musik-Ensemble Mazurek aufzutreten. Es dauert nicht lange, bis sich nach dem eintretenen Erfolg die Funktionäre der Politik daran vereinnahmen. Die Geschichte erstreckt sich bis ins Jahr 1964. Sie folgt zwar strikt der Chronologie, ist aber mit Ellipsen versehen und lässt so einige Jahre außen vor. In dieser Handlung trägt es aber aus zwei Gründen im positiven Sinne bei. Zum einen wird der Plot stetig vorangetrieben und erhält immer wieder neue Spannungsbögen. Zum anderen regt die lückenhafte Chronologie zur freien Interpretation des Zuschauers an und lässt ihn diesen Film vielleicht noch ein zweites Mal mal schauen. Regisseur Paweł Pawlikowski begründete seine Entscheidung wie folgt:

„Sehr oft werden Filme, vor allem Biografien, erdrückt durch das Verlangen, Informationen unterzubringen und zu erklären und die Geschichte wird oft auf Ursachen und Auswirkungen reduziert. Aber im realen Leben gibt es so viele versteckte Gründe und unvorhersehbare Auswirkungen – so viele Doppeldeutigkeiten und Geheimnisse, dass es schwer ist, es als ein konventionelles Drama über Ursache und Wirkung umzusetzen. Es ist besser, nur die starken und entscheidenden Momente der Geschichte zu zeigen und das Publikum die Lücken mit ihrer eigenen 1949 – 1964: DIE LÜCKEN IN DER GESCHICHTE Vorstellungskraft und Lebenserfahrung füllen zu lassen. Ich mag es, Geschichten in starke Stücke zu destillieren, sie Seite an Seite zu packen und das Publikum die Geschichte entdecken zu lassen, ohne sich manipuliert zu fühlen.“

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Liebe als Zerreißprobe: Wiktor (Tomasz Kot) und Zula (Joanna Kulig) lernen ihre Grenzen kennen. © Neue Visionen Filmverleih

Durch zwischenzeitliche Schwarzblenden, die auf Titel, Ort und Zeit hinweisen, wird für einen kontinuirlichen Gesamtüberblick gesorgt. Man wird also nie im Dunkeln gelassen, wann und wo man sich gerade befindet.

Kalter Krieg diente nur als Rahmen der Geschichte

Als Hintergrund der Geschichte wählte Regisseur und Oscar®Preisträger Paweł Pawlikowski (Ida) den Kalten Krieg, wo es für ein Liebespaar eigentlich unmöglich ist ihr leidenschaftliches Zusammensein in Frieden auszuleben. Pawlikowski beschränkt sich nicht nur darauf einfach nur eine Liebesgeschichte zu erzählen, sondern lässt auch die Bilder sprechen, die genug Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Dabei gelingt das Kunststück, das Gesamtwerk in einer besonderen Magie erstrahlen zu lassen. Hat man den Film einmal gesehen, dann wird man ihn so schnell nicht mehr vergessen. Dafür verantwortlich ist auch die Kamera, die es schafft den besonderen Blickwinkel zu erzeugen. Auch Maskenbildner Waldemar Pokromski wird sich nicht nur an seiner Arbeit für Cold War, sondern auch an sein Praktikum bei Steven Spielberg zu Schindlers Liste (1993) erinnern. Für seine damalige Arbeit war der Pole für den Bafta Award nominiert und wurde in den Folgejahren u.a. für einige Hollywoodproduktionen wie Die neun Pforten (1999), Der Pianist (2002) oder The First Avengers: Civil War (2016) nicht nur für die Maske, sondern auch für das Styling der Haare beauftragt. Was bisher noch fast verborgen blieb, ist die Tatsache, dass es schon einmal einen Film mit ähnlicher Thematik gedreht wurde. Konrad Wolfs Geteilter Himmel (1964) könnte so zum direkten Vergleich taugen.

Fazit: Cold War ist alles andere als farbenfroh. Zum einen ist das Drama schwarz/weiß und verfolgt stetig einen düsteren Unterton. Man befindet sich in einer Zeit, wo sich der Kalte Krieg entfachte. Eben solcher dient aber nur als Rahmenhandlung, um die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten erzählen zu können. Alles scheint für das Paar unter einem schlechten Stern zu stehen. Überzeugend in der Darbietung sind die Hauptrollen Joanna Kulig und Tomasz Kot, die diesen Film tragen und ihren Figuren eine gewisse Authentizität und Selbstreflektion verleihen. Beim 28. Filmfestival in Cottbus avancierte dieser Film zum Publikumsliebling. Und es wäre nicht überraschend, wenn er dies auch im regulären Kinoprogramm schafft.


In diesen Kinos läuft der Film.

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