Die Oscarverleihung 2018 und 2019 ist längst in den Filmgeschichtsbüchern festgehalten und die Verleihung 2020 steht in den Startlöchern.

Nun nehme ich mir wieder die unterschiedlichsten Kategorien vor und gehe dabei auf Nominierungen und Auszeichnungen etwas näher ein. Nach dem letzten Artikel über die Besten Nebendarsteller (m/w) geht es nun um die Hauptdarsteller (m/w). Thematisch geht es dabei in die Oscarjahre 1929 und 2010 und hebt Sieger der jeweiligen Jahre hervor.


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©Paramount Pictures

1929 fand die erste Oscarverleihung statt und zeichnete Filme aus den Jahren 1927 und 1928 aus, was gleichbedeutend damit war, dass zwei Filme in den Hauptdarstellerkategorien prämiert werden konnten. Und in beiden Stummfilmen spielte Emil Jannings die Hauptrolle. Zuerst erschien Der Weg allen Fleisches (The Way of All Flesh) (1927), wo er einen Bankkassierer August Schiller darstellte, der in Milwaukee lebte und arbeitete als auch glücklich verheiratet und Vater von sechs Kindern ist. Der Film basiert auf eine Erzählung von Perley Poore Sheehan und gilt als verschollen, da keine Kopien zu existieren scheinen. Damit ist es der einzige verschollene Film, welcher mit einem Oscar für einen Darsteller ausgezeichnet worden ist.

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©Paramount Pictures

1928 erschien Sein letzter Befehl von Regisseur Josef von Sternberg. Eine Rolle die wie für Jannings gemacht schien. Er verkörpert hier gestenreich den zaristischen General und Großfürst Sergius Alexander und verurteilt den Revolutionär Leo Andreyev zu einer Gefängnisstrafe und verliebt sich anschließend in dessen Freundin, Natalie Dabrova. Sie hat vor ihn zu ermorden, hält sich dann aber doch aus bestimmten Gründen zurück, als sie dabei etwas gemerkt hat. Jannings ist bislang der einzige Deutsche, der als Bester Hauptdarsteller bei den Academy Awards ausgezeichnet worden ist. Außerdem erhielt er 2011 einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Die gleiche Ehrung wurde ihm auch auf dem Hollywood Walk of Fame zuteil.

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Von Alexander Binder – EYE Film Institute Netherlands, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36953846

Emil Jannings wurde am 23. Juli 1884 in Rorschach, Schweiz geboren und ist doch Deutscher gewesen. Zwar war sein Vater ein Kaufmann aus Amerika, aber die Mutter jüdisch-russischer Herkunft stammte aus Deutschland. Emil wuchs nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Görlitz und Leipzig auf. Als er als Jugendlicher kurze Zeit als Schiffsjunge zur See fuhr, schloss er sich danach unterschiedliche Wanderbühnen an. Nach seinem richtigen Engagement am Stadttheater Glogau, Niederschlesien kam er 1915 nach Berlin, wo er große Erfolge feiern konnte und sich als Charakterdarsteller weiterentwickeln konnte. Zu seinen Kollegen zählte auch Ernst Lubitsch.

Sein Debüt als Filmschauspieler feierte Jannings bereits 1914 in Im Schützengraben. Dort geht es um eine Familie, die glücklich in einer kleinen deutschen Grenzstadt lebt. Zeitlich befindet man  sich hier am Vorabend, wo der erste Weltkrieg seinen Anfang nahm. In der Folgezeit spielte er in Filmen der UFA und begann 1919 seine internationale Schauspielkarriere. Der schon genannte Ernst Lubitsch war dabei häufig der Regisseur, unter dem Jannings arbeitete. Auch Friedrich Wilhelm Murnau konnte den vielseitigen Emil als Darsteller für den Film Tartüff (1925) gewinnen. Auch in Faust – eine deutsche Volkssage (1926) arbeitete er für Murnau. Anschließend ging Jannings nach Amerika und wurde dort trotz Erfolgs nicht wirklich glücklich und kehrte bereits 1929 nach Dtl. zurück und drehte mit Der blaue Engel (1930) seinen ersten Tonfilm. Auch in der NS-Zeit konnte er auf viele Erfolge und gute Kritiken bauen und mimte auch historische Persönlichkeiten wie Robert Koch in Robert Koch, Bekämpfer des Todes (1939). Sein letzter Film hieß Wo ist Herr Belling? (1945), welcher nicht fertiggestellt werden konnte, weil er von den Alliierten mit einem lebenslangen Auftrittsverbot belegt wurde. Die gaben als Begründung an, dass Jannings eine große Nähe zu den NS-Machthabern pflegte. 1948 wurde er österreichischer Staatsbürger und kaufte mit seiner Frau ein Haus in Strobl, wo er am 2. Januar 1950 an Leberkrebs starb.

Die nominierten männl. Hauptdarsteller bei der 1. Verleihung

Emil Jannings – Sein letzter Befehl (The Last Command) und Der Weg allen Fleisches (The Way of All Flesh)
Richard Barthelmess – Die Nacht ohne Hoffnung (The Noose) und Die Welt in Flammen (The Patent Leather Kid)


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©Warner Bros. Pictures Germany

Das Drama Blind Side – Die große Chance (2009) von Regisseur John Lee Hancock (Saving Mr. Banks (2013), The Founder (2016)) handelt vom 17-jährigen Michael Oher (Quinton Aaron), der sein ganzes Leben in unterschiedlichen Kinderheimen verbringen musste bzw. es dort selten aushielt. Nach einer Feier bemerkt Leigh Anne (Sandra Bullock), dass Michael ganz allein in der Nacht auf der Straße unterwegs ist und vor Kälte schlottert. Sie bietet ihm an, dass er die Nacht bei ihrer Familie verbringen könnte. Dabei scheint sie Besonderheiten an ihm zu entdecken und beginnt ihn zu unterstützen. Sandra Bullock war zu dieser Zeit längst zur Charakterdarstellerin gereift und bewies einmal mehr, was in ihr steckte. Sie spielte nicht nur groß auf, sondern bewies in ihrer Rolle großes Herz, was auch bei den Kritiktern und Zuschauern sehr viel Wohlwollen auslöste. Sie mimte nicht nur eine Wohlstands-Mutter, sondern bestach auch mit der Überwindung sozialer und kultureller Unterschiede.

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© allaccess

Sandra Annette Bullock, so ihr vollständiger Name, wurde am 26. Juli 1964 in Arlington, Virginia geboren und besitzt seither deutsche Wurzeln. Ihre Mutter war die deutsche Opernsängerin Helga Meyer. Sie wuchs bis zum 12. Lebensjahr in Nürnberg auf. Sandra war in dieser Zeit im Kinderchor aktiv und trat auch bei Aufführungen iher Mutter auf. 1982 machte die junge Sandra ihren High-School-Abschluss. Später beendete sie über viele Umwege ihre Schauspielausbildung und besuchte fortan Schauspielkurse in New York. 1989 führte ihr Weg nach Los Angeles, wo sie begann kleine Rollen im Film und Fernsehen zu übernehmen. Kurze Zeit später folgten Nebenrollen in Kinofilmen. In Demolition Man (1993) spielte sie neben Sylvester Stallone die Hauptrolle und konnte damit ihren ersten finanziellen Erfolg verbuchen. Ihr entgültiger Durchbruch war der Actionfilm Speed (1994). Auch im Genre der Thriller konnte sie sich u.a. in Das Netz (1995), Die Jury (1996) oder Mord nach Plan (2002) behaupten. 1998 erschien mit Making Sandwiches ihr Debüt als Drehbuchautorin und Regisseurin.  2004 spielte sie im hoch gelobten Episodenfilm und Drama L.A. Crash (Oscar für den Besten Film) mit. Sie blieb stetig erfolgreich und wirkte auch 2011 neben Tom Hanks im Drama Extrem laut & unglaublich nah mit. Der Sci-Fi-Film Gravity (2013) wurde mit Abstand ihr erfolgreichster Film und sie erhielt dazu beste Kritiken und Nominierungen für Preise. Danach war sie in Filmen wie Die Wahlkämpferin (Our Brand Is Crisis) (2015) oder Ocean’s 8 (2018) gefragt. 2019 wurde durch Amazon Prime bekannt, dass eine Musical-Serie über die Jugendjahre Sandras in den 1980er Jahren umgesetzt werden soll.

Die nominierten weibl. Hauptdarsteller bei der 82. Verleihung

Sandra Bullock – Blind Side – Die große Chance (The Blind Side)
Helen Mirren – Ein russischer Sommer (The Last Station)
Carey Mulligan – An Education
Gabourey Sidibe – Precious – Das Leben ist kostbar (Precious)
Meryl Streep – Julie & Julia


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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