Originaltitel: Into the Beat – Dein Herz tanzt
Produktionsland: Deutschland

Regie: Stefan Westerwelle
Drehbuch: Hannah Schweier, Stefan Westerwelle

Darsteller:
Alexandra Pfeifer: Katya, Yalany Marschner: Marlon, Ina Geraldine Guy: Feli, Trystan Pütter: Victor u.v.a.

Genre: Drama, Romanze, Musik
FSK: 0
Länge: 98 Min.

Produktionsfirma: Lieblingsfilm GmbH, Senator Film Produktion
Verleiher: Wild Bunch

Filmstart (Dtl.):  16. Juli 2020



„Die Welt des Streetdance ist eine riesige Family.“

Marlon aus dem Film Into the Beat im Verleih von Wildbunch Germany


Katya (Alexandra Pfeifer) ist 14 Jahre alt und tanzt Ballet, seit sie denken kann. Doch dann verändert ein Zwischenfall in der Familie ihr ganzes Leben. Dann lernt sie den ein Jahr älteren Breakdancer Marlon (Yalany Marschner) kennen. Katya tanzt ein Ballet, wie es im Buche steht. Und doch möchte sie eine Veränderung. So versucht sie sich als Breakdancerin und erhält wertvolle Tipps von Marlon…

Fokus liegt auf das Tanzen

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Auf sich gestellt und eine Leidenschaft für die Ewigkeit? Katya (Alexandra Pfeifer) in ihrem Element. © Wild Bunch Germany

Doch tanzen ist nicht gleich tanzen. So ist der Breakdance doch etwas ganz anderes als der klassische Ballett. Nach und nach lernt sie dazu und hat dennoch  die Möglichkeit ein Stipendium bei der New York Ballet Academy zu bekommen. Doch will sie dieses Stipendium überhaupt noch? Katya scheint nicht mehr bei der Sache zu sein und erledigt ihre Aufgaben im Ballett nur halbherzig. Ganz zum Leidwesen ihres Vaters. Denn der nöchte, dass sie in seine Fußstapfen tritt. Aber wie soll sie es ihm klar machen, wenn das Ballett sein Leben bedeutet und er mit Breakdance nun so rein nichts am Hut hat. Katya hat vor längerer Zeit ihre Mutter verloren und lebt daher mit ihren kleinen Bruder und Vater allein. Eine nähere Ausleuchtung der Familie findet leider nicht statt bzw. erfolgt nur differenziert. Eine längere Laufzeit um 10 Minuten hätte sich hier angeboten, um noch mehr Tiefe zu verankern bzw. das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter näher zu beleuchten.

Was hingegen sehr gut heraussticht, ist der Unterschied zwischen einer Solistin und Teamplayerin. Und man bekommt von beiden Arten sehr gute Eindrücke vermittelt. Was ebenfalls auffällt ist die Tatsache, dass beide Leidenschaften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gefrei dem Motto Breakdance ist was Cooleres und Ballett dagegen langweilig. In der Gesellschaft mag diese Ansicht vielleicht vorherschen, aber im Film wird völlig feinfühlig damit umgegangen. Viel mehr bekommt man das Gefühl vermittelt, dass  beide Tanzarten völlige Disziplin und eine strikte Choreographie sowie intensive Vorbereitung erfordern. Noch eine kleine Anmerkung für das Ballett. Wir alle kennen den Tanzfilm Billy Elliot (2000), der später auch als Musical große Erfolge feierte. Einst war auch Schauspieler Tom Holland die Titelfigur, der das Tanzen von klein auf beherscht. Auch Dank seiner Akkrobatik bekam er die Rolle als Spider-Man. 😉

Emotionen springen wie Feuer auf das Publikum über

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Ein Lebensgefühl mit besonderer Anziehungskraft. © Wild Bunch Germany

Und eben solche geht in der Regel von Katya bzw. ihrem Breakdancepartner Marlon aus. Zwar sind Emotionen beim Ballet auch vorhanden, doch werden sie beim Breakdance viel stärker nach außen geprägt. Dazu kommt, dass man eben von einem gewissen „Beat“ begleitet wird, der dabei recht schnell auf die direkten Zuschauer überspringt, die dann mit lauten Rufen die Streetdancer anfeuern. Das Ballett funktioniert genau andersherum. Dort erwartet man von außen hin Ruhe, damit die Konzentration nicht gestört wird. In beiden Tanzarten bekommt man hautnah Choreographien serviert, die nahezu perfekt von der Kamera eingefangen werden. Unterstützung gab es dabei vom Flying Steps Academy in For des Duos Pepita Bauhardt und Jeff Jimenez.

Aber sehen wir eine Konfrontation oder Grenzüberschreitung zwischen beiden Lagern? Ein Fakt, welches der Zuschauer für sich entscheiden kann. Definitiv ist beides ein anderes Lebensgefühl, welches auch eine gewisse Überwindung abverlangt. Hat maman diese gemeistert, dann stehen einem vielleicht alle Türen offen und es gehen dadurch vielleicht Träume in Erfüllung. Ein Lebensgefühl der anderen als auch besonderen Art, was thematisch perfekt in einem Jugendfilm passt.

Rund sieben Jahre gibt es die Initiative “Der besondere Kinderfilm”, deren Ziel es ist, Originalstoffe für Kinder- und Familienfilme zu verwirklichen, die nicht auf einer Marke oder einer Buchvorlage basieren und für das Kino produziert werden. Dazu gibt es folgende Aussage eines Produzenten:

„Das war ein Lernprozess, man bekommt ein Gespür dafür, welche Themen eingereicht werden. Da denkt man manchmal, Kindheit in Deutschland muss fürchterlich sein; vieles dreht sich um Krankheit, Tod, Drogen. Und man sehnt sich nach einem humorvollen Ansatz. (…) Wir suchten nach einem Stoff, der ein breiteres Publikum anspricht, ich überlegte, was sind implizite Marken? Mädchen und Pferde? Schon durchgeritten. Jungs und Fußball? Auch schon gesehen. Aber Mädchen, Ballett, Tanzen, das wurde in Deutschland als Stoff so noch nicht versucht.“

Produzent Philipp Budweg über die Entstehung einer ersten Idee und seine Erfahrungen in der Jury zu “Der besondere Kinderfilm”

Die Produzenten hatten die Idee zum Film bereits vor einigen Jahren, als sie auf der Berlinale die Jugendbuchautorin Vera Kissel getroffen haben. Sie erzählte im Groben eine ähnliche Geschichte. Es dauerte danach nicht mehr lange, bis ein Treatment und ein erstes Drehbuch entworfen wurden. Später stieg Autor und Drehbuchautor Stefan Westerwelle Boot und die Idee war nun entgültig geboren. Ein Visionär, der auf seine ganz eigene Art eine Geschichte erzählt. Ist es mehr Mainstream als Arthouse? Wenn man sich komplett auf den Film einlässt, dann wird man vielleicht eine gesunde Mischung aus beiden erleben.

Fazit: Zu Beginn kommt ein leichtes Gefühl von Black Swan auf. Denn dieser Film handelte von Ballet und verpasste eher das breite Publikum, da es sich nicht unbedingt um Mainstream handelte. Allerdings ist die Dramatik etwas vergleichbar, die es auch in Into the Beat bis zum Schluss gibt. Aber auch Leidenschaft gibt es reichlich, die ein wenig an Slumdog Millionär (2008) erinnert. Und das Lebensgefühl aus Sing Street (2016) schwimmt ebenfalls mit. Zwar fehlt „Into the Beat“ stellenweise der Tiefgang, doch mit seiner Leidenschaft und deren Charakteren erlebt man dennoch ein tolles Abenteuer, welches man zumindest einmal gesehen haben sollte.


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Quelle Titelbild: © Wild Bunch Germany

YouTube-Channel des Films

Ein etwas älterer Artikel, der genau zum Thema passt


 


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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