Originaltitel: Békeidõ
Produktionsland: Ungarn

Darsteller:
Orsolya Török-Illyés: Kinga, Szabolcs Hajdu: Attila, Lilla Sárosdi: Angéla, Domokos Szabó: Ajtony, Nóra Földeáki: Erzsébet, Magdó Pálfi: Johanna
 u.v.a.
Produzenten: Szabolcs Hajdu, Jim Stark, Orsolya Török-Illyés
Regie und Drehbuch: Szabolcs Hajdu

Genre: Drama
FSK: unbekannt
Länge: 92 Min.

Produktionsfirma: Asociatia Filmtett
 
Filmstart (Ungarn):
23. April (Internet)
Filmstart (Dtl.): 08. Dezember (FFC, Internet)

Bestandteil des 30. Filmfestival Cottbus
FestivalSektion: Wettbewerb Spielfilm



Ein Episodenfilm, der aktueller nicht sein könnte. Hier wird man Zeuge vom inneren als auch äußeren Zerfall der Budapester Gesellschaft. Studenten protestieren auf den Straßen und in engeren Gassen kommt es zu zwielichten Handlungen. Menschliche Dramen oder gar Tragödien spielen sich hier ab, die sich teilweise von der guten Sitte entfernen. Doch es ist nicht nur ein Film, sondern auch ein Dokument, was wirklich auf den Budapester Straßen passiert…

Eine surreale Herangehensweise

Es mutet fast schon ironisch an, dass der Film im Englischen Treasure City heißt. Der ungarische Titel heißt so viel wie Friedenszeit. Allgegenwertig ist dies noch lange nicht, aber vielleicht ein besonderer Wunsch des Regisseurs zu deuten. Wenn die freie Interpretation schon im Titel aufgegriffen wird, dann haben wir es wahrlich mit einem interessanten Dokument zu tun.

Von Surrealismus werden wir schon ziemlich lange begleitet. Zu Beginn, also in den 1920er Jahren verstand sich dies als geistige Bewegung, die sich als Lebenshaltung und Lebenskunst gegen traditionelle Werte äußerte. In der heutigen Zeit wird das in der Regel bei der Kunst, Literatur und dem Medium Film angewandt. So auch dieser Film, der es versteht dies in Licht und Farben umzusetzen. Dabei entstehen visuelle Traumelemente, die den Zuschauer in eine Art Trance fallen lassen. Fast hypnotisch geriet man in einem leichten Dämmerzustand. So surreal die Elemente im Film erscheinen, so realer sind die gezeigten Situationen und Stimmungen Ungarn. In den letzten Jahren driftete dies mehr und mehr ins Düstere ab. Dies  zeigt sich u.a. mit aggressiven Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen. Besonders aggressiv wird es oftmals erst, wenn die Ordnungsmacht eingreift. Es sind Intellektuelle, die hier an sich für eine gute Sache aktiv sind, aber als großer Feind gesehen werden. Bei Homosexuellen und dunkelhäutigen Menschen ist das leider nicht anders. Es ist eine Wirkung, der man nicht einfach ausweichen kann. Alles Gezeigte im Film ist ist in Budapest allgegenwertig. Deshalb konnten auch einige Szenen nicht dort gedreht werden. Es sind die politischen Gründe, die dies verhindert haben. Die Ereignisse im Film sind zu 90% in Wirklichkeit so passiert.

Crew bestand aus Studenten

Dieser Fakt lieh dem Film ein authentisches Merkmal und ließ so viele kreative Ideen einfließen. Professionelle Schauspieler holte man erst später dazu. Der Mann, der im Film den Theaterregisseur spielt, bekleidet diese Position auch im wirklichen Leben. Auch seine Frau hat am Anfang des Films einen Auftritt. Sie ist in der Szene im Blumenladen zu sehen. Zu erwähnen sei auch, dass das Projekt nicht vom Staat finanziert wurde, sondern viel mehr Unterstüzung aus dem Ausland kam. U.a. sicherte die Schweiz finanzielle Mittel ab. Ursprünglich war der Film als Bildungsprojekt und nicht für das gedacht. Laut des Regisseurs ist der Film ein Verarbeitungsprozess. Die Szenen des öffentlichen Lebens sind frei assoziiert. Hajdus bisherige Filme wiesen keine politischen Züge auf. Um so mehr ist dieser Film eine ganz besondere Arbeit, der durchaus dazu taugt für Aufklärung zu sorgen.

Fazit: Allein deswegen muss dieser Film eigentlich viel mehr Reichweite erfahren, damit die Zustände in Budapest in den öffentlichen Fokus geraten. Die aufgegriffenen Themen sind von gesellschaftlicher Interesse und dürfen nicht ignoriert werden. Die Zustände in Budapest halten schon viel zu lange an und haben sicher einige Menschen nicht nur mental zerstört. Da alles im alltäglichen Leben noch immer so präsent ist, kann man es einfach nicht ausblenden. Deshalb ist in diesem Filmdrama nichts überzeichnet oder übertrieben dargestellt. Es ist die unbarmherzige Wahrheit, die dort geschildert wird.

Anmerkung: Für so ein weitreichendes Thema ist diese Kritik eigentlich zu kurz, aber dafür hoffentlich prägnant genug, um trotzdem etwas auszusagen. Wer trotzdem eine gute Quelle nutzen möchte, dem kann ich diesen recht langen aber ausführlichen Bericht ans Herz legen, der aufzeigt, was eigentlich seit Jahren in Ungarn falsch läuft.

Danksagung: Ich bedanke mich besonders beim Regisseur Szabolcs Hajdu, der sich getraut hat, diese Umstände ins Filmische umzusetzen und uns Zuschauern zur Verfügung zu stellen. Man kann nur inständig hoffen, dass es dieser Film 2021 in die Kinos schafft, damit noch viel mehr Menschen erfahren, was in Ungarn los ist.


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Bildquelle Titelbild: © 30th Filmfestival Cottbus / © Latokep Production


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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