Originaltitel: Elvis
Produktionsland: USA

Darsteller:
Austin Butler: Elvis, Tom Hanks: Colonel Tom Parker, Olivia DeJonge: Priscilla, Helen Thomson: Gladys, Richard Roxburgh: Vernon, Kelvin Harrison Jr.: B.B. King, David Wenham: Hank Snow, Chaydon Jay: Young Elvis u.v.a.
Drehbuch:
Baz Luhrmann, Sam Bromell, Craig Pearce, Jeremy Doner (screenplay)
Baz Luhrmann, Jeremy Doner (story)
Regie: Buz Luhrmann

Genre: Drama, Biopic
FSK: 12
Länge: 159 Min.

Produktionsfirma: Warner Bros.
Verleiher: Warner Bros. Pictures Germany

Filmstart in den USA: 24. Juni 2022
Filmstart in Dtl.: 23. Juni 2022


Als ich ein Junge war, sah ich mich immer als den Helden in Comic-Büchern und Filmen. Ich wuchs auf im Glauben an diesen Traum. Nun habe ich ihn erlebt. Mehr kann sich ein Mensch nicht wünschen.“

Elvis Presley
©Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) / Warner Home Video

Elvis, eine Faszination, die mich seit Jahren nicht mehr loszulassen scheint. Es war der Sommer 1997, als ich zum Elvis-Fan wurde. Und es vergingen tatsächlich 25 Jahre, bis eine kinoreife Biografie über den King erschien. Ich war ziemlich geflasht, als es den ersten Trailer zu „ELVIS“ zu sehen gab. Und und berichte ich euch, ob der Film die Erwartungen für mich erfüllen konnte.

Der blonde Junge aus Mississippi

Kurze, aber einprägsame Performance: Chaydon Jay als jugendlicher Elvis. ©Warner Bros.

Und eben jenes Kind kam aus ärmlichen Verhältnissen. Der Vater wurde eines Tages wegen Scheckbetrugs verhaftet und musste ins Gefängnis. Aber der kleine Elvis setzte sich zum Ziel, seinen Vater wie ein Superheld zu retten. Schön, wie man seine Begeisterung für Comics visuell veranschaulicht hat. Auch seine Begeisterung für Gospel war schon in den ersten Minuten zu spüren. Dies wurde noch verstärkt, als er sich mit schwarzen Kindern aus der Gegend anfreundete. Wer glaubt, man würde hier nur Musik von Elvis hören, wird sich getäuscht sehen. Egal ob B.B. King, Little Richard, Arthur Crudup oder Mahalia Jackson. In diesem Film erlebt ihr die Popkultur der 1950er Jahre auch über den Tellerrand.

In der Anfangsphase des Biopics sieht man ein großes Zelt, wo ein großer Gospelchor aktiv ist. Der kleine Elvis schleicht unter das Zelt durch und macht einfach mit. Nun kommt die Story richtig in Fahrt, wo wir exzessiv erleben, gegen welche Widerstände Elvis in den ersten Jahren seiner Karriere zu kämpfen hatte. Die Anspannung vor den Auftritten ist genauso glaubhaft dargelegt, wie die Ekstase der weiblichen Fans, die ihm während des Auftritts die Kleider vom Körper rissen. Aber der King wusste zunächst nicht, warum die Mädchen so ausflippten. Es lag an seinem wilden Hüftschwung und heftigen Bewegungen. Aber dies sollte ihm schon bald großen Ärger einbringen.

Entenschwanz und Koteletten als Frisur und ein rosafarbender Anzug gehörten zu Elvis‘ Outfits der 1950er Jahre. ©Warner Bros.

Der Rassentrennung zum Trotz

Nicht nur in Amerika ein stetiges Problem. Aber gerade dort bekommt man seit rund 200 Jahren die Probleme nicht in den Griff, alle Menschen gleichwertig zu behandeln. Und dann kam dieser Junge aus Tupelo, der wie ein Schwarzer sang und sich der Leidenschaft nach auch so bewegte. Es wurde ihm im Laufe der Zeit verboten sich so wild zu bewegen. Das Fernsehen filmte ihn nur noch von der Hüfte aufwärts. Doch Elvis lässt sich davon nicht aufhalten und bleibt sich weiterhin treu. Mit fatalen Folgen…

Elvis und BB King schätzten sich nicht nur auf musikalischer Ebene. ©Warner Bros.

Ein Auftritt mit ausufernden Bewegungen wird ihm zum Verhängnis und er wird von der Polizei einkassiert. Es scheint fast so, als müsse er für sein „Lebensgefühl Musik“ Rechenschaft ablegen. Es ist die Politik, die kein gutes Haar an Presley lässt, und ihn auch dafür kritisiert, dass er wie ein Schwarzer singt. Doch das eigentliche Problem ist tief in Amerika, welches sich Rassentrennung nennt, verwurzelt. Elvis war gern in den schwarzen Vierteln unterwegs und verehrte Künstler wie BB King oder Mahalia Jackson. Letztgenannte Persönlichkeit erwähnt er sogar in der zu Lebzeiten entstandenen Musikdokumentation That’s The Way It Is (1970). Und auch hier im Biopic wird ihr Zeit und Poesie der besonderen Art eingeräumt. Noch mehr Screentime erhält die Freundschaft zu BB King, die hier ihren belegbaren Beweis zu Tage bringt. Sie tauschten sich sicher nicht nur über Musik aus. Doch die Presse ging mit beiden Akteuren nicht immer gut um und schlachtete jeden noch so kleinen Schnappschuß aus. Als Elvis bei einem seiner Auftritte auf Political Correctness verzichtete und die Musik wie gewohnt fühlte, kam er mit dem Gesetz in Behührung, wobei ihn eine Haftstrafe drohte.

Aber dieses Biopic geht noch etwas tiefer in die Persönlichkeit von Elvis hinein. Es wird gezeigt, dass er sich sehr für Politik interessiert hat und stets die Interessen von Martin Luther King verfolgt hat. Eben solcher war ein Pastor, der u.a. für soziale Gerechtigkeit eintrat und im Jahr 1968 in Memphis, Tennessee erschossen wurde. Wie Elvis darauf reagierte, wurde eindringlich eingefangen. Regisseur Baz Luhrmann wusste also sehr genau, was er in seinen Hauptdarsteller gefunden hatte:

„Ich hatte von Austin Butler durch seine herausragende Rolle an der Seite von Denzel Washington in „The Iceman“ am Broadway gehört, und nach ausgiebigen Probeaufnahmen und Musik- und Performance-Workshops wusste ich eindeutig, dass ich jemanden gefunden hatte, der den Geist einer der ikonischsten Musikfiguren der Welt verkörpern konnte.“

Baz Luhrmann über Austin Butler

Enge Bindung zur Mutter Gladys

Der Haftstrafe konnte er nur entgehen, wenn er seinen Wehrdienst in Deutschland absolviert. Für zwei Jahre wäre er von Zuhause weg. Ein Horror für die Mutter, die zusehens in dieser Phase dem Alkohol verfällt. Die Abwesenheit ihres Sohnes macht ihr sehr zu schaffen. Auch Elvis hat eine enge Bindung zu ihr, was der Film intensiv und feinfühlig aufbereitet. Letztendlich ist es auch Darsteller Austin Butler, der dem Geschehen eine ganz besonderes Feeling gibt. Allerdings wird sein Dienst bei Armee zu sehr ausgespart. Auch die Begegnung mit Pricilla, welche er später heiratet, kommt schon fast beiläufig daher. Auch hier arbeitet man feinfühlig in die Beziehung hinein und man versteht die Beweggründe von Pricilla, bzw. warum sie jene Entscheidungen getroffen hat, die sie vielleicht auch letztendlich treffen musste, um sich und die gemeinsame Tochter Lisa Marie zu schützen. Dass Olivia DeJonge eine mehr als sehenswerte Performance abgeliefert hat, sollte man an dieser Stelle ztwingend erwähnen. Dass Es sind die menschlichen Abgründe, die hier schonungslos thematisiert werden. Die Tablettenabhängigkeit von Elvis ist im Verlauf ein zentrales Thema. Allerdings geht man auf seine letzten drei Lebensjahre etwas ein. Jedoch bekommt man viel Zwischenmenschlichkeit und auch Poesie geboten, die vielleicht auch für sich einige Fragen in den Raum stellt. Der Mensch Elvis bekommt dadurch für den Zuschauer einen nachvollziehbaren Aspekt.

Elvis (Austin Butler) wieder als er selbst beim 68 Comeback Special. ©Warner Bros.

Die Abgründe der zwischenmenschlichen Basis habe ich bereits grob angerissen. Im Bezug auf Colonel Tom Parker und seiner Beziehung zu Elvis gab es Höhen und Tiefen, die gut im Film eingearbeitet sind. Er zeigt uns einen Parker, der keine saubere Vergangenheit hat und Menschen negativ beeinflussen kann. Dies tat er auch mit Elvis und zog daraus großen Profit. Zwar stand der große Erfolg zu Buche, aber zeigte auch einen unzufriedenden Elvis, der sehr gerne noch so viel mehr als Künstler erreicht hätte. Sehnsüchte, verpasste Chancen und der Sinn des Lebens zeigen den King menschlicher denn je. Wäre es nach dem Colonel gegangen, dann wäre das 68 Comeback Special eine reine Weihnachtsveranstaltung geworden, in der Elvis mit Weihnachtspullover auf dem Schlitten sitzt und dementsprechend festliche Lieder singt. Doch zum Glück kam alles anders und bringt auch die komödiantische Komponente hervor. Man beachte dabei die zeitgenössischen Referenzen der Popkultur in den späten 1960er Jahren.

Die Musik als besondere Kunst

Elvis allein für sich ist schon eine andere Art Kunst. Kein Anderer hat die Popkultur so sehr geprägt, wie er es einst tat. Kein Biopic der Welt kann die gesamte Bandbreite jener Künstler in einen Film packen. Doch Baz Luhrmann hat dahingehend eine ganz gute Mischung erreicht und lässt uns intensiv die Anfangsjahre des Kings erleben. Songs wie „That’s All Right“, „Heartbreak Hotel“, „Tutti Frutti“ oder „Fever“ werden so wieder erlebbar und kommen in einem außergewöhnlichen Sound daher. Zwar nimmt sich der Film dahingehend einige musikalische Freiheiten, bleibt aber insgesamt noch im künstlerisch wertvollen Sektor. Und damit nicht genug. Auch Elvis-Darsteller Austin Butler sang vier Songs selbst. Das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen. In den Hörgenuss kommen wir bei „Baby Lets Play House“, „Hound Dog“, „Trouble“ und „Vegas Rehearsal/That’s All Right“. Bei letzterem Song geht Butler ab wie eine Rakete, so wie es Elvis einst selbst tat. Das Jahr 1970 war eines seiner größten Höhepunkte. Der Film bringt dies mehr als eindrucksvoll zur Geltung. Es ist so gut, dass man für phenomenal oder mitreißend neue Superlativen erfinden müsste. Was leider etwas außen vor bleibt, ist die Karriere in Hollywood. Okay, sie war in den meisten Fällen nicht von Vielseitigkeit geprägt, brachte aber dennoch einige Werke hervor, in denen sich Elvis als Schauspieler beweisen konnte. U.a. tat er dies in Jailhouse Rock (1957), King Creole (1958), Flaming Star (1960) oder Change of Habit (1969). Dass er irgendwann von den seichten und billigen Komödien die Nase voll hatte, wird jedoch intensiver thematisiert und zeigt, welche Interessen Elvis dahingehend noch gerne ausgelebt hätte.

Kommen wir nun zu den technischen Aspekten des Films, die in besonderer Weise im Bezug auf die Kamera und dem Schnitt sehr gut punktet. Die große Stärke des Films sind die Nahaufnahmen und dessen Blickwinkel aus verschiedenen Position, die insbesondere dann sehr zum tragen kommen, wenn es dramatisch wird oder zwischenmenschlich knistert. Auch die Bewegungen von Hauptdarsteller A. Butler, die nicht nur authentisch und leidenschaftlich gespielt wurden, leben von ihrer Exzessivität, die Elvis so sehr liebte, wenn er in seinem Bühnenelement war. Kamerafrau Mandy Walker setzt uns mit ihrer Arbeit in eine Zeit zurück, die nicht nur historisch geprägt war, sondern uns auch spüren lässt, was die Menschen damals gefühlt haben. Es war auch eine Generation, die sich ungern im popkulturellen Aspekten etwas vorschreiben ließen. Der Schnitt von Jonathan Redmond und Matt Villa bringt die Dramatik nur noch mehr zum Ausdruck. Nun ein kleines Trivia am Rande. In den Konzertjahren werden wir Zeuge von der Splitscreen-Technik, die uns mehrere Szenen in einem Moment zeigen. Dies ist nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern auch historisch korrekt. In Elvis On Tour (1972) kam diese Technik zum Einsatz, wobei Regisseur Martin Scorsese sich als Montage Supervisor beim damaligen Konzertfilm verantwortlich zeigte.

Visionäre unter sich: Elvis (Austin Butler) und Colonel Tom Parker (Tom Hanks). ©Warner Bros.

Fazit: Mit „ELVIS“ haben wir es mit einem Biopic zu tun, welches von seiner Kunst lebt, die Elvis selbst zelebrierte. Dabei seien nur mal seine Jumpsuits und die goldbesetzten Ringe genannt, die er stets in den 1970er Jahren getragen hat. Besonders in seiner Visualität und der Musik von Elvis spricht der Film eine deutliche Sprache, die zusammen mit dem Schnitt und den Kameraeinstellungen eine außergewöhnliche Wirkung erzielen. Inmitten dieser Aspekte werden wir Zeuge von den zwischenmenschlichen Abgründen, die in der von Colonel Tom ausgingen. Tom Hanks leistet einmal mehr eine Glanzleistung in einer Charakterdarstellung ab. Zu kurz kommt die Zeit bei der Armee und die Phase, als Mitarbeiter von Elvis helfen wollten, dass er wieder gesund wird. Eben solche wurden kurz darauf gefeuert, was der Film in keiner Sekunde thematisiert. Dennoch liefert Buz Luhrmann ein sehr rundes Biopic ab, welches mit einer gewissen Verspieltheit daherkommt, ohne dabei die nötige Ernsthaftigkeit zu verlieren. Wir erleben Elvis sowohl als Entertainer, aber auch als einen Menschen, der viele Sehnsüchte als unerfüllt ansieht und damit eng mit Poesie in Verbindung steht. Ein musikalisches Gedicht, welches man sich unbedingt mal ansehen sollte. Doch das letzte Wort soll Priscilla haben, die wie keine andere Persönlichkeit Elvis am besten kannte.

„Austin Butler, der Elvis spielte, ist hervorragend. Nach der Hälfte des Films sahen Jerry und ich uns an und sagten WOW!!! Großes Lob an ihn. Er wusste, dass er in große Fußstapfen treten musste. Ich habe ein paar Tage gebraucht, um die Emotionen zu überwinden, wie es bei Lisa der Fall war. Wunderbar gemacht, Baz, Tom, Austin und Olivia.“

Priscilla Presley


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Bildquelle Headerbild: ©Warner Bros.
Quelle der Zitate, bis auf das von Elvis selbst: DEADLINE – Das Filmmagazin


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

Ein Gedanke zu “Elvis [2022] oder einfach eine kunstvolle Biografie

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