Originaltitel: Titanic
Produktionsland: USA

Darsteller:
Clifton Webb: Richard Ward Sturges, Barbara Stanwyck: Julia Sturges, Robert Wagner: Gifford Rogers, Audrey Dalton: Annette Sturges, Thelma Ritter: Maude Young u.v.a.
Drehbuch:
Charles Brackett & Walter Reisch, Richard L. Breen, A.E. Housman (Dichtung, ungenannt) Buch „A Shropshire Lad“
Regie:
Jean Negulesco

Genre: Drama
FSK: 16
Länge: 98 Min.

Produktionsfirma: Twentieth Century Fox
Verleiher: 20th Century Fox Home Entertainment

Premiere in den USA: 11. April 1953
Filmstart in Dtl.: 21. August 1953 (Westdeutschland)
Start der Blu-ray:
30. März 2012


Julia Sturges (Barbara Stanwyck) führt eine Ehe, die mehr schlecht als recht ist. Deshalb möchte sie sich von ihrem Mann lossagen. Deshalb bucht sie eine Reise auf der Titanic, um nach Amerika zu fahren. Ihre beiden Kinder Annette und Norman nimmt sie natürlich mit. Doch noch ahnt sie nicht, dass ihr Mann Richard (Clifton Webb) sich bereits auf den Weg gemacht hat, um ihr zu folgen. Allerdings braucht er noch Ticket für die Reise, welche natürlich sehr begehrt sind.

Starker Fokus liegt auf die fiktiven Figuren

Die Titanic steht nicht wirklich im Vordergrund. Viel mehr wurde sie als aufbauende Geschichte für die Familie Sturges verwendet. Die Mutter Julia reist mit ihren beiden Kindern alleine nach Amerika und treten dabei die Reise mit der Titanic an. Doch ihr Mann Richard (Clifton Webb) ist nicht an ihrer Seite. Dieser konnte ihr unbemerkt folgen und kauft einem Emmigrantenpärchen ein Ticket ab. Schon bald begegnen sie sich auf dem Schiff und die Atmosphäre zwischen ist ziemlich abgekühlt. Jedoch sind die Kinder von Vaters Anwesenheit begeistert. Dennoch trägt das vermeintliche Paar vergangene Twistigkeiten aus und zeigt die unterschiedlichen Ansichten beider Beteiligten. Julia möchte vehement in einem bescheidenen Umfeld leben und auch ihre Kinder bzw. Norman (Harper Carter), der noch minderjährig ist, dementsprechend so erziehen. U.a. soll er nicht mehr zur Schule fahren, sondern wie alle seine Mitschüler dort laufen. Dem Vater sind Eitelkeiten und ein feiner Zwirn wichtiger. Viel lieber möchte er Norman nach seinen eigenen Werten erziehen, auch wenn es noch so eingebildet erscheint. Der soziale hohe Status soll bestehen bleiben. Und da ist ihm jedes Mittel recht. So sehr der Familienvater auf die elegante Klasse baut, so tut es auch der Film selbst, der mehr die Oberschicht als die dritte Klasse behandelt. Zwar bekommen wir auch einen Eindruck aus dem Zwischendeck geboten, jedoch bleibt eben solcher nur oberflächlich behandelt.

Ganz stark im Vordergrund: Der Wohlstand aus der 1. Klasse des Schiffes. ©20th Century Fox

Die Dramatik beim Untergang war bei den Zwischendeckpassagieren nicht weniger hoch als bei der ersten oder zweiten Klasse. Aber Regisseur Negulesco zog es vor, fast ausschließlich die erste Klasse zu behandelt. Der Klassenunterschied zwischen den Schichten blieb außen vor und finden auch beim Untergang kaum Beachtung. So oberflächlich die angesprochenen Aspekte sein mögen, desto stärker brachten sie die beiden Hauptcharaktere Stanwyck und Webb ein. Dazu sei zu erwähnen, dass sie von einem brillant geschriebenen Drehbuch profitieren. Walter Reisch, der 1938 aus Deutschland geflohen war, schrieb gemeinsam mit Charles Brackett und Richard L. Breen daran. Herausgekommen ist eine Familientragödie, die als Mittelpunkt ins Geschehen gesetzt wurde und die Titanic lediglich als Hintergrund dafür genutzt wurde. Im Verlauf der Handlung wird beides miteinander verknüpft und findet schlussendlich seinen Höhepunkt. Trotz der hohen Fiktion des Films strahlen deren Charaktere Feinfühligkeit aus runden dies mit ergreifenden Emotionen ab. Zu gefallen weiß auch Thelma Ritter als Maude Young, die das Geschehen mit ihren witzigen Dialogen aufpeppt. Darüber hinaus nimmt man sie als geradlinige Dame wahr. Ihre Figur ist an die „Unsinkbare Molly Brown“ angelehnt. Der damals 22-jährige Robert Wagner spielte den Tennisspieler Gifford und sticht mit seiner Naivität und Unbekümmertheit aus. Im weiteren Verlauf erfährt diese Figur eine Weiterentwicklung. Mehr Dramatik bringt Richard Basehart ins Geschehen, der einen entlassenen Priester spielt. Nur leider kommt eben solcher nicht völlig zur Entfaltung, weil sein Charakter nicht ausreichend behandelt wird. Es wäre interessant gewesen mehr über diese Figur zu erfahren. Aber leider bleibt vieles im Dunklen. Viel mehr Szenen hat Brian Aherne als Captain Smith auch nicht. Aber auch er kann in den wenigen Szenen überzeugen und bringt eine tiefsinnige Feinfühligkeit keit in die Rolle.

Der Untergang wird nur rund 30 Minuten behandelt

Wie bereits beschrieben steht die Fiktion sehr stark im Vordergrund und lässt die Titanic zum Mittel des zwecks werden. Nur eine halbe Stunde bleibt für den Untergang des Schiffes. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass der Bug bei der Kollision mit dem Eisberg auf der falschen Seite aufgerissen wurde. Dennoch brachte Negulesco die Spezialeffekte gut ein und ließ sie dank der gut durchdachten Kameraarbeit schwer erahnen. Die Fokussierung und Effektivität ist hier das Geheimnis. Für das ausgeklügelte Setdesign gab es eine Oscarnomierung. Die schon genannten Drehbuchautoren konnten den Preis für ihre Geschichte gewinnen. Zwar strotzt das Drehbuch nur so vor Fiktion, schafft es aber die Sentimentalität der Charaktere einzufangen und die entsprechende Dramatik in Szene zu setzen, bzw. schafft es sie effizent zu nutzen.

Hauptdarstellerin Barbara Stanwyck gab damals einen Einblick in die Dreharbeiten und merkte dazu folgendes an:

,,In der Nacht, als wir am zwanzigsten Tag die Szene des sterbenden Schiffes im Außentank drehten, war es bitterkalt. Ich war 47 Fuß in der Luft in einem Rettungsboot schwingt auf den Davits. Das Wasser unten wurde zu einer schweren rollenden Masse bewegt und es war dicht mit anderen Rettungsbooten voller Frauen und Kinder. Ich sah nach unten und dachte: Wenn eines dieser Seile jetzt reißt, ist es auf Wiedersehen für dich. Ich schaute an die Gesichter entlang der Reling – die, die zurückgelassen wurden, um mit dem Schiff zu sterben. Ich dachte an die Männer und Frauen, die dieses Ding in unserer Zeit durchgemacht hatten. Wir schufen eine echte Tragödie nach und ich brach in Tränen aus. Ich zitterte vor heftigem Schluchzen und konnte nicht aufhören.

Sah zumindest von außen hin der echten Titanic sehr ähnlich. Das Modell aus J. Negulescos Film. ©20th Century Fox

Natürlich wurde auch eigens für diesen Film ein Modell angefertigt. Darüber auch die Ocean Liner Sets, die auch in Blondinen bevorzugt (1953) und Gefährliche Überfahrt (1953) Verwendung fanden. Insbesondere zählten dazu: das Esszimmer, die Kabinen, die große Treppe, die Lounge, den Funkraum, das Boots- sowie das Promenadendeck und die Deckstühle. Auch für eine Folge der Sci-Fi-Serie Time Tunnel (1966) konnte man die Kulissen dieses Films erneut bewundern. Die Schiffe der olympischen Klasse hatten keine öffentlichen Räume mit doppelter Höhe. Allerdings stellte es der Film fälschlicher Weise so dar. Alle öffentlichen Räume waren mit einfache Höhe gebaut, um Baukosten zu sparen. Auch die auf dem Filmposter gezeigte Brücke wurde nicht korrekt dargestellt und zeigt viel mehr das Design der RMS Queen Mary.

Von der Kunst zum Film

So erging es Regisseur Jean Negulesco in jungen Jahren. Er war gebürtiger Rumäne und arbeitete in den 1920er Jahren als Kunstmaler in Paris. Noch im gleichen Jahrzehnt ging er nach Hollywood, weil er sich dort erhoffte einige seiner Kunstwerke zu verkaufen. Stattdessen entdeckte er die Filmkunst für sich und konnte schon bald erste Erfahrungen als Set-Designer sammeln. Zum ersten Mal als Regisseur war er 1936 im Drama Crash Donovan aktiv. Hier allerdings als Co-Regisseur. Bis 1944 drehte er viele Kurzfilme. Seinen ersten Spielfilm verwirktliche er mit dem Drama Singapore Woman (1941). Ab 1946 machte er sich einen Namen als Spielfilmregisseur und ließ seine Erfahrungen als Set-Designer stets einfließen. Bis zu seinem Lebensende blieb Negulesco ein Kunstkenner und -sammler.

Und wie es sich gehört, gibt es wieder etwas Trivia. Dies war der letzte Schwarz-Weiß-Film von Jean Negulesco. Doch in seinem Film gab es einige Ungenauigkeiten. Die Schiffe der olympischen Klasse hatten keine öffentlichen Räume mit doppelter Höhe. Allerdings stellte es der Film fälschlicher Weise so dar.

Um die Authentizität zu gewährleisten, rekrutierten die Produzenten des Films einen ehemaligen Kapitän der Queen Elizabeth als technischen Berater. Während des Films wurde keine Hintergrundmusik gespielt. Die einzige Musik, die gehört wurde, war die der Musiker an Bord des Schiffes.

Die Figur von Maude Young, die in diesem Film von Thelma Ritter dargestellt wurde, basierte offensichtlich auf J.J. „Unsinkable Molly“ Brown aus Denver, Colorado. Obwohl die tatsächlichen Namen einiger der anderen Passagiere im Film verwendet wurden, war dies bei Mrs. Brown nicht der Fall. Es wurde vermutet, dass es zwischen 20th Century Fox und dem Brown Estate einen Streit über die Verwendung von Molly Browns Charakter gab. Aus diesem Grund wurde Molly Brown vom Gold-Silber-Bergbau-Vermögen in Denver, Colorado, für diesen Film Maude Young vom Montana-Bergbau.

Fazit: Hier war es das erste Mal, dass sich Hollywood der Titanic annahm. Bis dahin gab es nur Produktionen in Dtl. oder im Vereinigten Königreich. Jean Negulescos Werk konnte mit einem beeindruckenden Setdesign punkten. Das Bootsdeck sah genauso aus wie auf der echten Titanic. Zwar wurden die Räume der 1. Klasse nicht eins zu eins wiedergegeben, jedoch strahlen sie eine gewisse Eleganz aus. Die Story ist in sich schlüssig, ohne sich an echte Fakten zu halten. Die beiden Hauptdarsteller halten die Story lebendig und wissen zu überzeugen. Dennoch ist es kein früher Katastrophenfilm, da er sich zu wenig an wahre Tatsachen hält und sich mehr dem Melodram hingibt.


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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