Originaltitel: Podbrosy
Englischer Titel: Jumpman
Produktionsland: Russland, Irland, Frankreich, Litauen

Darsteller:
Denis Vlasenko:
Denis, Anna Slyu: Oksana / Mother, Pavel Chinarev: unknown name, Vilma Kutaviciute: Advocate, Alexandra Ursulyak: Olga / Judge, Daniil Steklov: Pasha / Policeman u.a.

Produzent: Natalya Mokritskaya
Regie und Drehbuch: Ivan I. Tverdovskiy

Genre: Drama, Thriller
FSK: k.A.
Länge: 90 Min.

Produktionsfirma: New People Film Company, Film and Music Entertainment (IRE)
Verleiher: /

Filmstart (USA): 4. Juli 2018 (Karlovy Vary International Film Festival)
Filmstart (Dtl.): 5. November 2019 (Filmfestival Cottbus)

Bestandteil des 28. Filmfestival Cottbus

FestivalSektion: Spectrum



Denis ist ein geworfenes Kind in die Babyklappe, ins Waisenheim und schließlich als Jugendlicher vor teuren Autos. Nur Letzteres tut er aus freien Stücken, aber wer weiß schon, wie im geldgierig-korrupten Freibeuter-Russland Entscheidungen und Urteile wirklich gefällt werden. Körperbetont, über die Schmerzgrenze hinaus.

Jungdarsteller Denis Vlasenko debütiert in einer außergewöhnlichen Rolle

Der Sinn des Lebens scheint hier gänzlich vergessen worden zu sein. Denis (Denis Vlasenko) ist ein Mensch, der in der Vergangenheit geworfen wurde: nämlich in die Babyklappe, ins Waisenheim und schließlich vor teuren Autos. Nur Letzteres tut er freiwillig, aber wer weiß schon, wie im geldgierig-korrupten Freibeuter-Russland Entscheidungen und Urteile wirklich gefällt werden. Dem Körper wird hier alles abverlangt und geht über die Schmerzgrenze hinaus. Oder man spürt keine Schmerzen, weil man wie in Denis’ Fall an einer seltenen Krankheit namens des Marsili-Syndroms leidet, die eine Form der angeborenen Analgesie darstellt. Zu erwähnen ist, dass die Berührungsempfindlichkeit erhalten bleibt. Der Mensch mit dem Marsili-Syndrom trägt also auch ohne Schmerzen Wunden mit sich, nur mit dem Unterschied, dass ein gesunder Mensch diese Wunden schmerzlich spüren kann. Zuvor tauchte seine Mutter (Anna Slyu) nach vielen Jahren wieder auf, um ihren Sohn zu sich zu nehmen. Doch steckt hier wirklich Mutter-Kind-Liebe dahinter? Wenn man nach so langer Zeit in Erscheinung tritt, hat man entweder was zu verbergen oder echte Schuldgefühle, die man längst nicht mehr gutmachen kann. Wie wird Denis oder sein Umfeld reagieren? Einfach so wegwischen und verzeihen lässt sich eine solche Tat mit Sicherheit nicht.

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Nicht nur in der Geschichte, sondern auch im visuellen Aspekt düster. Denis Vlasenko in Jumpman © Film and Music Entertainment (IRE)

Spätestens hier ist man an einem Punkt angelangt, wo die Situation gesellschaftskritisch hinterfragt wird und sich im weiteren Verlauf zuspitzt. Denis scheint alles zunächst sehr abgezockt abzukönnen, was im Laufe der Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Nach außen hin scheint er unverwundbar zu sein, aber im Inneren hat die Zerrissenheit dafür gesorgt, dass Denis plötzlich Zweifel an dem hat, was er da tut. Außerdem gelangte er dank seiner Mutter zu plötzlichem Reichtum. Nach eigener Aussage war dem Regisseur während des Drehs nicht direkt bewusst, dass er hier eine Referenz zu Heldenfilmen geschaffen hatte. Anschließend wurde der Heldenaspekt für die fortlaufende Produktion beibehalten. Wenn man es genauer betrachtet, ist Denis eine Art umgekehrter Superheld. Dennoch besitzt er eine Eigenschaft, mit der er sich von anderen deutlich abhebt. Doch nichts hält ewig an.

Düster in seiner Beschaffenheit, …

… was u.a. in Form von Denis‘ Vorstellungskraft deutlich wird, zeigt, dass er doch zerbrechlicher sein könnte als zunächst angenommen. Dass sich sein Körper in überspitzter Form auflöst, ist zwar ein gewagtes, aber eindeutiges stilistisches Mittel, welches seine Wirkung nicht verfehlt und eine gewisse Reue des Protagonisten zeigen könnte. Denn die gibt es in Zeiten der moralischen und politischen Krise. Regisseur Tverdovskiy griff hier zu allegorischen Formen, behielt aber den realistischen Touch bei und achtete stets auf den sozialen Aspekt, der über die gesamte Zeit als notwendig eingestuft wurde. Dass er nie Dialoge schreibt, sei mal so am Rande erwähnt. Die Vorbereitung auf den Film dauerte vier Jahre. In dieser Zeit wurde eine Kunst geschaffen, die etwas Besonderes ausdrücken soll. Zu beachten seien dabei die beleuchteten Long-Take-Sequenzen, die Kameramann Denis Alarcon-Ramirez wunderschön umgesetzt hat.

Kann es eine späte und vor allem gute Zukunft für Mutter und Sohn geben? © Film and Music Entertainment (IRE)

Auch 2019 bei Veranstaltungen im Programm

U.a. wird das Filmfestival Cottbus (FFC) als Gast bei der 7. Langen Nacht der Festivals in Berlin in Erscheinung treten. Regisseur Ivan I. Tverdovskiy holte sich beim Cottbuser Filmfestival 2018 den Spezialpreis für die Beste Regie ab, was mir verdient erscheint, wenn man bedenkt, was er allein schon an Zeit in das Projekt investiert hat. Und vor einem Jahr war er in Cottbus längst kein Unbekannter mehr. Denn einige Jahre zuvor konnte er beim dortigen Festival bereits zweimal Preise mit nach Hause nehmen. Dies war bei seinen Filmen Lenas Klasse (2014) und Zoologie (2016) der Fall, wo er jeweils den Hauptpreis für den Besten Film ergatterte.

Fazit: Jumpman ist Reality-Kino und Härtetest-Parabel zugleich. Bemerkenswert dabei sind die Kameraeinstellungen, die einen gelungenen, aber auch einen verstörenden Rhythmus ausstrahlen. Der Film ist anders als andere Filme, beruht lose auf einer wahren Begebenheit und ist ein eigenständiger Film, der versteckte Inspirationen des Regisseurs in sich trägt. Dazu kommt die beeindruckende Spielweise des Hauptdarstellers, der man sich nicht entgehen lassen sollte.


Meine Wertung:
5Sterne

Eure Wertung:


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Als DVD/Blu-ray oder Stream ist der Film leider nicht erhältlich. Es ist nur möglich sich ihn frei in russischer Originalsprache auf cda.pl und YouTube anzusehen. Bei letzterem kann man in den Einstellungen diverse Sprachen als Untertitel erzeugen lassen.

Veranstaltungstipp: Der Film lief im Rahmen der 7. Langen Nacht der Filmfestivals. Weitere Information zum Termin am 24. August 2019 erhaltet ihr direkt über diesen Link.


Social Media und Links zum Film


facebook:
Jumpman-Podbrosy

instagram:
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tverdovskiy
vlasenkodenic


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3 Gedanken zu “Jumpman [2018] – oder die Erzählung eines Jungen mit seltenen Fähigkeiten

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