Originaltitel: The Prodigy
Produktionsland: USA

Regie: Nicholas McCarthy
Drehbuch/Ausführender Produzent:
Jeff Buhler
Darsteller:
Taylor Schilling: Sarah Blume, Jackson Robert Scott: Miles Blume, Colm Feore: Arthur Jacobson, Peter Mooney: John Blume, Paul Fauteau: Edward Scarka uva.

FSK: 16
Länge: 92 Min.
Produktionsfirma: Orion Pictures, Vinson Films
Verleiher: Splendid Film

Filmstart in den USA: 07. Februar 2018
Filmstart in Dtl.: 08. Februar 2018


Das beunruhigende Verhalten von Sarahs (Taylor Schilling) Sohn Miles (Jackson Robert Scott) deutet darauf hin, dass eine bestimmte Kraft von ihm Besitz ergriffen hat. Sarah muss nun eine Entscheidung treffen, um ihren Sohn bestmöglich helfen zu können. Doch auch die Ergründung der Ursache des Ganzen wird noch eine Rolle spielen…


Score von Beginn an wie ein Sog

Eine Wirkung, die für so einen Film diesen Genres durchaus wichtig ist. Nicht umsonst holte man sich mit Joseph Bishara einen erfahrenen Komponisten an Bord, der bereits für The Convent (2000), der ebenfalls dem Horrorgenre zuzuordnen ist, die Musik komponierte. U.a. hatte er auch bei den Franchise-Werken von Insidious und Conjuring mitgewirkt. Und bei letztgenannten Film wird man buchstäblich durch den Score in den Bann gezogen. So auch bei The Prodigy, wo die Handlung mitten in der Nacht ansetzt und ein alter Mann von einem SWAT-Team erschossen wird. Just in diesem Moment, wo er stirbt, wird zur selben Sekunde ein Kind in einem Krankenhaus geboren. Zu dieser Zeit hatte Bisharas Score bereits eingesetzt, der diesen als Herausforderung auf ungewöhnliche Weise einschätzt:

„Viel hat mit Zuhören zu tun“ Weiter fügt er an: „Die Inspiration kann ein Wort sein, eine Farbe. Dann beginne ich es zu hören, und je mehr ich mich zurücknehme und jede Beeinflussung unterlasse, desto klarer formt sich die erste Saat heraus.“

Doch es ist eine bestimmte Basis, die solch ein Film begleiten soll. Hier entschied man sich für Streicher, bestehend aus Violinen, einem Cello und einem Bass. Eine passende Ergänzung gab es dabei durch ein und einer Klarinette.

„Das war der Sound für mich“, sagte Bishara, „das war es, was ich hörte. Als erstes Stück schrieb ich dann ein Wiegenlied, das in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. Auch hierüber fand ich einen Zugang zum Score.“

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Kann Sarah (Taylor Schilling) ihrer Mutterrolle gerecht werden? © 2018 Orion Releasing LLC. All Rights

Für Jackson Robert Scott als Miles ist dieses Genre kein Neuland. Schon in It (2017) konnte er sein Können in wenigen Szenen unter Beweis stellen. Nun schöpfte er sein Potenzial als Hauptdarsteller in The Prodigy aus und zog damit entgültig die Aufmerksamkeit auf sich. Zunächst erweckt er den Anschein ein sehr intelligentes, aber auch verschlossenes Kind zu sein. Mit zunehmender Spieldauer scheint etwas Besitz von ihm ergriffen zu haben und er zeigt plötzlich zwei Persönlichkeiten. Dies spielt er so intelligent und abgeklärt, dass er sich von den erwachsenen Darstellern deutlich abhebt und zur düsteren Atmosphäre deutlich beiträgt. Taylor Schilling als Miles seine Mutter wirkt dem als einzige Darstellerin ebenbürtig und spielt den Mutterinstinkt abgeklärt und bringt die Ängste gegenüber ihren Sohn sehr gut rüber. Je länger der Film dauert, desto deutlicher tun sich psychologische Abgründe zwischen Mutter und Sohn auf und schaffen es mit ihrer packenden Spielweise das etwas zu dürftig umgesetzte Drehbuch aufzufangen.

Drehbuchautor sorgt für dichte Story

Mit 92 Min. ist der Film recht kurz gehalten und konzentriert sich fast ausschließlich mit der Erzählung von Sarah und Miles. So geschieht es, dass andere Charaktere im Film eher weniger beachtet werden. Erst mit fortschreitender Spieldauer sind andere Protagonisten mehr involviert und schaffen es gleichzeitig den Spannungsbogen höher zu spannen, was dem Höhepunkt des Films sehr zu gute kommt. Denn nicht alles, was später passiert, wird man so erwarten. Einen großen Pluspunkt erhält die Inszenierung an sich. Explizit bedeutet dies, dass man sich für Schreckmomente sehr viel Zeit gelassen hat, um den Zuschauer entsprechend mitzunehmen. Da dies aus einer sehr nahen Perspektive geschieht, bleibt das gesehene umso einprägsamer haften. Dabei seien nur mal die Kellerszenen erwähnt, die es in sich haben. Im weiteren Verlauf wird man auch Hinweise entdecken, die eine tiefere Bedeutung besitzen. Doch was das gute Drehbuch  hergibt, schöpfte Regisseur Nicholas McCarthy nicht völlig aus. Zwar kommt gegen Ende hin ein guter Spannungsbogen auf, doch einige Szenen wirken sehr gehetzt und muten fast schon Szenen aus einem Road-Movie an. Die Geschichte von Miles wurde zu Beginn gut aufgebaut und erzählt. Kommt aber einen Tick zu früh auf dem Punkt, so dass in der Erzählweise die Konstanz fehlt und es etwas unausgewogen wirkt. Dennoch macht Regisseur McCarthy einiges richtig, was Joseph Bishara passend angemerkt hat.

„Was ich an McCarthy so schätze, ist seine Fähigkeit, einen sehr ernsten, dunklen Film zu inszenieren, in dessen Mittelpunkt ein Kind steht. Es kommt nicht allzu oft vor, dass Kinder *so* abgründig dargestellt werden.“

Fazit: The Prodigy ist kein hochkarätiger Horrorfilm, weil er in der späteren Erzählung zu unausgewogen wird. Mit ca. zehn Minuten längerer Spieldauer hätte man durchaus mehr rausholen können und es wäre alles bedeutend runder gewesen. Dafür punktet er mit dem Spannungsaufbau zu Beginn des Films und seinen beeindruckend aufspielenden Hauptdarsteller in Person von Taylor Schilling als Sarah Blume und Jackson Robert Scott als Miles Blume. Auch der Score von Joseph Bishara kommt sehr geradlinig daher und lässt genau die richtige Stimmung aufkommen. Wer dieses Genre liebt, wird nur schwer an diesem Film vorbeikommen. Trotz seiner Schwächen in der Erzählung unterhält er gut und weiß auch mit seiner Inszenierung an zu beeindrucken.


Titelbild © 2018 Orion Releasing LLC. All Rights

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