DJ
Für einen kurzen Trailer der Serie auf das Bild klicken. ©Apple TV+

8 Episoden in 1 Staffel(n)

Produktionsjahre: 2020

Sender: Apple TV+

Genre: Drama, Thriller

FSK: 12

Erstausstrahlung: 24. April 2020
Letzte Folge: 29. Mai 2020


Idee und Drehbuch: Mark Bomback
Regie: Morten Tyldum

Cast:

Chris Evans: Andy Barber 8 episodes, 2020
Michelle Dockery: Laurie Barber 8 episodes, 2020
Jaeden Martell: Jacob Barber 8 episodes, 2020
Cherry Jones: Joanna Klein 8 episodes, 2020
Pablo Schreiber: Neal Loguidice 8 episodes, 2020
Betty Gabriel: Pam Duffy 8 episodes, 2020
Sakina Jaffrey: Lynn Canavan 8 episodes, 2020
u.v.a.

Theme Song: Ólafur Arnalds
Musik in der Serie: Atli Örvarsson


1. Das Messer (Pilot)
Staffel 1, Folge 1 (45 Min.)

Andy Barber (Chris Evans) hat alles was man sich nur vorstellen kann. Einen Beruf als stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Newton, Massachusetts und eine liebe Familie zuhause. Dazu gehören seine Frau Laurie, die Leiterin eines Kinderheim ist und Sohn Jacob (Jaeden Martell), der noch zur Schule geht. Doch eines Tages wird ein Schüler tod aufgefunden und Andy muss zum Tatort. Bei der Leiche handelt es sich um Jacobs Mitschüler Ben Rifkin.

Als Einstieg lernt man zunächst die Familie Barber und Jacobs Umfeld in der Schule näher kennen. Man wird Zeuge, wie im trauten Heim der Barbers alles in Ordnung zu sein scheint. Doch dann wird die Leiche eines Jungen im Wald gefunden und die Spannung nimmt trastisch zu. Besonders gefällt mir an dieser Pilotfolge, dass man zunächst einen Eindruck von der Idylle der Familie Barber bekommt und dann durch den Mordfall eine gewisse Aufregung herscht. Die Spannung steigt weiter und es endet mit einem Cliffhanger zur nächsten Folge.

2. Alles ist cool (Everything Is Cool)
Staffel 1, Folge 2 (45 Min.)

Jacob ist ins Visier der Ermittlungen geraten. So muss sein Vater Andy den Fall abgeben. Nun übernimmt sein größter Konkurrent Neal den Fall. Es dauert auch nicht lange, bis das Haus der Barbers von der Polizei durchsucht wird. Darüber hinaus wird Jacob vorläufig festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt.

Spannend geht es weiter und man erfährt, dass Andy zu seinem Konkurrenten Neal nicht das beste Arbeitsverhältnis pflegt. Da Andy den Fall abgeben musste, scheint nun Neal alle Trümpfe in der Hand zu haben. Aber spielt er ein faires Spiel? Indes ist Andy fest von Jacobs Unschuld überzeugt und tut alles dafür, dass sein Schützling nicht noch weiter ins Visier der Ermittlungen geriet. Auch Andys Frau Laurie ist tief bgestürzt über die Vorfälle und man erhält erste Einblicke in das Seelenleben der Familie.

3. Pokerfaces (Poker Faces)
Staffel 1, Folge 3 (52 Min.)

Andy möchte die bestmögliche Verteidigung für seinen Sohn und schenkt das Vertrauen der Anwältin Joanna Klein. Nach der ersten Anhörung darf Jacob gegen Kaution das Gefängnis verlassen. Jedoch hat sich inzwischen rumgesprochen, dass er zu den Tatverdächtigen zählt. Freunde wenden sich ab und in der Öffentlichkeit werden die Barbers schief angesehen. Kurz darauf fällt Laurie aus allen Wolken, als sie beurlaubt wird.

Die Lage beginnt sich weiter zuzuspitzen, als die Barbers von Vandalismus betroffen sind und Laurie zunächst beurlaubt wird. Auch eine Entlassung scheint nicht unwahrscheinlich zu sein. Doch dann scheint es eine Kehrtwende zu geben, als sich eine von Jacobs Mitschülerin zur Aussage meldet. Damit entwickelt die Geschichte eine weitere Dynamik, was ihr für den weiteren Verlauf zu Gute kommt.

4. Schadensbegrenzung (Damage Control)
Staffel 1, Folge 4 (48 Min.)

Andy hat sich heimlich die Akte zu Leonard Patz besorgt. Es ist bekannt, dass er sich an Jugendlichen sexuell vergangen hat. Dessen letztes Opfer war Matt, den Andy umgehend aufsucht. Doch der Junge ist nicht gewillt zu kooperieren. Auch Jacob handelt trotz Anweisungen anders als erwartet. Zum Leidwesen seiner Eltern erstellt er sich einen neuen Instagram-Account. Auch an Laurie geht die Situation nicht spurlos vorbei und belügt Andy, um ihre soziale Isolation zu bekämpfen.

In dieser Folge wird deutlich, dass alle Familienmitglieder der Barbers unter Social Distancing leiden und trotzdem etwas tun, was nicht gerade für Wohlergehen sorgt. Es scheint eine Zerreisprobe für alle Fronten zu werden. Zum allen Überfluss wird auch noch ein DNA-Sample von Andys Vater gebraucht, der schon seit vielen Jahren im Knast einsitzt. Damit ist auch entgültig der Grundstein dafür gelegt, wie Andy zu seinem Vater steht. Und der hat seine ganz eigene Art, sich gegenüber Andy auszudrücken.

5. Besucher (Visitors)
Staffel 1, Folge 5 (48 Min.)

In Jacobs Schule wird die alljährliche Abschlussfeier abgehalten, in der der  tote Ben gedacht wird. Unterdessen sucht Andy seinen Vater im Gefängnis auf. Doch ein vielversprechendes Ergebnis scheint zunächst nicht in Sicht zu sein. Desweiteren fängt es zwischen Laurie und Andy richtig an zu kriseln, als er erfährt, dass die Journalistin den Artikel public gemacht hat und Andy als Einzelgänger darstellt. Als Laurie im Supermarkt einkaufen möchte, wird sie von Bens Mutter unsittlich behandelt.

Es tun sich immer mehr Abgründe auf und Andy als auch Laurie werden auf unterschiedliche Weise seelisch angegriffen. Was aber besonders bemerkenswert ist, dass man etwas aus Jacobs Vergangenheit bzw. seiner möglichen Verhaltensweisen erfährt.

6. Wunschdenken (Wishful Thinking)
Staffel 1, Folge 6 (46 Min.)

Die Anwältin der Barbers, Joanna Klein, hat die Erlaubnis bekommen Beweismittel zu untersuchen. Doch bevor sie damit beginnen, treffen sie davor auf Andys Kollegen Neal, der nichts besseres zu tun hat als Andy zu provozieren. Leider lässt sich Letzterer zu Handgreiflichkeiten hinreißen. Die Anklage ist darüber im Bilde, dass Andys Vater als Mörder im Gefängnis einsitzt und leider wird es noch groß und breit in der Presse ausgeschlachtet. Inzwischen weiß Joanna Bescheid, dass Jacob sich einen neuen Instagram-Account angelegt und eine Montage von sich mit einer Axt in der Hand erstellt hat. Dazu ist folgender Spruch zu lesen: „Was die Leute von mir denken“.

In dieser Folge steht auch wieder Leonard Patz im Zentrum des Geschehens, da es jemanden gibt, der gegen ihn aussagt und mehr Einblicke in dessen Verhalten offen gelegt wird. Aber auch Jacobs Empathiefähigkeit spielt eine große Rolle.

7. Job (Job)
Staffel 1, Folge 7 (53 Min.)

Die Verhandlungen vor Gericht kommen nun richtig in Fahrt und die Anklage als auch Verteidigung schildern ihre Sicht des Falls. Jedoch macht Neal einige Fehler und setzt sich über die Anweisungen des Richters hinweg. Außerdem werden Laurie und Andy von einem Unbekannten verfolgt. Bald stellt sich heraus, dass diese Person als Krimineller und Schläger unterwegs ist. Unterdessen wird während einer Aussage bekannt, dass Jacob von Ben gemobbt wurde. Außerdem hat sich Jacob nach dessen Tod hämisch über ihn im Internet geäußert. Ist damit der Fall also klar?

Die vorletzte Folge dieser Staffel arbeitet auf den Höhepunkt hin und zieht besonders hier den Spannungsbogen extrem weit, was in einem Cliffhanger endet, der nicht spannender sein könnte. Ein intensiver Abschluss scheint also bevorzustehen.

8. Danach (After)
Staffel 1, Folge 8 (65 Min.)

Da die Handlung gleich zu Beginn extrem spoilert, lasse ich für diese Folge die nähere Beschreibung außen vor und gehe stattdessen sofort auf die Eindrücke des Finales ein. Im wahrsten Sinne des Wortes überschlagen sich die Ereignisse und es scheint nichts so zu sein, wie es zunächst aussieht. Die Spannung bleibt bis zum Schluss bestehen und lässt den Zuschauer ein wenig im Dunkeln tappen.


Gesamtkritik zur 1. Staffel

Im Zentrum des Geschehens steht die Familie Barber, die ein idyllischen als auch erfolgreiches Leben in Massachusett, USA führen. Die Eltern im Beruf hoch angesehen und ein Sohn, der etwas zurückhaltend zu sein scheint. Doch dann wird im Wald eine Leiche gefunden und Jacob als Tatverdächtiger festgemacht. Doch war es der Teenager wirklich? Eine Odyssee, die so oder so Folgen haben wird, hat damit begonnen und widmet sich im Verlauf der Staffel verschiedenen Blickwinkeln. So wird die Spannung stets aufrechterhalten und sogar bis zur Spitze getrieben.

Besonders die Haupdarsteller Chris Evans (Captain America: The First Avenger [2011], Knives Out [2019]), Michelle Dockery (Downton Abbey) und Jaeden Martell (The Book of Henry [2017], IT [2017]) liefern ein emotionales Feuerwerk ab, dass man nicht mal im Entferntesten daran denkt sich abzuwenden. Es sind Charakter, mit denen man stets mitfühlt und sowas ist für eine Independent TV-Mini Serie ein sehr großer Pluspunkt. Wenn man so will, verschmelzen die Charaktere mit der tiefgründigen Story. Schonungsloser und realer geht es kaum. Denn es tun sich auch einige Abgründe auf, die einen zum nachdenken anregen bzw. ein Urteil über diesen oder jenen Charakter eventuell revidieren. Auch Nebendarsteller wie Cherry Jones (Jacobs Anwältin) und J.K. Simmons wissen zu gefallen.

Der Plot entspringt der Romanvorlage von William Landay. Das Drehbuch setzte Mark Bomback um, der dies u.a. auch für die Filme Wolverine: Wege des Kriegers (2013) oder Planet der Affen (2014 & 2017) tat. Seine Arbeiten sind von einer gewissen Komplexität geprägt. Und in Defending Jacob ist es auch der Fall. Jedoch entstehen wenige Umgereimheiten, die explizit das Finale betreffen. Aber die Art, wie die Geschichte insgesamt erzählt wird, kann fesselnder nicht sein. Regie führte in allen Folgen Morten Tyldum, der sich bereits in Serien- als auch Filmproduktionen einen Namen gemacht hat. Es war die richtige Entscheidung ihn für das Projekt zu verpflichten. Denn er ist ein Meister der Dramaturgie uns stellte dies in den Serien Counterpart (2017) und Tom Clancy’s Jack Ryan (2018) unter Beweis. Der Film The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (2014) zählt ebenfalls zu seiner Vita. Und blickt man auf den Film zurück, nimmt die Dramaturgie einen besonderen Platz in der Geschichte ein. Und so tat er es auch für Defending Jacob. Von Folge zu Folge wird nicht nur der Fall an sich beleuchtet, sondern zeigt auch Hintergründe der Protagonisten und etabliert eben solche.

Gedreht wurde in den Städten Newton, Belmont, Salem, Walpole, Lowell, Massachusetts, Medford, Worcester und Watertown. Bereits im Opening Theme wird eines dieser Orte aus der Vogelperspektive beleuchtet.  Je weiter sich die Kamera vom Boden entfernt, desto dunkler wird das Szenenbild und zeigt mit diesem stilistischen Mittel auf in welche Richtung es gehen wird. Für die visuellen Perspektiven sorgte Kameramann Jonathan Freeman, der es versteht die Szenerie eindringlich einzufangen. Speziell sollte man dabei auf die Szenen im Gerichtssaal achten. Aber auch die großen Perspektiven kommen super zur Geltung, die einen gewissen Blaustich enthalten und so für eine entsprechend kühle Atmosphäre zu sorgen. Unterlegt wurde dies mit dem Score von Atli Örvarsson, der sich u.a. schon bei den Serienformaten Law & Order True Crime (2017) oder FBI (2018-2019) verantwortlich zeigte. Besonders vielfältig ist die Musik, wenn nachdenkliche Szenen gezeigt werden. Die Emotionen der Charaktere erhielten durch die musikalische Untermalung eine besondere Note und sorgt ansonsten für eine dichte Atmosphäre. Ruhige Klänge bedeuten nicht zwangsläufig Harmonie, sondern können auch Unbehagen andeuten.

Fazit: Der Cast ist nicht nur hochkarätig, sondern hält auch was er verspricht. Ist ein Chris Evans zu einem echten Charakterdarsteller gereift? Auf jeden Fall ja. Und mit dieser Rolle noch mehr. Auch die Vater-Sohn-Beziehung ist ein Thema und wird vom Jungdarsteller Jaeden Martell mitgetragen. In The Book of Henry (2017) konnte er sich bereits mit einer Mutter-Sohn-Beziehung auseinandersetzen. Nun vertieft er es im Hinblick auf den Vater. Kamera, visuelle Effekte und Musik überzeugen ebenfalls in jeglicher Hinsicht und tragen zur atmosphärischen Dichte bei. Auch der Plot hält weitestgehend was er verspricht. Nur in der letzten Folge wird man als Zuschauer etwas allein gelassen bzw. löst sich der Spannungsbogen zu Beginn der letzten Folge zu schnell auf. Zum Ende hin ist man etwas verwirrt, anstatt komplett aufgeklärt. Ob schlussendlich alles Sinn ergibt, könnte eine weitere Staffel klären.
Deshalb gibt es von mir folgende Sternbewertung:

9sterne

 


Defending Jacob ansehen:

Apple TV+

Infos zum Soundtrack

Der Soundtrack auf Spotify


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

3 Gedanken zu “Defending Jacob – Staffel 1 (TV-Mini Series) | Kritik

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