Originaltitel: Batman
Produktionsland: USA

Regie: Tim Burton
Darsteller: Michael Keaton: Bruce Wayne/Batman, Jack Nicholson: Jack Napier/Joker, Kim Basinger: Vicky Vale, Robert Wuhl: Alexander Knox, Michael Gough: Alfred J. Pennyworth

Genre: Action, Abenteuer
FSK: 12
Länge: 126 Min.
Produktionsfirma: Warner Bros.

Filmstart USA: 19 Juni 1989 (Premiere)
Filmstart Dtl.: 26. Oktober 1989 (West Germany)


Die Stadt Gotham City wird von Carl Grisham (Jack Palance) kontrolliert. Dabei ist ihm der Gangster Jack Napier (Jack Nicholson) ein Dorn im Auge. Jener Napier fängt was mit Grishams Freundin Alicia (Jerry Hall) an. Nun ist Grisham fest entschlossen, Jack aus den Weg zu räumen. Doch sein Plan geht nicht ganz auf und bekommt unerwarteten Besuch…

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Batman und seine Methoden sind zunächst sehr umstritten. ©Warner Bros. Pictures Germany

Tim Burton ist ein Regisseur, der sich stets von anderen Kollegen abhebt. Das merkt man insbesondere daran, dass seine Filme recht düster umgesetzt sind. Oder eben einen gewissen düsteren Unterton besitzen. So auch in Batman. Aber hier passt es wie die Faust auf das Auge. Burton setzte den dunklen Helden endlich so um, wie die Fans ihn sehen wollten. Damit wird der quitschbunte und ein wenig lächerliche Batman aus der TV-Serie aus den 1960er-Jahren vergessen gemacht. Wie schon erwähnt ist Burton ein Visionär und kann eine beachtliche Vita vorweisen, welche ihn dazu qualifizierte von Warner Bros. als Regisseur für Batman verpflichtet zu werden.

Als der Vorspann mit den Credits und dem steinernden Batman-Emblem durch ist, befinden wir uns sofort an einem Abend im düsteren Gotham City. Es ist dunkel, unpersönlich und dreckig. Ein Taxi wird einem vor der Nase weggeschnappt und an einer anderen Straßenecke wird man von Prostituierten angesprochen. Dies muss eine dreiköpfige Familie über sich ergehen lassen, die nun beginnen sich in noch dunklere Gassen hineinzubewegen. Schon in diesen ersten Minuten bekommt man den Eindruck, dass man in dieser Stadt wohl nicht seine Zelte aufschlagen sollte. Und genau so stellt man sich Bruce Waynes Heimat vor. Kriminell, korrupt und furchteinflößend.

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Ein Beispiel der besonderen Ausstattung. Die Residenz von Carl Grisham. ©Warner Bros. Pictures Germany

Gotham City war eine Inspiration, die von vielen Einflüssen lebte. U.a. vom deutschen Architekten Albert Speer oder dem japanischen Architekten Shin Takamatsu. Den Löwenanteil an der künstlerischen Gestaltung hatte aber Anton Furst, der seine Visionen auf dem Papier entstehen ließ. Sein Design hatte seine ganz eigene Note, und lässt sich nicht in einer bestimmten Zeit einordnen. Regisseur Tim Burton wollte seinen Film nicht in den 1940er oder 1950er Jahre spielen lassen. Auch 1989 war keine Option für ihn. Viel mehr soll es eine ganz eigene Welt darstellen, was auch wunderbar gelang. Wer den Film Metropolis (1927) kennt, dem wird aufgefallen sein, dass das Szenenbild in einigen Einstellungen von Fritz Langs Sci-Fi-Drama inspiriert worden ist. Auch in Blade Runner (1982) findet man ein paar visuelle Ahnlehnungen. Zu dieser Zeit befand sich Batman bereits in den Planungen. Die Atmosphäre dieser beiden großartigen Blockbuster ließ Tim Burton auch in seinem Film einfließen. Umgesetzt wurde dies dann in den Pinewood Studios in England.

Bob Kane, der Schöpfer von Batman merkte dazu folgendes an:

„Ich bin hier in den Pinewood Studios in England und blicke auf Gotham City, das aus meiner Heimatstadt New York entstand. Als ich in New York City aufwuchs und die Straßen entlanglief, stellte ich mir Gotham so vor, wie ich es bei Pinewood sehe. Jeder Ziegelstein und jedes Gebäude ist hier. Es ist wundervoll.“

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Gibt sich stets zurückhaltend, aber freundlich. Michael Keaton als Bruce Wayne. ©Warner Bros. Pictures Germany

Viele Kritiker haben Michael Keaton damals nicht zugetraut Batman zu spielen. So nach dem Motto: „Der kann doch nur Komödien spielen“ oder „Das ist doch Mr. Mom, der kann kein Batman sein.“ Doch Keaton ließ seine Kritiker verstummen. Er stellte einen düsteren, dunkleren Batman dar, der noch immer die Geschehnisse seiner toten Eltern verarbeiten muss, die bei einem Mord ums Leben kamen, was er selbst hilflos mit ansehen musste. Aber den Playboy, den er als Bruce Wayne mimt, kommt indes nicht wirklich überzeugend rüber. Dieser Part ist Keaton schwer abzunehmen. Aber auch mit diesen Schwächen gibt er insgesamt eine interessante Figur ab und trägt die Unsicherheiten, die er als Bruce Wayne mit sich bringt glaubhaft vor. Darüber hinaus strahlt er eine gewisse Melancholie aus, die seine Figur mitunter verletzlicher erscheinen lässt. Leider hat er aber den Nachteil, nicht ganz im Vordergrund zu stehen. Dies liegt weniger an ihm selbst, aber viel mehr an seinem Gegenpart Jack Nicholson. Wird letzterer sogar zuerst im Vorspann genannt.

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Hat stets gut lachen: Jack Nicholson als Joker. ©Warner Bros. Pictures Germany

Der bereits genannte Nicholson spielt zu Beginn des Films Jack Napier, der später zum Joker wird. Ihm machte diese Rolle sichtlich Spaß, was man ihm während des Films glaubhaft abnimmt. Hat er doch die meiste Gage von allen eingeheimst. Der Joker ist einer der beliebtesten Schurken aus dem Batman-Universum. Und Nicholson wird seiner Rolle auf jeden Fall gerecht. Nicht umsonst gab es beim Golden Globe eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller. Er spielt nicht nur den Joker, sondern zeigt auch Neurosen, wie man sie aus der Psychopathologie kennt. Es sind seelische Störungen, die man grob zwischen Neurosen und Psychosen unterscheidet. Psychosen gehören zu den sehr schweren Krankheiten, welche es mit der Welt bzw. im direkten Umfeld nicht besonders gut meinen. U.a. kann das Verhältnis zu seinen Mitmenschen stark erschüttert als auch starke Veränderungen mit sich bringen. Und Jack Napier verändert sich im Verlauf der Handlung stark, was sich nicht nur äußerlich bemerkbar macht. Zu erkennen ist dies insbesondere an der Diabolik, die er an den Tag legt. Explizit festmachen kann man dies auf sein boshaftes Wesen als auch auf seine makaberen Gemeinheiten.

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Immer bereit Geheimnisse zu entlüften: Reporterin Vicki Vale (Kim Basinger). ©Warner Bros. Pictures Germany

Kim Basinger verkörpert die Reporterin Vicky Vale, die in der Stadt ist, um Batman auf die Spur zu kommen. Dabei setzt sie sich unbewusst Gefahren aus. Erst recht, als sich der Joker in sie verliebt. Basinger könnte der Ruhepol im Film sein. Kreischt dann aber doch eine Idee zu viel, was mit zunehmender Spieldauer leicht die eigenen Nerven strapaziert. Aber mit ihrer Schönheit bringt sie gewaltig viel Glanz in die Sache. Und der Aspekt Vicky Vale möchte die wahre Identität von Batman aufdecken, geht bis in den 1940er Jahren zurück. In der eigenständigen Comicreihe „Batman“, Ausgabe #49 „Die Sensation des Jahrhunderts“ vom Okt. 1948 ist die eifrige Fotoreporterin natürlich auch schon darauf bedacht ergeizig ihre Ziele zu erreichen. Und dazu gehört auch unter Batmans Maske zu blicken. Genau wie im Comic entwickelt sich auch im Film eine Romanze, welche entsprechend mehr Tiefgang einkehren lässt.

Nun folgt ein längeres Zitat von Kim Basinger, welches aus der Dokumentation Shadows of the Bat: The Cinematic Saga of the Dark Knight – The Legend Reborn (2005) entnommen wurde:

„Nachdem ich mit Batman fertig war und Batman herausgekommen war, besuchte ich Kinder, Kinder in Waisenhäusern und in Kinderkrankenhäusern in Amerika. Und ich ging als Vicki Vale dorthin. Sie kannten Kim Basinger nicht, sie kannten Vicki Vale. Einige dieser Kinder waren ganz schockiert und fragten mich: „Wo ist Batman?“ Ganz ernst: „Wo ist Batman?“ Ich sagte: Tja, er steht draußen.“ „Hat er das Batmobil dabei?“ Ich sagte: „Er durfte es nicht hier am Krankenhaus parken.“ Wir hatten also solche ernsthaften Unterhaltungen. Zu diesen sehr kranken Kindern zu kommen, bei ihnen sitzen zu können, mit ihnen und ihren Eltern reden zu können, ihnen ein bisschen Licht bringen zu können, indem ich diese Figur spiele, das war ein ganz besonderes Geschenk für mich, den  Kindern das bieten zu können. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sich das anfühlte.“

Robert Wuhl schlüpfte in die Rolle von Alexander Knox, der als Reporter beim Gotham Globe angestellt ist. Seine Figur ist im Comic nicht existent, sondern wurde extra für den Film erfunden. Als Reporter machte er sich auf, mehr über die Fledermaus zu erfahren und arbeitet darüber hinaus mit Vicky Vale zusammen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine gute Chemie, so dass man meinen könnte, Robert Wuhl wäre in Batmans Rückkehr (1992) erneut dabei. Leider war dem nicht so. Allerdings kam Wuhl noch einmal dazu seine Rolle Alexander Knox zu spielen. Nämlich in der Serie Supergirl (2015), als er in der Folge Crisis on Infinite Earths: Part One Season 5 | Episode 9 einen Cameo-Auftritt absolviert. 1960er Jahre Robin, gespielt von Burd Ward im übrigen auch.

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Ein Bildausschnitt des Storyboards aus dem Jahr 1989 © Warner Bros. Entertainment

Und Robin tauchte tatsächlich in der Grundidee für den Film auf. Es existiert bis heute ein kurzes Storyboard, welches man als Szenenabfolge und Sprachtext bei den Extras von der Blu-ray Special Edition abrufen kann. Dort kommt natürlich auch der Joker vor und wird von Mark Hamill gesprochen, der diesen Part drei Jahre später für Batman – The Animated Series (1992) und für viele weitere animierte Batman-Umsetzungen übernommen hat. Nicht in den Comics zu finden ist der Gansterboss Carl Grissom. Im Film wird er unnachahmlich von Jack Palance dargestellt, der vor keiner Intrige halt macht, nur um an der Spitze der Unterweltbosse zu stehen. Dennoch wurde er aus den Comics inspiriert und geht auf die Figur Rupert Thorne zurück, der ein prominenter Chef der besten Schmuggelbanden aus Gotham City ist. Sein erster Auftritt erfolgte in Detective Comics # 469 (1977).

Danny Elfman und Tim Burton arbeiteten bei Batman bereits zum dritten Mal zusammen. Elfman hatte schon bei den Burton-Filmen Pee-wees irre Abenteuer (1985) und Beetlejuice (1988) für die passenden Klänge gesorgt.   Aber nun übertraf sich der Komponist selbst. Allein das “Batman Theme“ wird man so schnell nicht vergessen. Besonders den eingefleischten Batman-Fans wird dieses Stück besonders gern in Erinnerung bleiben. Gilt es doch für sie als DAS “Batman Theme“.
Prince rundet das Geschehen mit seinen beigesteuerten Songs ab. Ursprünglich sollte Michael Jackson die Songs für den Film entwickeln. Jedoch hatte er schon andere Verpflichtungen und musste absagen. Aber dieser Umstand stellte sich nicht als Nachteil heraus. Prince strotzte nur so vor kreativen Ideen und schrieb jeden Song selbst. Anspieltipps sind die kraftvollen Popsongs „The Future“ oder „Partyman“. Mit der Ballade „The Arms of Orion“ wird ein schönes Duett mit Sheena Easton geboten.

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Nicht nur das Batmobil brachte was ins rollen. ©Warner Bros. Pictures Germany

Festzuhalten bleibt an dieser Stelle, dass Batman was ins rollen gebracht hat und manchmal einfach nur die richtige Strategie zählt, was auch folgendes Zitat zeigt:

„Dass Batman so ein Kassenschlager geworden war, zeigte uns, wie großartig er war und wie schnell er das Geld einspielte. Es war kein Blockbuster über lange Zeit wie „Ghostbusters“ oder „Zurück in die Zukunft“, die ein Jahr lang liefen. Der Film war im Vergleich dazu nur ganz kurz in den Kinos. Das war toll für Warner Bros., denn Geld ist einfach Geld. Wenn kümmert es wie man es verdient? Die Lektion daraus… „BATMAN “ EROBERT ALLES“

Der Film schlägt alle Erfolge an den Kinokassen …nach 5, 6 Jahren war, dass man mit der richtigen Marketingstrategie so viel einspielen konnte, dass es egal war, ob der Film überhaupt gut ist. Man macht an einem Wochenende eine tolle Premiere, noch ein zweites, aber wenn er nach 6 Wochen aus den Kinos draußen ist, ist er bereits ein Hit.“, so Scott Mendelson (Box Office Analyst, Forbes) im Interview für die Dokumentation Batman: The Birth of the Modern Blockbuster (2014)

Was sich daraus ableiten lässt, ist die Tatsache, dass der Film nicht nur den eigenen Franchise ins rollen brachte, sondern auch die Popkultur geprägt hat. Nach Batman hält die Welt in Atem (1966) kam nichts nach. Es dauerte 23 Jahre, bis Batman ernsthaft auf die Leinwand gebracht wurde. Aber die 23 Jahre nach 1989 brachten uns sechs weitere Batman Filme auf die Leinwand. 1989 mögen sich andere Studios vielleicht gefragt haben, wie so ein Erfolg möglich war. Es sollte nicht mehr so lange dauern, bis der Film-Franchise-Bereich richtig in Fahrt kam. Blade oder Matrix prägten noch die 1990er Jahre, bis zu Beginn der 2000er Jahre Helden wie die X-Men oder Spider-Man die Leinwand im Sturm eroberten.

Fazit: Die Handlung ist oberflächlich ausgearbeitet und wenig realistisch, was dem Design des Films keinen Abbruch tut. Gotham City sah in keinem Film runtergekommender aus. Eine Stadt, in der man ständig Angst haben muss, weil an jeder Ecke eine Gefahr zu lauern scheint, was mit den Verbrechen und Korruptionen zu Beginn des Films deutlich dargelegt wird. Tim Burton schenkte uns mit diesem Film einen Batman, der nicht düsterer und spektakulärer sein konnte. Der exzellente Cast tat dazu sein Übriges. Aufwendig inszeniertes Comic-Action-Spektakel, welches in seiner Visualität, orchestrale Musikuntermalung und Spezialeffekte besticht.


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Bildquelle Titelbild und Szenenbilder: ©Warner Bros. Pictures Germany


Quellen:

dc.fandom.com
imdb.com
production-materials-deleted-scene.html


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

6 Gedanken zu “Batman [1989] – Eine revolutionäre Prägung der Popkultur

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