In Erinnerung an Harold Ramis. 21. November 1944, † 24. Februar 2014.

Ghostbusters Filmfranchise
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Originaltitel: Ghostbusters Afterlife
Produktionsland: USA

Darsteller:
 Finn Wolfhard: Trevor, Mckenna Grace: Phoebe, Carrie Coon: Calli, Bill Murray: Dr. Peter Venkman, Dan Aykroyd: Dr. Raymond Stantz, Sigourney Weaver: Dana Barrett, Ernie Hudson: Winston Zeddemore, Annie Potts: Janine Melnitz u.v.a.
Drehbuch:

Gil Kenan & Jason Reitman
Dan Aykroyd & Harold Ramis based on the 1984 film „Ghostbusters“)
Produzenten: Ivan Reitman, Dan Aykroyd, Gil Kenan, Jason Blumenfeld, Michael Beugg, Aaron L. Gilbert, Jason Cloth
Regie: Jason Reitman

Genre: Fantasy, Sci-Fi, Komödie
FSK: 12
Länge: 124 Min.

Produktionsfirma: Columbia Pictures
Verleiher: Sony Pictures Releasing

Filmstart (USA): 8. Okt. 2021 (Premiere)
Filmstart (Dtl. West): 18. Nov. 2021
Start der Blu-ray: 18. Mai 2022


„Ich denke nicht, dass ich darauf vorbereitet war, wie es sich anfühlen würde, wenn die Originalfiguren in ihren Einsatzanzügen am Set erscheinen«, so Jason weiter. »Es ist, als würde man Superhelden sehen und das ist ein ganz besonderes Gefühl, es ist aber auch ziemlich einschüchternd. Und es erinnert auch unmittelbar daran, was so anmaßend an dem war, was wir versuchten: Nämlich einen weiteren Film zu machen, der ein Kapitel dieser größeren Geschichte erzählt. Es ist eine Sache, völlig neue Figuren zu inszenieren, weil man dabei fast sagen kann, dass man eine Art Fan-Fiction macht. Wenn aber Bill (Murray), Ernie (Hudson) und Dan (Aykroyd) in ihren Einsatzanzügen hereinspazieren, wird das Ganze sehr schnell sehr real.“

Regisseur Jason Reitman über das besondere Gefühl des Ghostbusters Franchises.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Familie Spengler, die wegen Geldnot ihr Haus in Chicago aufgeben und in eine andere Gegend ziehen müssen. Die alleinerzeihende Callie (Carrie Coon) ist die Tochter vom verstorbenen Egon Spengler und erbt das Grundstück samt Haus in Summerville, Oklahoma. Doch das Haus birgt einige Geheimnisse und Utensilien in sich…

Tiefgründig geschriebene Figuren

Das neue Zuhause der Spenglers. Wird man sich hier heimisch fühlen? ©Sony Pictures

Eben solche zu entdecken sind Phoebe, der Enkeltochter des Verstorbenen vorbehalten. Gespielt wird sie von Mckenna Grace, die perfekt in diese Rolle passt. Sie sieht nicht nur so aus wie der Großvater, sondern besitzt auch dessen Intellekt und ganz arteigenen Humor. Ohnehin ist es ja erwiesen, dass Kinder mehr von den Erbanlagen der Großeltern als von den Eltern erben. Quasi wird eine Generation übersprungen. Doch die Besetzung mit Mckenna Grace kam vielleicht nicht von ungefähr. Schließlich hat sie schon mal ein Kind gespielt, welches sehr begabt und für Höheres berufen war. Wer sich davon überzeugen möchte, sollte sich mal den Film Gifted (2017) anschauen.

Geht in seiner Rolle als Lehrer auf. Paul Rudd als Grooberson. ©Sony Pictures

Trevor, Phoebes Bruder sucht sich für die Ferien einen Job, damit er seine Mutter finanziell unter die Arme greifen kann. Dabei lernt er das Mädchen Lucky (Celeste O’Connor) kennen, die ebenfalls im Geschäft für Junkfood arbeitet. Sie kommen sich mit der Zeit etwas näher, um gemeinsame Abenteuer zu erleben. Wie kein anderer passt Finn Wolfhard ebenfalls perfekt in seine Rolle des Trevors. Bringt er doch ausreichend Erfahrung aus dem Bereich des Retrostyle der 1980er Jahre. Hier seien u.a. I.T. (2017) und die Serie Stranger Things (2016-heute) genannt. In eben solcher gab es mal eine Anspielung auf die Ghostbusters. Aber auch sonst ist diese Rolle interessant geschrieben. Wie oft ist Trevor noch mal durch die Fahrprüfung geflogen? 😉 Natürlich möchte man als Teenager viel ausprobieren und neigt schon mal dazu was Verbotenes zu tun. Aber was dieser Figur definitiv zugute kommt, wie sie sich für andere Mitmenschen einsetzt bzw. auch unterstützt.

Eine spontane Zeichnung meinerseits, die einen Teil des Schulalltags der 1990er Jahre zeigt. So wurde tatsächlich Ghostbusters (1984) in der Schule und Kindheit geschaut. 😉

Callie ist natürlich mit dem Umzug und den Verlust des Vaters aus allen Wolken gefallen und möchte irgendwie den Alltag meistern. Aber auch die Vergangenheit und die Beziehung zu ihrem Vater lässt sie noch nicht so richtig los. Zwar schienen beide nicht gerade die beste Beziehung zu pflegen, aber irgendwie scheint dort etwas zu sein, was alles doch in ein anderes Licht stellen könnte. Und auch hier ist man mit der Rolle der Mutter vertraut und man fühlt sofort mit ihr, weil ihr Rollenprofil erstens aus dem wahren Leben gegriffen ist, und zweitens spielt Carrie Coon (u.a. bekannt als Proxima Midnight aus Avengers: Infinity War) ihre Rolle so eindringlich, dass sofort mit ihr fühlt. Auch die Chemie und Zusammenspiel mit Paul Rudd als Lehrer Grooberson hat sehr viel Mehrwert aufzuweisen. Man kennt Rudd aus romantischen Komödien oder eben als Ant-Man, wo er meistens etwas verrückte Rollen mit Herz spielte. Auch hier kann er sein Komödiantisches zeigen. Hält sich aber doch mit dem Humor etwas zurück und schafft somit eine optimale Ausgewogenheit, was seine Figurenzeichnung betrifft. Als Lehrer, der in den Sommerferien u.a. auch Phoebe unterrichet und dabei stilprägende Filme aus den 1980er Jahren zeigt dürfte definitiv bei Nostalgiker für den ein oder anderen Schmunzler sorgen. Eben solche Filme zeigt er auf VHS-Kassette und Röhrenfernseher. Aber auch die Beziehung und Zusammenspiel zu Phoebe wurde clever gelöst. Man achte hierbei auf Phoebes Augenzwinkern.

Regisseur Reitman mit besonderer Erfahrung

Jason kommt ganz nach Papa Ivan. So schaute er damals seinen Vater beim Dreh der ersten beiden Filme über die Schulter und hatte im zweiten Film einen Gastauftritt, was der Figur Ray Stantz nicht so geschmeckt haben wird. Der Sohn sammelte dann später weitreichende Erfahrungen als Regisseur und entwickelte ein Faible für „Coming-of-Age Storys“ und realisierte solche themenbezogenen Filme wie Juno (2007) oder #Zeitgeist (2014). Auch für Afterlife ist eben eine solche Story zu finden und mit dem entsprechenden Feingefühl ausgearbeitet worden. Dies betrifft natürlich auch den gesamten Film und alles was darin enthalten ist. Und J. Reitman hat sich noch um so viel mehr gekümmert. Für die Musik war Rob Simonsen zuständig, der tiefgründigen Score u.a. für Ganz weit hinten (2013) und Love, Simon (2018) entwickelte. Wer genau darauf achtet, wird Versatzstücke aus Elmer Bernsteins Score aus den alten Ghostbusters-Filmen entdecken. Schön, dass man auch hier auf das gewisse Gefühl acht gegeben hat.

Der wohl größte Auftritt im Film: Der stets treue Ecto-1. ©Sony Pictures

Um Spoiler zu vermeiden werde ich jetzt nicht tiefer darauf eingehen, sondern nur darlegen, dass die Mischung aus Nostalgie und Moderne eine besonderes stilistisches Mittel gefunden hat. Der Handlungsort wurde von New York nach Summerville verlegt. Und spiegelt den Kontrast von Großstadt zu ländlicher Einöde perfekt wider. Stadtkinder wie Phoebe und Trevor wollen so eine Gegend am liebsten meiden. Aber wie sie dann doch versuchen das beste daraus zu machen ist schön anzuschauen. Obwohl die Handlung auf dem Land stattfindet, wird man viele Referenzen zum Film aus dem Jahr 1984 finden. Man sollte auch genau darauf achten, wenn das Handschuhfach von Ecto-1 aufgeht. Alle kennen dieses Gefährt als Dienstfahrzeug der Ghostbusters, welches natürlich sehr in die Jahre gekommen ist. Aber gerade deswegen war es für den ersten Teasertrailer mehr als perfekt. Eben auch, weil ich beim ansehen sofort nostalgische Gedanken hatte. Begleitet wurde dies von ein paar Tränchen. 😉 Wie dem auch sei, der Film versprüht seinen Charme durch die Detailverliebtheit der Vergangenheit und die Spielweise des Emsembles als solches. Was die Effekte betrifft konnte man natürlich mehr herausholen als in den 1980er Jahren, da man jetzt über die technischen Mittel verfügt und eben solche sehr gut ausgereift sind. Ein Austoben beim animieren der Geister konnte somit ausgerschöpft werden und der Zuschauer hat seinen Spaß daran.

Fazit: Ghostbusters Afterlife oder hierzulande als Ghostbusters Legacy betitelt, ist ein Spaß für die ganze Familie. Charaktere groß als auch klein geben sich völlig ihren Rollen hin und nehmen die Zuschauer mit auf eine wilde Fahrt. Es ist eine Mischung aus Nostalgie und der heutigen Zeit, was besonders den Fans von einst begeistern wird. Der Ton des Films wurde perfekt getroffen und enthält ein paar rührende Momente, die das Kind von einst in einem hervorrufen. Schließlich haben wir die Geisterjäger als Kind geliebt und tun es mit diesem Film vielleicht noch mehr. Mit ein bisschen Glück gelingt es die heutige Generation mitzunehmen. Ein fast perfekter Film, der lange Vertrautes liebevoll im Film verankert hat, aber leider keinen neuen Antagonisten zu bieten hat, was der einzige kleine Wehrmutstropfen ist. Als Entschädigung ist noch genug Platz Emotionalitäten. Treffen wird es hierbei ganz besonders die Fans von damals. Also Taschentücher nicht vergessen einzupacken. Doch wer bis nach dem Abspann sitzen bleibt, wird noch mal belohnt. Getreu dem Satz der Kinomitarbeiterin: ,,Sie machen es richtig“. Sofort wusste ich, was gemeint war.

Anm.: Dieses Kinoerlebnis war ein ganz Besonderes und zeigte mal wieder, was das Kino an sich ausmacht. Drei Reihen vor mir sah sich eine Mutter mit ihrem Kind den Film an. Und das Kind schaute oft zu mir nach hinten. Über die Gründe dafür kann man nur mutmaßen. 😉 Vielleicht wollte es nur sehen, wie ich den Film wahrnehme oder war selbst vielleicht nur neugierig auf andere Mitmenschen. Aber die Konversation mit einem Pärchen mittleren Alters nach dem Film sorgte für ebenso Mehrwert und man tauschte sich kurz über heute und damals aus. Auch durch sowas kann sich der Charme eines Jugendstilkinos deutlich machen. Gerne mal wieder.


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Ich habe mit Marco über den Film gesprochen, so dass ich euch diese Audio anbieten kann. Viel Spaß beim hören.

Inhaber des Titelbilds und Szenenbildern: © Sony Pictures Releasing


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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