In Erinnerung an Andrew Jack. 28. Jan. 1944, † 31. März 2020.
Von Keith Stern – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15735202

Originaltitel: The Batman
Produktionsland: USA

Darsteller:
Robert Pattinson: Bruce Wayne / The Batman, Zoë Kravitz: Selina Kyle, Jeffrey Wright: Lt. James Gordon, Colin Farrell: Oz / The Penguin, Paul Dano: The Riddler, John Turturro: Carmine Falcone, Andy Serkis: Alfred, Peter Sarsgaard: District Attorney Gil Colson u.v.a.

Drehbuch: Matt Reeves & Peter Craig
Buchvorlage: Bill Finger & Bob Kane (DC Comics)
Regie: Matt Reeves

Genre: Thriller, Drama, Mystery
FSK: 12
Länge: 175 Min.

Produktionsfirma: Warner Bros.
Verleiher: Warner Bros. Pictures Germany

Filmstart in den USA: 04. März 2022
Filmstart in Dtl.: 03. März 2022


„Es ist eine wirklich, wirklich ungewöhnliche Batman-Geschichte. Er fühlt sich seltsam persönlich an. Ich denke, die Leute werden ziemlich schockiert sein, wie anders er ist“

Batman-Darsteller Robert Pattinson über seine Erfahrung Batman zu spielen.

Zwei Jahre sind bereits vergangen, seit Bruce Wayne als Batman in der verregneten Stadt Gotham City für Ordnung sorgt und die Kleinkriminellen in Angst und Schrecken versetzt. Doch eines Tages scheinen Korruptionen aus der Vergangenheit ans Tageslicht zu treten, als eine geheimnisvolle Mordserie mit versteckten Botschaften beginnt.

Neuinterpretation und Klassisches zugleich

Agiert nicht nur aus dem Schatten heraus, sondern auch in direkter Konfrontation: Robert Pattinson als Batman. © Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Doch zunächst einmal zur Darbietung Pattinson als dunklen Ritter, der Inspiration vom verstorbenen Sänger Kurt Cobain aufweist. Wir haben ihn in den bisherigen Filmen als Bruce Wayne den schillernden Playboy erlebt. Doch Matt Reeves‘ Version geht eine erfrischend eigene Richtung, indem er Wayne auch in der Öffentlichtkeit als zurückgezogenes Individuum zeigt, der sich ungern die Wayne-Manschettenknöpfe anlegt. Darüber hinaus sieht er nicht wie der gepflegte Millionär, sondern wie ein geplagter Mittelstandsbürger aus, der es vermeidet sonderlich viel zu reden. Er wirkt zurückgezogener und verletzlicher denn je und seine persönliche Tragödie ist um so greifbarer und er selbst viel mehr als Eigenprödler zu erleben. Allerdings sieht man Bruce Wayne nur in wenigen Abschnitten. Auch gemeinsame Szenen mit Alfred kommen hierbei etwas zu kurz. Erst im späteren Verlauf ist eine intensive Szene zwischen beiden Protagonisten zu erleben. Mit Andy Serkis ist der treue Butler prominent besetzt und wartet mit einer soliden Performance auf. Allerdings kommt er in seinen Szenen auch etwas zu kurz. Viele von euch werden ihn aus der Hobbit– als auch Herr der Ringe-Reihe kennen, als er das Bewegungsmodell für den Gollum war.

Positiv veranschaulicht ist hingegen, dass ein Spiegelbbild von Bruce Wayne immer allgegenwertig ist und in Form seiner Widersacher erkennbar ist. Batman hat wenige Verbündete. Zu eben solchen zählt Jim Gordon (Jeffrey Wright), die gemeinsam versuchen die Rätsel zu lösen. Auffällig dabei ist die Referenz zu einem Thriller der 1990er Jahre, nämlich Seven (1997), wo ein Ermittler schon einige Jahre, dargestellt von Morgan Freeman, im Dienst ist und einen unerfahrenen Partner an seiner Seite hat, der gerne mal etwas brutaler zur Sache geht. Aber hierbei nimmt man auch indirekt Bezug zum Animationsfilm Batman: Year One (2011), als Batman im Voice-over sich selbst beschreibend äußert. So gnadenlos wie er agiert, findet er auch mal Ruhepasen und einen besonderen Beschützerinstinkt, als er Selina Kyle a.k.a. Catwoman kennenlernt und sie vor größeren Gefahren bewahren möchte. Doch sie weiß sich durchaus zu helfen und glänzt mit reichlich Schlagfertigkeit, wie man es nun Mal von Catwoman gewohnt ist. Eine gut interpretierte Spielweise von Zoë Kravitz, die dazu eine interessante Chemie zu Robert Pattinson hat.

„I liked the idea of the car itself as a horror figure, making an animalistic appearance to really scare the hell out of the people Batman’s pursuing. There is absolutely a horror-genre aspect to this movie.“

„Mir gefiel die Idee, dass das Auto selbst eine Horrorfigur ist, die eine animalische Erscheinung abgibt, um die Leute, die Batman verfolgt, wirklich zu Tode zu erschrecken. Dieser Film hat absolut einen Horror-Genre-Aspekt.“

Regisseur Matt Reeves über die Gestaltung des Batmobils

Ein Schurke, wie man ihn noch nie gesehen hat

Paul Dano als kompromissloser Riddler. © Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Die Figur des Riddlers hat schon mal einen großen Vorteil. Man kann ihn nicht mit früheren Interpretationen vergleichen. Jim Carrey mit einem grünen Strampler mit Fragezeichen ist genauso wenig ernstzunehmen wie seine Performance in Batman Forever. Sprich, wir haben noch keine realistische Darbietung auf der Kinoleinwand gesehen. Cory Michael Smith in der TV-Serie Gotham (2014-2019) bildet da die große Ausnahme. Aber mit Paul Dano in der Rolle ging man noch einen Schritt weiter. Man lernt ihn als Individuum kennen und erfährt mehr über seine Vergangenheit. Er hat Beweggründe für das, was er tut und sieht sich dabei als Gerechtigkeitsfanatiker. Er sagt es nicht nur, sondern handelt auch danach und zeigt es uns Zuschauern mitunter sehr intensiv. Er ist ein Einzelgänger und zieht sich in seiner runtergekommenen Wohnung zurück, um seinen Plan zu vollenden.

Dabei offenbart er Gegensätze und was in der Vergangenheit womöglich vernachlässigt worden ist. Batmans Schurken haben in Filmen immer viel Screentime bzw. eine Hintergrundgeschichte bekommen. Dano tritt hingegen etwas weniger in Erscheinung, ist in seiner Handlungsweise aber um so intensiver. Seine Methoden erinnern stark an den Zodiac-Killer, der jedoch nie geschnappt worden ist und seine Botschaften an Lokalzeitungen und diversen Medien gesandt hat. Dies tut der Riddler auch, der genau wie der Killer, seine Botschaften verschlüsselt. Leichte Referenzen gibt es hier auch auf die Saw-Filmreihe. Insgesamt gesehen wurde hier der Antagonist tiefsinnig und nachvollziehbar geschrieben und exzellent von Paul Dano performt. Der Riddler ist unfähig sich körperlich zu behaupten. Dafür ist seine Intelligenz umso ausgeprägter, was ihn gleichzeitig zu einem sehr gefährlichen und schwer zu durchschaubaren Killer macht. Kriminell anderer Art ist der Pinguin, der wie gewohnt seinen kleineren und größeren Geschäfte nachgeht. Doch ist er selbst im laufenden Fall involviert, bzw. hat er etwas zu verbergen? Definitiv werden hier mafiaähnliche Strukturen veranschaulicht. Auch bei diesem Aspekt ließ man sich inspirieren, was auf Francis Ford Coppolas Der Pate (1972) zurückzuführen ist. Colin Farells Pinguin ähneln stark der Figur des Fredo. Farells Make-up ist dazu sehr beeindruckend und er selbst nicht zu erkennen. Er nutzte dies aus, indem er zu Starbucks ging und sich etwas bestellt hat. Blicke waren ihm sicher, aber keiner erkannte ihn.

In einer langen Drehphase geschehen…

Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright) und Batman (Robert Pattinson) wollen den Fall lösen. © Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

…Dinge, die man am liebsten vermeiden möchte. Bekanntermaßen geht Jeffrey Wright sehr akribisch an die Arbeit, was die Ausgestaltung seiner Rollen betrifft. Doch hier ging er über die Schmerzgrenze hinaus und tat es dieses Mal unfreiwillig. Die Folge ist ein Meniskusriss, den er sich während des Drehs zugezogen hatte und in der darauffolgenden einen auf Humpelbein machen musste. Zoe Kravitz ging es dabei ähnlich, die nach einem Drehtag Zuhause angekommen war und die Treppe hinunterstürzte. Bis auf eine Narbe auf dem Rücken passierte zum Glück nichts Schlimmeres. Aber auch Riddler-Darsteller Paul Dano tat viel für seine Interpretation. Dies war so intensiv, dass er mit schlaflosen Nächten zu kämpfen hatte. Geschildert hatt er dies folgendermaßen.

„Es gibt eine Sequenz mit Peter Sarsgaards Figur [Gothams Bezirksstaatsanwalt Gil Colson]. Das war intensiv. Es gab einige Nächte, in denen ich wahrscheinlich nicht so gut geschlafen habe, wie ich es mir gewünscht hätte, weil es ein bisschen schwierig war, von dieser Figur herunterzukommen. Es braucht viel Energie, um dorthin zu gelangen. Und deshalb musst du es aufrechterhalten, wenn du dort bist, weil das Hin und Her ziemlich hart ist.“

Intensiv waren nicht nur die Darbietungen der Darsteller an sich, sondern auch die Kameraarbeit von Greig Fraser. Er visualisiert Bilder, wie schon bei Dune (2021) oder Rogue One: A Star Wars Story (2016) sowie der TV-Serie The Mandalorian (2019-heute), die man sich als Leinwand an die Wand hängen könnte. Den gleichen Wortlaut verwendete ich im übrigen bei der Dune-Filmkritik. Doch warum wiederhole ich mich? Ganz einfach. Die Bildsprache ist gewaltig und bietet einen sehr düsteren Unterton, welcher dafür sorgt, dass wir Gotham City so dreckig und verkommen wie noch nie erleben. Und wenn dazu Nirvanas Song „Something In The Way“ (1991) gespielt wird, ist der düstere Unterton perfekt. Im besagten Titel scheint etwas im Weg zu sein und lässt viel Spielraum für Interpretationen. So wie Bruce Wayne im Film geschrieben ist, geht auf diesen Song zurück, bzw. holte sich Matt Reeves dort die passende Inspiration für seine Version des Bruce Wayne. Auch der Score von Michael Giacchino (Rogue One: A Star Wars Story, The Book of Henry) ordnet sich dem Geschehen vollends unter bietet beklemmende Symphonien der Nacht.

Bei der Premiere war auch Aquaman-Darsteller Jason Momoa zugegen. Schließlich ist er der Stiefvater von Zoë Kravitz und trennte sich erst kürzlich von Lisa Bonet. Vor der Ehe mit Momoa war Bonet mit Sänger Lenny Kravitz verheiratet. Aus dieser Ehe stammt Zoë.

Fazit: Der Film dürfte viele Filmbegeisterte neugierig machen. Denn wir erleben wahrlich einen ganz anderen Batman. Härter, düsterer und kompromissloser als je zuvor. Der Blockbuster stellt nicht nur eine Detektivgeschichte dar, sondern ist auch ein Psychothriller und im Ansatz ein Actionfilm, der viel Inspiration in sich trägt und doch etwas ganz Eigenständiges und Neues ist. Noch nie war Batman weniger ein strahlender Held als in diesem Film. Selbst wenn er sich noch im Schatten der Nacht befindet, verbreitet er Angst und Schrecken und tritt kurze Zeit später mit beklemmenden Unterton in Erscheinung. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf Verluste und agiert als ungeschliffener Diamant. Diese Version von Batman ist fast perfekt und könnte zu einer Liebeserklärung für düstere und tiefgründige Comicverfilmungen werden. Film-Noir in Reinkultur, wenn man so will.


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Ich habe mit Marco und Timo über den Film gesprochen, so dass ich euch diese Audio anbieten kann. Viel Spaß beim hören.

Quellenangabe:
imdb.com
web.de
moviepilot.de
empireonline.com

Bildquelle: ©Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.


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The Batman (2022) | Review


Vielen Dank, dass ihr meinen Artikel gelesen habt. Lasst doch gerne ein Like da, wenn es euch gefallen hat. Ihr habt einen Gedanken zum Text oder Film? Dann postet es mir gerne unten in die Kommentare. Ansonsten ließt man sich im nächsten Artikel. Bis bald…

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